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PKV publik 4.2014

schwangere Frau greift nach einem Glas Rotwein
 

Finger weg

Schon eine geringe Menge Alkohol bei Schwangeren kann für die ungeborenen Kinder zu schweren Schäden führen

Mehrere Initiativen richten ihre Aufklärungsarbeit in Sachen Alkohol auf Schwangere aus. Auch in der Kampagne „Alkohol? Kenn Dein Limit.“ findet diese Zielgruppe umfangreiche Informationen.



Frage: Wie oft setzen Sie Ihre Gesundheit aufs Spiel? Antwort: Jedes Mal, wenn Sie Alkohol trinken. Lassen Sie sich diesen Satz noch einmal auf der Zunge zergehen – ja, mit jedem Glas Wein greifen Sie Ihre Gesundheit an, denn Sie verabreichen Ihrem Körper ein Gift. Jeder Schluck Alkohol greift die Zellen an, beginnend bei der Mundschleimhaut und im Rachen, doch macht das Zellgift auch vor Ihrem Magen, der Bauchspeicheldrüse und der Leber nicht halt. Hoher Alkoholkonsum kann deshalb chronische Krankheiten wie Krebs und Diabetes, aber auch Herz-Rhythmus-Störungen oder Nervenschäden verursachen. Dennoch trinken die Deutschen im Jahr rund 134 Liter Bier pro Kopf. Etwa 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig.

Um das Bewusstsein für die gesundheitlichen Gefahren zu schärfen, unterstützt der PKV-Verband seit vielen Jahren die Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“. Die Kampagne, umgesetzt von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, richtet sich vor allem an Jugendliche und setzt auf einen maßvollen Konsum. Bewusst hat sich der Verband der Privaten Krankenversicherung 2009 entschieden, den Fokus auf Jugendliche zu richten. Denn in der Umbruchphase vom Kind zum Erwachsenen setzen sich Verhaltensweisen und Konsummuster fest und die Gefahr, in den Alkoholismus abzugleiten, ist am größten.

Jedes Jahr kommen 10.000 alkoholgeschädigte Kinder zur Welt.

Doch während ein einzelnes kleines Glas Bier oder Wein bei einem 16-Jährigen in der Regel nicht mehr als einen Schwips auslöst, kann die gleiche Menge, von einer Schwangeren getrunken,  schwerwiegende geistige und körperliche Behinderungen beim ungeborenen Kind auslösen. 10.000 alkoholgeschädigte Kinder kommen jedes Jahr in Deutschland zur Welt, davon 4.000 mit dem Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms. Dies bedeutet häufig nicht nur Organschäden an Niere oder Herz, oftmals haben die Neugeborenen auch Verformungen im Gesicht, sind verhaltensauffällig und haben Defizite in der geistigen Entwicklung. Heilbar sind diese Schäden in der Regel nicht – sie wären aber zu 100 Prozent vermeidbar gewesen.

Es gibt zwar keine allgemein verbindlichen Aussagen darüber, welche Menge Alkohol zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft wie stark schadet. Sicher ist allerdings, dass bereits einzelne Gelegenheiten, zu denen Alkohol getrunken wird, das Risiko erhöhen, die Gesundheit des werdenden Kindes zu schädigen. Die Frage, die sich eine werdende Mutter also stellen muss, lautet: Will ich die Gesundheit meines Kindes aufs Spiel setzten?

Als Mehrebenen-Kampagne spricht „Alkohol? Kenn dein Limit.“ deshalb auf seiner begleitenden Erwachsenen-Website auch die Eltern an. Auch Schwangere erhalten hier als besonders gefährdete Gruppe Information und Unterstützung.

Ein neues Instrument, das sich gezielt an Schwangere richtet, ist die Internetplattform „IRIS“. Sie soll Frauen helfen, in der Schwangerschaft auf Nikotin und Alkohol zu verzichten. Die Plattform ist das erste therapeutische Online-Beratungs- und Behandlungsprogramm dieser Art in Deutschland und wurde vom Universitätsklinikum Tübingen entwickelt. Unterstützt vom Bundesministerium für Gesundheit motiviert die Plattform die Schwangeren zum Verzicht und hilft ihnen dabei, ihren Willen zur Abstinenz in die Tat umzusetzen. Zunächst 500 Frauen können das neue Programm seit April kostenlos und anonym nutzen.

Auch der Mutterpass wird zur Aufklärung genutzt.

Auf Anregung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, wird nun auch der Mutterpass zur besseren Aufklärung genutzt. Der Pass wird vom betreuenden Arzt ausgestellt und jeder werdenden Mutter in Deutschland ausgehändigt. Neuerdings finden sich hier aber nicht nur sämtliche Daten, die Ärzte und Hebammen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft erheben, sondern auch ein ausdrücklicher Hinweis auf Alkohol, Tabak und andere Drogen. Ärzte ihrerseits werden dadurch noch einmal explizit an ihre Beratungspflicht erinnert.

Eine weitere Initiative ist die Aktion „Mein Kind will keinen Alkohol“ von Pernod Ricard. Der Spirituosenhersteller möchte die Menschen in Deutschland nach eigenen Worten für maßvollen und verantwortungsvollen Genuss sensibilisieren und sinnvolle Genussgrenzen aufzeigen. Dazu gehört insbesondere der vollständige Verzicht auf Alkohol während der Schwangerschaft. Um das Thema in immer neue Gruppen hineinzutragen, setzt die Kampagne auf Prominente aus möglichst vielen Bereichen. Bisher haben sich zehn bekannte Frauen als Botschafterinnen gegen Alkohol in der Schwangerschaft ausgesprochen: Unter ihnen die Schauspielerin Sophie Schütt, das Topmodel Franziska Knuppe, Schauspielerin Liz Baffoe, die ehemalige Bundespräsidentengattin Bettina Wulff sowie die CSU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär. Wissenschaftlich untermauert wird die Kampagne, die seit über vier Jahren für Alkoholabstinenz in der Schwangerschaft wirbt, durch die Zusammenarbeit mit der Berliner Charité und dem Universitätsklinikum Köln.