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PKV publik 4.2014

Generationengerecht durch Kapitaldeckung

Angesichts unserer alternden Gesellschaft ist mehr Kapitaldeckung der richtige Weg, um die sozialen Sicherungssysteme zu stabilisieren. Individuelle Lösungen sind dabei besser als     staatliche Vorsorgefonds, die von der Politik zweckentfremdet werden können.

Von Dr. Wolfgang Bruckmann



Zuweilen fühlt man sich wie der Betrachter eines Zeitlupenfilms: Langsam, aber unaufhaltsam schrumpft und altert die deutsche Bevölkerung. Dass am Ende des „Films“ eine unabwendbare Katastrophe steht, ist aber keineswegs ausgemacht. Denn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verfügen über eine Reihe von Handlungsoptionen, mit denen sich zwar keine Trendumkehr bewirken, aber Intensität und Geschwindigkeit des demografischen Wandels beeinflussen lassen.

Besonders gefordert sind die umlagefinanzierten sozialen Sicherungssysteme. Ihre wichtigste Basis ist ein stabiles Beschäftigungsniveau. Beiträge dazu können und sollten leisten: die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Karriere für Mütter und Väter sowie mehr qualifizierte Zuwanderung.

Neben der Zahl der Beschäftigten müssen aber auch deren Produktivität und Einkommen wachsen. Dafür braucht es mehr Investitionen in Bildungswesen und Infrastruktur. Auch die Industrie – Arbeitgeber für Millionen von Führungskräften und hochqualifizierten Arbeitnehmern – benötigt stabile Rahmenbedingungen, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Über all diese beschäftigungsrelevanten Maßnahmen hinaus müssen die Ausgaben für die soziale Sicherung generationengerecht verteilt werden. Nur mehr Kapitaldeckung kann künftige Belastungen wirksam in die Gegenwart vorziehen. Angesichts der Unabwendbarkeit der demografischen Entwicklung ändert daran die aktuelle Niedrigzinsphase nichts.

Bei der Altersvorsorge ist die Ergänzung der bei nahezu allen Bürgern vorhandenen umlagefinanzierten Alterssicherung durch kapitalgedeckte Vorsorge der richtige Weg. Führungskräfte sind diesen Weg nicht erst seit der Riester-Reform gegangen.

Etwas anders gelagert ist der Fall bei der Kranken- und Pflegeversicherung. Hier ist mit dem dualen System ein historisch tiefverwurzeltes, bis heute gut funktionierendes Nebeneinander von umlagefinanzierten gesetzlichen Kassen und kapitalgedeckten privaten Krankenversicherungen entstanden.

Bei gesetzlich Versicherten sind die Gründe für mehr Kapitaldeckung letztlich die gleichen wie bei der Altersvorsorge: mehr finanzielle Nachhaltigkeit und ein Ausgleich für zukünftige Kürzungen gesetzlicher Leistungen, die ja in ihrer Gesamtheit im Gegensatz zu privaten Verträgen nicht dauerhaft garantiert sind. Der geplante Vorsorgefonds der Pflegeversicherung ist zwar auf den ersten Blick eine gute Idee. Offen gestanden fehlt der ULA aber das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Politik, kollektive Reserven dauerhaft vor Zweckentfremdung zu schützen. Individuelle kapitalgedeckte Lösungen sollten daher politisch den Vorrang haben, insbesondere wenn sie wie etwa die steuerlich geförderten Pflegezusatzversicherungen für jedermann zugänglich sind.