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PKV publik 7.2014

Editorial

 

Liebe Leserinnen und Leser,

für viele ist die Sommerpause noch nicht allzu lange vorbei und so manch einer wird sich – frisch erholt – neuen Aufgaben und Herausforderungen zuwenden wollen. Gerade in der Gesundheits- und Pflegepolitik gibt es davon ja mehr als genug. Doch leider geht es nun zunächst einmal darum, eine erst vor kurzem eingeführte und absolut notwendige Vorsorgemöglichkeit zu verteidigen.

Denn die Fraktion DIE LINKE hat im Bundestag einen Antrag eingebracht, in dem sie die Abschaffung der staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung fordert. Dieses Vorhaben ignoriert eine zentrale Herausforderung in unserer Gesellschaft: die Alterung unserer Bevölkerung. Denn das Umlageverfahren der Sozialen Pflegepflichtversicherung stößt in Zeiten des demografischen Wandels an seine Grenzen. Auch die Wissenschaft ist sich deswegen weitgehend einig, dass das Kapitaldeckungsverfahren gerade zur Absicherung des Pflegerisikos geeignet ist. Mit der geförderten Pflegezusatzversicherung hat die Politik deswegen im vergangenen Jahr die Möglichkeit geschaffen, etwas gegen die drohende Finanzierungslücke im Pflegefall zu tun.

Und diese Möglichkeit wird auf beeindruckende Weise genutzt:  Mehr als 460.000 Menschen hatten bis Ende Juli dieses Jahres einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Seit Beginn der Diskussion über die geförderte Zusatzversicherung gibt es darüber hinaus eine deutlich höhere Nachfrage auch nach den klassischen ungeförderten Zusatztarifen. Dieses Interesse macht deutlich, dass die Menschen immer stärker die Notwendigkeit einer zusätzlichen, kapitalgedeckten Vorsorge erkennen.

Auch die Altersstruktur der Versicherten in der geförderten Pflegezusatzversicherung zeigt, dass dieses Vorsorgekonzept gut funktioniert. Insgesamt 50,2 Prozent der Versicherten sind jünger als 50 Jahre, 28,6 Prozent sogar jünger als 40 Jahre, nur 22,4 Prozent sind 60 Jahre und älter. Diese Fakten widerlegen eindrucksvoll alle Unkenrufe beim Start der geförderten Pflegezusatzversicherung, dass überwiegend ältere Menschen mit hohem Pflegerisiko dieses Angebot nutzen würden und daher ein deutlicher Beitragsanstieg zu befürchten wäre. So behauptet es auch die Fraktion DIE LINKE in ihrem Antrag, doch diese These hat mit der Realität nichts zu tun. Die Menschen sind schon in jungen Jahren viel stärker zu vorausschauender Eigenverantwortung bereit, als manche Politiker ihnen zutrauen.

Eine Abschaffung der geförderten Pflegezusatzversicherung wäre daher nicht nur mit Blick auf die jungen und zukünftigen Generationen unverantwortlich, sie würde auch die Bedürfnisse der heutigen Erwachsenen schlicht ignorieren. Eine Ausweitung des Umlageverfahrens, wie von der Fraktion DIE LINKE gefordert, würde zudem die großen demografischen Probleme der umlagefinanzierten Sozialversicherung hingegen noch weiter verschärfen.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

 

Volker Leienbach