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PKV publik 3.2014

Betriebliche Krankenzusatzversicherung als Chance nutzen

Für Unternehmen rücken betriebliche Krankenzusatzversicherungen verstärkt in den Blick, weil sie Arbeitgebern wie Beschäftigten Vorteile bieten. Die Bundesregierung sollte diese Entwicklung als Chance begreifen und angemessene Rahmenbedingungen für diese Angebote sicherstellen. Von Ingo Kramer



Der Mangel an Fachkräften ist in einigen Branchen zu einem Problem geworden, das die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gefährdet. Die Unternehmen stehen hier vor großen Herausforderungen, zumal die Hauptursachen – Versäumnisse im Bildungssystem und die demografische Entwicklung – außerhalb ihres Einflussbereichs liegen.

Betriebliche Krankenzusatzversicherungen können hier gleich in doppelter Weise helfen. Zum einen werden zusätzliche Gesundheitsleistungen für die Beschäftigten finanzierbar. Dies kann dazu beitragen, dass möglichst viele Beschäftigte bis zum vollen Rentenalter gesund und dem Betrieb erhalten bleiben. Zum anderen sind betriebliche Krankenzusatzversicherungen aber auch ein attraktives Instrument für Arbeitgeber, um Arbeitskräfte zu werben und dauerhaft an das Unternehmen zu binden. Für die Beschäftigten ist die Gewährleistung einer zusätzlichen Krankheitsschutzabsicherung durch den Arbeitgeber zugleich ein besonderes Zeichen der Wertschätzung.

Vieles spricht dafür, dass eine zusätzliche Absicherung für den Krankheitsfall in Zukunft wichtiger wird. Das deutsche duale Gesundheitssystem aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung bietet zwar heute ein hohes Niveau und ein breites Leistungsspektrum. Aufgrund der demografischen Entwicklung und des medizinischen Fortschritts wird die Finanzierbarkeit von Krankenversicherungsschutz in den nächsten Jahrzehnten aber immer schwerer, so dass der Druck auf Leistungsbegrenzungen wachsen wird. Das staatliche Gesundheitssystem wird nur dann dauerhaft leistungsfähig und finanzierbar bleiben, wenn es sich auf eine Basissicherung konzentriert.

Der privaten Vorsorge wird daher künftig größere Bedeutung zukommen. Die Politik ist gefordert, die ergänzende Gesundheitsvorsorge angemessen zu unterstützen.

Zuletzt war dies leider nicht der Fall. So hat das Bundesfinanzministerium einen vom Arbeitgeber gewährten zusätzlichen privaten Kranken- und Pflegeversicherungsschutz – in diametralem Gegensatz zur Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs und der früheren Verwaltungsauffassung – als voll steuer- und beitragspflichtige Zusatzleistung gewertet. Bliebe es bei dieser Änderung, würden betriebliche Krankenzusatzversicherungen für Arbeitgeber und Beschäftigte deutlich an Attraktivität verlieren. Diese Fehlentwicklung gilt es baldmöglichst zu korrigieren.

Natürlich ist eine betriebliche Krankenzusatzversicherung für den Arbeitgeber mit zusätzlichen Kosten verbunden. Sie kann deshalb – genauso wie betriebliche Altersvorsorge – immer nur ein freiwilliges Angebot des Arbeitgebers sein. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, darüber nachzudenken. Dem zusätzlichen Aufwand steht immerhin ein beachtlicher personalpolitscher Vorteil gegenüber, der gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels sehr nützlich sein kann.