• Vorlesen
  • A A A

PKV publik 3.2014

Jugendlicher beim Trinken
 

Noch keine Trendwende beim Rauschtrinken

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt Studie zum Alkoholkonsum Jugendlicher vor

Die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland kennt mittlerweile die von der PKV finanzierte Kampagne „Alkohol? Kenn Dein Limit.“


 

Jana ist Schülerin. Sie schwärmt für David. Sie hofft deshalb, dass er zu ihrer Party kommt. Doch während David noch dabei ist, seinen angetrunkenen Freund zum Mitkommen zu motivieren, macht sich Alex, der Freund von Janas bester Freundin, an sie heran. Schwelende Konflikte und Alkohol sorgen schließlich dafür, dass die Dinge eskalieren…

Befangenheit und Schüchternheit im nüchternen Zustand – Hemmungsabbau, aber auch Missverständnisse und Streit unter Alkohol: Viele junge Menschen kennen dies aus eigenem Erleben. Die Situation ist zugleich die Ausgangsbeschreibung für einen neuen, rund 20-minütigen Spielfilm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Direktorin der Bundesbehörde, Prof. Elisabeth Pott, hat den Film in diesen Tagen in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert.

Gemeinsam mit der neuen Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CDU), und PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach hat sie zudem die Ergebnisse des aktuellen „Alkoholsurvey“ vorgestellt. Für die repräsentative Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wurden im Jahr 2012 insgesamt 5.000 junge Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren zu ihrem Alkoholkonsumverhalten befragt.

Demnach liegt der Alkoholkonsum von Jugendlichen in Deutschland nach wie vor hoch: Über 17 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren trinken sich mindestens einmal im Monat in einen Rausch. Damit sind diejenigen gemeint, die mindestens vier (weiblich) oder fünf (männlich) Gläser Alkohol bei einer Gelegenheit trinken. Bei den 18- bis 25-Jährigen sind es sogar 44 Prozent. An der Spitze der „häufigen Rauschtrinker“ liegen die 18- bis 21-Jährigen: Unter den jungen Männern trank sich jeder fünfte im zurückliegenden Monat mindestens vier Mal in einen Rausch, unter den jungen Frauen war es noch jede zehnte. Sämtliche Statistiken zeigten, dass das regelmäßige und mengenmäßig riskante Trinkverhalten ab dem 16. Lebensjahr signifikant zunimmt. Doch selbst unter den 12- bis 15-Jährigen gab es gut sechs Prozent, die mindestens an einem der letzten dreißig Tage mehr als vier bzw. fünf Gläser Alkohol zu sich genommen hatten.

Nach Einschätzung von Elisabeth Pott zeigt die Studie der BZgA daher „Licht und Schatten“. Zwar verzichteten immer mehr 12- bis 17-Jährige vollständig auf Alkohol. 30 Prozent hätten angegeben, noch nie welchen getrunken zu haben. Vor zehn Jahren seien es lediglich 13 Prozent gewesen. Leider stehe dieser positiven Entwicklung ein fast unverändert hoher regelmäßiger Alkoholkonsum der Jugendlichen ab 16 Jahren gegenüber. Pott: „Um hier eine Trendwende zu erreichen ist es notwendig, dass wir insbesondere die medialen Präventionsanstrengungen fortsetzen.“

Die BZgA setzt bei ihren weiteren Präventionsmaßnahmen deshalb nun einen Schwerpunkt in der schulischen Suchtprävention. Eine neue DVD umfasst neben dem bereits erwähnten Jugendspielfilm, Sachfilme und dokumentarische Kurzfilme zum Thema Alkohol. Das jugendgerechte Filmmaterial wird ergänzt durch Materialien zur Unterrichtsgestaltung an weiterführenden Schulen.

Um das Trinkverhalten in den unterschiedlichen Gruppen noch besser einschätzen zu können, hat die Studie erstmalig auch das Bildungsumfeld und den familiären Hintergrund in den Blick genommen. Demnach spielt es offenbar keine Rolle, ob die Befragten eine bestimmte Schulform besuchten, eine Ausbildung machten oder einem Studium nachgingen. Deutliche Unterschiede ergaben sich aber, wenn man den familiären Hintergrund beleuchtete: Schüler der Sekundarstufe I, die selbst oder deren Eltern aus der Türkei, Asien oder Osteuropa stammen, tranken in jeder Hinsicht deutlich weniger Alkohol als ihre Mitschüler ohne Migrationshintergrund.  Schüler mit einem Migrationshintergrund aus Westeuropa hatten hingegen noch häufiger Alkohol getrunken als ihre Altersgenossen ohne Migrationshintergrund.

"Es braucht Zeit, bis sich der Umgang mit Alkohol in der Gesellschaft verändert."

Der 2010 erstmals durchgeführte Alkoholsurvey hilft dabei, die seit fünf Jahren von der Privaten Krankenversicherung ermöglichte Kampagne ‚Alkohol? Kenn dein Limit.‘ auszusteuern und weiterzuentwickeln. Dass insgesamt noch keine Trendwende beim Alkoholkonsum unter Jugendlichen zu erkennen ist, wundert den Direktor des PKV-Verbandes nicht. „Uns war immer klar, dass es Zeit braucht, bis sich der Umgang mit Alkohol in der Gesellschaft verändert“, erklärt Volker Leienbach. „Trotzdem ist es richtig, bei den Jugendlichen anzusetzen. Denn sie sind unsere Zukunft, und Erfolge bei ihnen wirken sich langfristig auch auf die Erwachsenenbevölkerung aus. Die Private Krankenversicherung hat deshalb im vergangenen Jahr entschieden, die BZgA-Kampagne ‚Alkohol? Kenn dein Limit.‘ um weitere fünf Jahre zu verlängern.“ Ein wichtiger Indikator und Meilenstein sei nicht zuletzt die immer weiter wachsende Bekanntheit und Akzeptanz der Kampagne: Laut BZgA kennen bereits 80 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Kampagne, und 98 Prozent begrüßen es, dass die BZgA über die Risiken von Alkohol aufklärt.


Die Studie ist abrufbar unter: www.bzga.de/forschung/studien-untersuchungen/studien/suchtpraevention