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PKV publik 3.2014

Apotheker und Kundin schauen gemeinsam auf eine Arzneimittelverpackung
 

Freie Wahl

Studie belegt eine große Wahl- und Therapiefreiheit der Privatversicherten bei Arzneimitteln

Eine neue Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) zeigt: Die Private Krankenversicherung begünstigt die Entwicklung innovativer Medikamente – zum Wohle aller Patienten.



Der Systemwettbewerb zwischen Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung führt auch zu unterschiedlichen Ergebnissen bei der Versorgung mit Arzneimitteln. Eine neue Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) weist dies nun abermals nach. Für die Private Krankenversicherung konnte die WIP-Arzneimittelstudie 2012 eine größere Wahl- und Therapiefreiheit und Innovationsfreundlichkeit feststellen, die den Patienten zugutekommt und die Entwicklung innovativer Arzneien begünstigt.

Die Ursache für die Versorgungsunterschiede führt die Studie auf Rabattverträge, Richtlinien und Rahmenvereinbarungen in der GKV zurück, an die ein Arzt bei Arzneiverordnungen für Privatpatienten nicht gebunden ist. In der PKV kann sich der Arzt frei an den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Therapieansätze sowie den individuellen Bedürfnissen des mündigen Patienten orientieren, während er bei GKV-Versicherten in hohem Maße den Preis der Medikamente beachten muss, um finanzielle Nachteile in Form von Regresszahlungen für sich zu vermeiden. Diese fallen immer dann an, wenn der Arzt eine im Vorfeld festgelegte Richtgröße um 25 Prozent überschreitet.   

Welchen starken Einfluss GKV-Steuerungselemente wie drohende Regresszahlungen bei Überschreiten der Richtgrößen hat, zeigt sich beispielsweise in der Verordnungspraxis von innovativen Gerinnungshemmern (neue orale Antikoagulanzien), deren Therapiekosten 17-mal höher liegen als bei der Standardtherapie mit Vitamin-K-Antagonisten. Wie das WIP feststellt, entfielen 2012 etwa 20 Prozent aller Verordnungen der neuen oralen Antikoagulanzien auf Privatversicherte, obwohl sie nur 11 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Auch das Inkrafttreten des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) hat entgegen anderslautender Behauptungen nicht zu einer Angleichung der Verordnungspraxis von PKV und GKV geführt; und das, obwohl die zwischen Herstellern und dem GKV-Spitzenverband im Benehmen mit dem PKV-Verband verhandelten Preise für die GKV und die PKV gleichermaßen gelten. Dies zeigen zum Beispiel die Verordnungszahlen des teuren Prostatakrebs-Medikaments Zytiga, dem der Gemeinsame Bundesausschuss einen beträchtlichen Zusatznutzen attestierte. So lag die Zahl der Verordnungen in der Privaten Krankenversicherung je Versicherten im Jahr 2012 etwa doppelt so hoch wie in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Auch hier entfielen 20,5 Prozent der abgegebenen Packungen dieses Präparates auf Privatversicherte.

Signifikante Unterschiede konnte die Studie ebenfalls bei Bezugsgruppen von Präparaten mit einem Preis über dem Festbetrag nachweisen. Die Begründung hierfür ist schnell gefunden: GKV-Versicherte müssen einen Teil der Kosten dieser Arzneimittelgruppe selbst tragen. Diese Rationierung führt dazu, dass gerade chronisch Kranke auf das möglicherweise für sie geeignetere Präparat verzichten. Ein derartiges Problem stellt sich in der PKV nicht, denn sie erstattet die Kosten für Arzneimittel unabhängig von den Festbeträgen der GKV.

Dieser Unterschied erklärt zum Beispiel die vergleichsweise deutlich höheren Verordnungszahlen des Asthmasprays Alvesco in der PKV. Für Alvesco konnten in der PKV im Vergleich zur GKV auf die Versichertenzahl bezogen 5,6mal mehr Verordnungen festgestellt werden. Obwohl auch der Arzneiverordnungs-Report Alvesco empfiehlt, spielt es in der GKV in der Versorgung von Asthmapatienten nur eine marginale Rolle, da die hohen Zuzahlungen für viele GKV-Patienten eine zu hohe Hürde darstellen.

Die These einer "GKV-isierung" der PKV bei Arzneimitteln ist nicht haltbar.

Die von manchen gesundheitspolitischen Akteuren vertretene These einer „GKV-isierung“ der Privaten Krankenversicherung im Arzneimittelbereich ist mit Blick auf diese realen Versorgungsunterschiede nicht haltbar. Dies lässt sich auch anhand der abweichenden durchschnittlichen Kosten je abgegebener Packung widerlegen. Mit 42,62 Euro je Arzneimittelverordnung im Jahr 2012 lag der durchschnittliche Preis in der PKV um 13 Prozent höher als der Betrag von 39,33 Euro einer durchschnittlichen GKV-Verordnung. Ein Mehrumsatz der Privaten Krankenversicherung, der der Erforschung neuer Medikamente und der Versorgungsstruktur durch Apotheken zugutekommt.