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PKV publik 6.2014

IM GESPRÄCH: JÜRGEN ROTERS (SPD), OBERBÜRGERMEISTER VON KÖLN

„Das duale Krankenversicherungssystem ist ein sehr gutes und erhaltenswertes System“

Jürgen Roters (SPD) ist Oberbürgermeister von Köln. Im Interview mit PKV publik spricht er über die Stadt als Versicherungsstandort, die Vorteile des dualen Krankenversicherungssystems, die Herausforderungen des demografischen Wandels und das Präventionsengagement der Privaten Krankenversicherung.



Köln – das steht unter anderem für Karneval, Kölsch und – vielleicht nicht ganz so bekannt – auch für Krankenversicherung und die Versicherungswirtschaft generell. Hand aufs Herz: Wüssten Sie, wie viele Menschen in Köln in der Versicherungswirtschaft tätig sind?

Roters: Aus dem Stegreif hätte ich es nicht sofort sagen können, aber ich habe mich natürlich vor dem Interview kundig gemacht. Wir haben in Köln inzwischen über 26.600 Arbeitsplätze in der Versicherungswirtschaft. Das hat mich schon ein bisschen stolz gemacht, dass eine so große Zahl in Köln tätig ist. Die Versicherungswirtschaft hat hier eine lange Tradition. Eine der ersten Sachversicherungen ist hier in Köln gegründet worden.

Köln ist quasi die Hauptstadt der Privaten Krankenversicherung als Hauptsitz von sechs Unternehmen, die rund ein Viertel aller Privatversicherten in Deutschland betreuen. Welche Rolle spielt die Versicherungswirtschaft für die Stadt selbst?

Roters: Als Standort der Versicherungsbranche sind wir gemeinsam mit München auf einer Spitzenposition, gerade auch Dank der Privaten Krankenversicherung. Das zeigt auch, wie wichtig diese Wirtschaftsbranche ist. Denn zu den 26.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Versicherungsunternehmen kommen ja nochmals ganz viele Arbeitsplätze für externe Dienstleistungen hinzu.

Woher kommt diese große Bedeutung der Stadt Köln? Was sind ihre Standortvorteile?

Roters: Wir haben ein sehr gutes Zusammenwirken zwischen qualifizierter Ausbildung und den Erfordernissen der Versicherungsunternehmen. Das ist unser Geheimrezept. An der Kölner Universität gibt es schon über viele Jahrzehnte einen herausragenden Lehrstuhl für Versicherungswissenschaft, Vergleichbares gibt es mit dem Institut für Versicherungswesen an der Fachhochschule Köln. Es herrscht ein reger Austausch zwischen der Versicherungswirtschaft und unseren wissenschaftlichen Einrichtungen, auch was zum Beispiel die Förderung von Lehrstühlen angeht. Das alles führt dazu, dass es hier ein breites Angebot von gut ausgebildeten Nachwuchskräften gibt. Von den Vertretern der Unternehmen höre ich immer wieder, dass dieser qualifizierte Nachwuchs für sie eine ausschlaggebende Bedeutung hat, sich in Köln anzusiedeln bzw. hier zu bleiben. Hinzu kommt unsere gute Verkehrsanbindung. Köln ist praktisch das Drehkreuz im europäischen Westen, leicht erreichbar aus den Benelux-Staaten, aber auch aus Skandinavien oder England. Und die besondere Lebensqualität der Stadt ist ja weit über unsere Grenzen hinaus bekannt. Gerade auch junge Leute kommen gerne nach Köln, um hier zu arbeiten und zu leben. Sie werden sehr schnell integriert. So kommt da eins zum anderen.

Versicherung ist ein bundesweites und zunehmend internationales Geschäft – die wichtigen Entscheidungen für die Branche fallen in Berlin und Brüssel. Was aber können die Kommunen hier leisten? Haben Sie sich schon einmal besonders einsetzen können für die Versicherungsbranche?

Roters: Uns als Kommune ist es wichtig, vernünftige Rahmenbedingungen für die Unternehmen der Versicherungswirtschaft zu schaffen. Da geht es um ganz konkrete Dienstleistungen der Verwaltung. Wenn beispielsweise Genehmigungen für Neubauten, Erweiterungsbauten oder Sanierungen benötigt werden, da können die Unternehmen sicher sein, dass sie schnell und gut betreut werden. Dieses Vertrauen haben wir. Wichtig ist auch, dass der Oberbürgermeister stellvertretend für die Politik insgesamt den engen Kontakt zur Wirtschaft hält. Ich versuche, die einzelnen Unternehmen regelmäßig auch persönlich zu besuchen, etwa zu besonderen Veranstaltungen wie Jubiläen. Da nehme ich immer sehr gerne teil, um deutlich zu machen: Die Stadt steht zu ihren Versicherungsunternehmen. Das ist mir ganz wichtig, auch damit man persönlich aufnehmen kann, was es an Erwartungen oder auch an Sorgen gibt. Wir haben einmal im Jahr ein gemeinsames Treffen der Unternehmensspitzen mit dem Oberbürgermeister, da kommen immer auch die politischen Themen zur Sprache.

Die Private Krankenversicherung ist ja nicht nur Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Bestandteil der sozialen Sicherung in Deutschland. Wie stehen Sie zum dualen System und seinem Miteinander von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung?

Roters: Als Oberbürgermeister der viertgrößten Stadt in Deutschland ist es mir ein wichtiges Anliegen, für die Stabilität und Zukunftssicherheit der Privaten Krankenversicherung Sorge zu tragen. Ich halte das duale Krankenversicherungssystem, so wie es sich in Deutschland entwickelt hat, für ein sehr gutes und erhaltenswertes System. Das betone ich immer wieder auch bei öffentlichen Veranstaltungen. Es geht nicht um Gegensätze zwischen den gesetzlichen und den privaten Krankenversicherungen, sondern um Arbeitsteilung. Mit diesen beiden Säulen können wir das duale System stabilisieren. Das ist ein guter Zukunftsweg.

Gerade auch in großen Städten altert die Bevölkerung sehr stark. Welche Herausforderungen sehen Sie in der Folge dieser Entwicklung?

Roters: Wir wissen, dass künftig immer weniger Erwerbstätige immer mehr Rentner und auch immer mehr Pflegebedürftige mitfinanzieren müssen. Vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft haben wir nicht zuletzt auch in der Pflegeversicherung eine große Aufgabe. Daher müssen wir den Menschen für die Zukunft in größerem Maße kapitalgedeckte Versicherungen zur Vorsorge anbieten. Auch da können die privaten Versicherungsunternehmen eine Menge leisten. Das ist eine große Zukunftsaufgabe, die auf alle Beteiligten zukommt.

Köln ist auch der Sitz der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Der Verband der Privaten Krankenversicherung finanziert seit vielen Jahren deren Aufklärungskampagnen gegen HIV und AIDS sowie gegen Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen. Wie bewerten Sie diese öffentlich-private Partnerschaft?

Roters: Ich kann Sie in diesen Bemühungen nur bestärken. Das ist von ganz großer Bedeutung. Prävention und gesundheitliche Aufklärung müssen frühzeitig beginnen und auch nachhaltig sein. Wenn eine der großen Aktionen der Bundeszentrale gemeinschaftlich mit der Privaten Krankenversicherung auch hier in Köln stattfindet, trete ich selbst gerne mit auf. Denn es geht um ganz wichtige Zeichen für die gesundheitliche Aufklärung der Menschen: Vorbeugen ist besser als Heilen. Da zeigt sich auch, wie gut es ist, wenn man ein großer Versicherungsstandort ist. Da kann man gemeinschaftlich mit den Unternehmen und den sozialen Organisationen etwas bewirken, um die Gesundheit zu fördern.