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PKV publik 7.2014

GASTBEITRAG

Die Gesundheitswirtschaft: Wichtig für Wachstum, Beschäftigung und Gesundheit

Gesundheit ist ein hohes Gut, im Unterschied zu anderen lebenswichtigen Gütern als solches aber nicht einfach im Laden erhältlich. Kaufen kann man nur die Medikamente und Dienstleistungen, die der Arzt zur Verbesserung des Gesundheitszustandes verordnet hat. Das darf man nicht übersehen, wenn von Gesundheitswirtschaft gesprochen wird. Von Iris Gleicke



Der 2007 im Bundeswirtschaftsministerium eingerichtete Arbeitsstab Gesundheitswirtschaft hat erst einmal damit begonnen, verlässliche Datengrundlagen über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitswirtschaft zu schaffen. Zwei Jahre später lag das „Gesundheitssatellitenkonto“ vor, das europaweit zum ersten Mal die Gesundheitswirtschaft in den Kategorien der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung darstellte.

Seitdem wissen wir, dass die Gesundheitswirtschaft einer der größten Wirtschaftszweige der deutschen Wirtschaft ist. Die Zahl der Beschäftigten betrug 2013 6,2 Millionen. Das entspricht einem Anteil an der Gesamtbeschäftigung von rund 14 Prozent und korrespondiert mit einem beachtlichen Beitrag der Gesundheitswirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt von etwa 11 Prozent.

Im Juli wurde im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Weiterentwicklung dieses Modells zu einer gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung vorgestellt (www.bmwi.de/DE/Mediathek/publikationen,did=609600.html).Rechnet man nämlich die Wertschöpfung hinzu, die in anderen Branchen, z. B. der Bauwirtschaft, durch Aufträge aus der Gesundheitswirtschaft entsteht, dann erhöht sich die Zahl der Arbeitsplätze, die von der Gesundheitswirtschaft abhängen, noch einmal deutlich.

Die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft ist in den Bundesländern dabei sehr unterschiedlich. An der Spitze liegen hier die fünf neuen Bundesländer, allen voran Mecklenburg-Vorpommern.

Das Wachstum der Bruttowertschöpfung der deutschen Gesundheitswirtschaft lag in den Jahren 2006 bis 2012 durchschnittlich um 1,5 Prozentpunkte pro Jahr über dem der Gesamtwirtschaft. Besonders deutlich war das in den schwierigen Jahren 2008 und 2009. Ebenso ist das Beschäftigungswachstum in der Gesundheitswirtschaft höher als im Durchschnitt aller Branchen.

Wer Gesundheit gedanklich immer nur mit Kostensteigerungen verbindet, hätte wohl kaum erwartet, dass die Arbeitsproduktivität in der Gesundheitswirtschaft, so die Ergebnisse des zweiten im Juli vorgestellten Projekts, sich in den vergangenen Jahren etwa genauso entwickelt hat wie die aller Branchen. Und wenn man den technischen Fortschritt berücksichtigt, dann ist die Gesamtproduktivität der Gesundheitswirtschaft aufgrund einiger hoch technologischer Teilbereiche sogar deutlich schneller gestiegen als die der Gesamtwirtschaft (www.bmwi.de/DE/Mediathek/publikationen,did=609546.html).

Wirtschaftswachstum kann aber insbesondere in der Gesundheitswirtschaft kein Selbstzweck sein. Man darf also gespannt sein, was in dem nächsten Forschungsbericht zu der Frage stehen wird, wie sich das Ergebnis der gesundheitswirtschaftlichen Aktivitäten auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt. Dieser Bericht wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres erscheinen.