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PKV publik 4.2014

zwei Hände halten vorsichtig ein kleines weißes Herz
 

Chance für das Leben

Viele Bürger sind noch nicht ausreichend über das Thema Organspende informiert



„Vielleicht musst du einmal tief unten gewesen sein, um zu wissen, was Glück ist“, sagt Cordula Peters mit Blick auf ihr Leben. Mit Anfang 20 erlitt die ausgebildete Krankenschwester eine schwere Lungenkrankheit, die ihr das Leben zur Qual machte. Früher war sie begeisterte Reiterin, dann aber ständig auf eine Sauerstoffflasche angewiesen. Ihr Leben hing am seidenen Faden. Dazu kam „diese Todesangst, während man denkt, jeden Moment zu ersticken.“

Inzwischen führt Cordula Peters wieder ein weitgehend normales Leben. Zu verdanken hat sie das einer Organspende. Neun Stunden dauerte die Operation, während der sie eine neue Lunge verpflanzt bekam. Inzwischen kann sie wieder regelmäßig ausreiten, schwimmen, ihr Leben genießen.

Ein Glück, das viele andere nicht haben. Drei Menschen am Tag sind es nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die gerettet werden könnten, wenn sie rechtzeitig ein neues Herz, eine neue Niere, eine neue Leber oder eine neue Lunge erhalten würden. Die Realität ist aber, dass sie nicht gerettet werden und deswegen sterben müssen. Weil es zu wenig Spenderorgane gibt.

In Deutschland benötigen etwa 11.00 Menschen ein Spenderorgan.

Zurzeit benötigen etwa 11.000 Menschen in Deutschland ein Spenderorgan. Die Transplantationsmedizin hat in den vergangenen Jahren gewaltige Fortschritte erzielt, sodass die Chancen für eine erfolgreiche Operation immer besser werden. Doch schon seit Jahren nimmt die Zahl der Organspender ab.

Nur 760 Organe wurden laut DSO von Januar bis März dieses Jahres in Deutschland nach dem Tod entnommen und transplantiert. Im selben Zeitraum 2012 waren es noch 915 Organe gewesen – ein Rückgang um fast 20 Prozent.

Dabei stehen die meisten Bundesbürger der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber. In der jüngsten Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2013 waren 68 Prozent der Befragten zu einer Organ- und Gewebespende nach ihrem Tod bereit. Doch nur etwa 28 Prozent haben diese Entscheidung  auch in einem Organspendeausweis festgehalten. Ohne diese Dokumentation des eigenen Willens müssen aber die Angehörigen der Verstorbenen unmittelbar nach deren Tod über eine Organspende entscheiden – und das ausgerechnet in einer Situation, in der sie psychisch und emotional enorm belastet sind.

Das senkt natürlich die Bereitschaft zur Spende. Und auch Halbwissen und Vorurteile können ein Grund für die Zurückhaltung sein. Der BZgA-Umfrage zufolge verfügt nur die Hälfte der Befragten über ein gutes oder sehr gutes Wissen zum Thema Organspende. Etwa ein ebenso großer Anteil hat nach eigenen Angaben das Vertrauen in das Organspendesystem verloren – was wohl maßgeblich an den Skandalen aus dem Jahr 2012 liegen dürfte: Ärzte an mehreren Transplantationszentren stehen im Verdacht, Akten manipuliert zu haben, damit ihre Patienten beim Organerhalt bevorzugt werden.

Der Verdacht betraf aber stets nur einen Bruchteil der transplantierten Organe. Außerdem wurden die Kontrollmechanismen inzwischen deutlich verschärft, um solche Manipulationen künftig ganz zu verhindern. So müssen alle Transplantationszentren nun mindestens alle drei Jahre mit einer unangekündigten Prüfung rechnen. Zudem entscheidet jetzt in jedem Zentrum ein Sechs-Augen-Prinzip über die Aufnahme von Patienten in die Wartelisten. Und es wurde eine neue Anlaufstelle für anonyme Hinweise auf etwaige Verstöße gegründet.

Ein weiterer in manchen Medien behaupteter „Skandal“ zum Thema Organspende hat sich dagegen von vornherein als unbegründet erwiesen: So weist die DSO den Verdacht zurück, die Hirntoddiagnostik sei in Deutschland häufig fehlerhaft. Stattdessen sei gerade das eine der sichersten Diagnosen in der Medizin.

Aus diesen Gründen bleibt es nach wie vor sinnvoll, für die Organspende stärker in der Bevölkerung zu werben. Auch die PKV setzt sich entsprechend der gesetzlichen Vorgaben dafür ein, die Spendenbereitschaft ihrer Versicherten zu erhöhen.

Alle zwei Jahre schreiben die Unternehmen der Privaten Krankenversicherung alle Versicherten an, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, und ermuntern sie zu einer freiwilligen Entscheidung zur Organ- und Gewebespende. Der Gesetzgeber hat diese sogenannte „Entscheidungslösung“ 2012 eingeführt, um jeden in die Lage zu versetzen, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und eine informierte und unabhängige Entscheidung zu treffen. Das entsprechende Informationsmaterial stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kostenlos zur Verfügung. Zudem bieten die PKV-Unternehmen ihren Versicherten kostenlos Organspendeausweise an.

Die Entscheidung der Versicherten bleibt ihre Privatsache. Sie wird weder vom Versicherungsunternehmen abgefragt noch zentral gespeichert. Der Organspendeausweis bleibt das einzige Dokument, auf dem die Entscheidung verzeichnet ist. Damit hat jeder Organspender die Sicherheit, dass er seine Entscheidung jederzeit ändern kann.