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PKV publik 6.2014

Vater und Sohn schauen sich an und lächeln
 

Ein echtes Vorbild

Auf der Verbands-Jahrestagung erhält die PKV viel Lob für ihre wichtige Rolle im Gesundheitswesen

Auf der PKV-Mitgliederversammlung waren sich alle einig: Das deutsche Gesundheitssystem braucht mehr Kapitaldeckung.



„Wir brauchen einen Aufstand der Jugend!“ Dieser Ausruf von Prof. Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), brachte es auf den Punkt, worin sich die Redner der PKV-Jahrestagung einig waren: Ohne eine nachhaltigere Finanzierung der Sozialversicherungen und mehr private Vorsorge werden die künftigen Generationen in Deutschland den demografischen Wandel nicht bewältigen können.

Fuest mahnte: Die Alterung der Gesellschaft lässt die Gesundheitsausgaben in den kommenden Jahrzehnten in einem Ausmaß ansteigen, auf das die Sozialversicherungen in ihrer jetzigen Form nicht vorbereitet sind. Beitrags- und Steuerzahler müssten dann enorm ansteigende Lasten schultern: Eine wachsende „Nachhaltigkeitslücke“ auf Kosten der kommenden Generationen. Und auch der PKV-Verbandsvorsitzende Uwe Laue warnte: „Unserem Sozialstaat gehen mittelfristig die Beitragszahler aus“. Umlagefinanzierte Versicherungssysteme wie die Gesetzliche Krankenversicherung basieren bekanntlich darauf, dass die Erwerbstätigen auch die Kosten der Nicht-Erwerbstätigen mittragen. Im demografischen Wandel wird sich das Verhältnis dieser beiden Gruppen rasant zu Lasten der Beitragszahler verändern: Immer weniger von ihnen werden dann für immer mehr Ruheständler immer tiefer in die Tasche greifen müssen.

Der demografische Wandel erschwert harte Reformen.

Während in den umlagefinanzierten Sozialversicherungen auch in Zukunft alle Versicherungsleistungen von der Generation der Erwerbstätigen erwirtschaftet werden müssen, sorgt im Kapitaldeckungsverfahren der PKV dagegen jede Versichertengeneration selbst für ihre künftigen Kosten vor. Sie legt schon in jungen Jahren Geld für die absehbar höheren Kosten im Alter zurück und belastet nicht die Generation ihrer Kinder und Enkel.

Demografisch spreche daher alles dafür, stärker auf die Kapitaldeckung zu setzen, so Laue. Und auch Ökonom Fuest gab der Politik den Rat: „Die Antwort auf die Lasten, die auf uns zukommen, kann nur eine Stärkung der Kapitaldeckung sein.“

Der Weg zur Entschärfung des Demografieproblems ist damit eigentlich klar erkennbar. Der demografische Wandel selbst macht es aber zunehmend schwieriger, die nötigen Reformen auch umzusetzen. So erläuterte Matthias Jung, leitender Vorstand der Forschungsgruppe Wahlen, dass Deutschland durch die Alterung der Gesellschaft zunehmend auf eine „Rentnerdemokratie“ zusteuere: „Die Alten werden immer mehr, und sie werden gleichzeitig immer älter. Die Jungen werden immer weniger. Daher ist es logisch, dass in allen gesellschaftlichen Bereichen der Einfluss der Alten entscheidender für alles wird.“ Im Zuge dieser Entwicklung werde sich in der Bevölkerung eher die Zustimmung für „bequemer“ erscheinende Lösungen statt für einschneidende Reformen durchsetzen.

Gerade im Bereich der Pflege dränge sich eine stärkere kapitalgedeckte Vorsorge nahezu auf, betonte Laue: Während derzeit rund 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig sind, werden es 2050 fast doppelt so viele sein – mit entsprechend steigenden Leistungsansprüchen.

Zwar habe die Bundesregierung nun eine Reform der Pflegeversicherung in die Wege geleitet. Doch sie setze damit leider ein Zeichen in die falsche Richtung, bedauerte der PKV-Verbandsvorsitzende. Zum einen weite die Große Koalition mit der geplanten Anhebung des Beitragssatzes der Sozialen Pflegeversicherung das demografieanfällige Umlagesystem noch weiter aus. Zum anderen spiegelten die Pläne zum Aufbau eines „Pflegevorsorgefonds“ zwar die richtige Erkenntnis, dass in der Pflege mehr Kapitaldeckung nötig sei. Aber das Instrument sei falsch, da eine staatliche Kapitalreserve nie sicher vor der Gefahr einer politischen Zweckentfremdung sei.

Laue appellierte daher an die Politik: „Kapitaldeckung sollte man denen überlassen, die damit Erfahrung haben“. Die PKV habe sowohl in der Kranken- als auch in der Pflegeversicherung bewiesen, dass ihr Modell generationengerecht und nachhaltig ist.

190 Milliarden Euro hat die Private Kranken- und Pflegeversicherung bislang für die absehbar höheren Gesundheitsausgaben ihrer Versicherten im Alter zurückgelegt. Außerdem verfügt die Branche über unschätzbare Erfahrung: Bereits zehn Jahre vor Einführung der gesetzlichen Pflichtversicherung in Deutschland hat sie Tarife zur Absicherung des Pflegerisikos eingeführt und kann sich daher als „Erfinder“ der Pflegeversicherung in Deutschland bezeichnen (s. PKV publik Ausgabe 1/2014).

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verteidigte in seiner Rede die Pflege-Pläne der Regierung: Ziel sei vor allem eine Flexibilisierung der Leistungen und eine Verbesserung der Personalsituation. Die Pflegereform werde insofern „spürbare Verbesserungen für alle Pflegebedürftigen, ihre Angehörigen sowie für die Pflegekräfte insgesamt“ mit sich bringen, gab sich der Minister überzeugt. Zugleich bekannte sich aber auch Gröhe ausdrücklich dazu, dass das deutsche Gesundheitssystem aufgrund des demografischen Wandels eine „nachhaltigere und wettbewerbsorientiertere Finanzierung“ benötige. Speziell mit Blick auf den eigenen Pflegebedarf „ist und bleibt“ die private Vorsorge wichtig, mahnte Gröhe.

Gesundheitsminister Gröhe: "Private Vorsorge ist und bleibt wichtig."

Denn die Leistungen der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung können die nötige Eigenvorsorge nicht völlig ersetzen: Die Kosten für einen Pflegeheimplatz in der höchsten Pflegestufe III beispielsweise sind im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie die Leistungen der gesetzlichen Pflichtversicherung; die Lücke beträgt über 1.500 Euro im Monat. Wer da nicht rechtzeitig vorgesorgt hat – etwa durch eine private Zusatzversicherung –, wird im Pflegefall vor gravierenden finanziellen Problemen stehen.

„Wer rundherum abgesichert sein will, muss dies bedenken und selbst mit vorsorgen“, betonte der Bundesgesundheitsminister. Ihm sei wichtig, dass sich alle Menschen in Deutschland darauf verlassen könnten, im Pflegefall „menschliche Zuwendung und eine qualitativ hochwertige Versorgung“ zu erfahren. Die schwarz-rote Bundesregierung habe sich deshalb unter anderem dazu entschlossen, die ergänzende private Pflegevorsorge weiter finanziell zu fördern.

Damit setzt die Politik auch aus Laues Sicht ein wichtiges Zeichen. Mit der Förderung der neuen Pflegepolicen erkenne der Gesetzgeber an, dass eine kapitalgedeckte, private Versicherung das Versprechen einer verlässlichen Zusatz-Vorsorge am nachhaltigsten einlöst: Denn nur so vermehrt sich einerseits das Geld der Versicherten durch den Zinseszinseffekt, andereseits ist es vor einer späteren Zweckentfremdung durch den Staat sicher.

Darüber hinaus ist die Förderung offenbar ein ganz deutlicher Fingerzeig für alle Bürgerinnen und Bürger, über eine entsprechende Vorsorge nachzudenken: Seit Einführung der geförderten Pflegezusatzversicherung im Jahr 2013 haben nicht nur Hunderttausende Personen eine solche Police neu abgeschlossen und damit teilweise erstmals nachhaltig für den Pflegefall vorgesorgt. Die Debatte um die Notwendigkeit der privaten Eigenvorsorge hat auch ungeförderten Pflegezusatzversicherungen einen enormen Aufschwung verschafft:

Seit Beginn der Diskussion um die geförderte Zusatzversicherung ist die Zahl der nicht geförderten Policen von 1,88 Millionen Versicherungen im Jahr 2011 auf 2,34 Millionen zum Jahresende 2013 angewachsen. Das entspricht einem Anstieg von fast 25 Prozent. „Damit sind innerhalb von zwei Jahren mehr Pflegezusatzversicherungen abgeschlossen worden als in den ersten 14 Jahren zwischen 1984 und 1997 zusammen“, bilanziert Laue. Eine gute Entwicklung bei der Absicherung der Pflegefälle von morgen.

Gröhe: "Zwei-Säulen-Prinzip hat sich bewährt"

In seiner Rede räumte Gesundheitsminister Gröhe außerdem mit einem Missverständnis auf: Dass die PKV im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD nicht explizit erwähnt werde, bedeute keineswegs, „dass wir uns der wichtigen Rolle der Privaten Krankenversicherung in unserem Gesundheitssystem nicht bewusst sind.“

Im Gegenteil: „Das Zwei-Säulen-Prinzip hat sich bewährt“, lautete Gröhes deutliches Bekenntnis zum dualen System aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung. „Und für den Beitrag, den Sie mit Ihren Unternehmen an der Gesundheitsversorgung in Deutschland leisten, möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich danken.“

Besonders das Präventionsengagement der privaten Versicherungsunternehmen hob der Minister dabei hervor. Die vom PKV-Verband freiwillig finanzierten Kampagnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – beispielsweise „Gib AIDS keine Chance“ zur HIV-Prävention und „Alkohol? Kenn dein Limit.“ gegen den Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen – seien eine „großzügige Unterstützung“ der Präventionsarbeit und „von großer Bedeutung, wenn es darum geht, Menschen zu erreichen, ihre eigene Lebensweise mit in den Blick zu nehmen und zu verändern.“

Zudem wies Gröhe darauf hin, dass Private Krankenversicherer und Politik in den letzten Jahren vieles zum Wohle der Privatversicherten auf den Weg gebracht hätten. So habe der Gesetzgeber mit dem im August 2013 eingeführten Notlagentarif „neben den weiterhin bestehenden Möglichkeiten durch den Basis- und Standardtarif die rechtlichen Rahmenbedingungen für finanziell schwache Privatversicherte weiter verbessert.“

Die Branche wiederum habe ihr Angebot an die Versicherten im Zuge der Einführung der Unisex-Tarife verbessert – durch eine Ausweitung des Leistungskatalogs, bei der viele Unternehmen gewisse Mindeststandards berücksichtigen.

Gröhe offen für Vorschläge der PKV

Gröhe bot der PKV für die Zukunft seine Gesprächsbereitschaft an. Zwar sei er der Auffassung, dass die Branche ihre Herausforderungen grundsätzlich selbst meistern könne. Versichertenfreundliche Vorschläge, bei denen die Private Krankenversicherung auf den Gesetzgeber angewiesen sei, werde er aber gern wohlwollend prüfen. Als konkrete Beispiele nannte Gröhe die Forderungen der Privaten Krankenversicherung nach einer Öffnung des Standardtarifs für Neukunden nach 2009 und nach einer stärkeren Glättung der Sprünge bei Prämienanpassungen.

Ebenso wohlwollend bewertete der Minister die Verhandlungen der PKV mit der Ärzteschaft über eine Reform der Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ): „Wenn Sie einen abgestimmten Vorschlag vorlegen, dann werden wir uns gemeinsam – auch unter Einbeziehung der Beihilfeträger – zügig an die Umsetzung machen“, versprach er. Zuvor hatte PKV-Verbandschef Laue angekündigt, schon bald „in sehr konstruktiver, fairer Kooperation mit der Ärzteschaft“ einen gemeinsamen GOÄ-Entwurf vorlegen zu können.

Laue sagte dem Minister zu, dass die Branche auch in Zukunft reformbereit bleiben werde. So wolle die PKV das Tarifwechselrecht ihrer Kunden weiter stärken und versichertenfreundlicher gestalten. Ziel sei es, den Versicherten mehr Transparenz zu verschaffen, die ihnen einen Überblick über alle notwendigen Informationen mitsamt den zu zahlenden Beiträgen in den Zieltarifen des Unternehmens geben soll.

Diese Reformbereitschaft im Interesse der Kunden ändere jedoch nichts an den grundsätzlichen Vorteilen der Privaten Krankenversicherung, stellte Laue klar: Denn nur die Private Krankenversicherung steht für eine zukunftssichere Kapitaldeckung, eine lebenslange Leistungsgarantie, den Verzicht auf Budgets, die Garantie von Wahl- und Therapiefreiheit, von Freiberuflichkeit und Innovationen. Und nicht zuletzt: für eine außergewöhnlich hohe Zufriedenheit ihrer mehr als 32 Millionen Voll- und Zusatzversicherten.


Alle Reden und Vorträge sowie Bilder und Videos der Veranstaltung finden Sie unter: www.pkv.de/verband