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PKV publik 2.2014

Kind schaut durch ein selbstgebautes Fernrohr
 

Qualitäts-Check

Das Zentrum für Qualität in der Pflege hat Pflegeleitlinien und -standards vergleichen lassen

Eine Untersuchung im Auftrag des Zentrums für Qualität in der Pflege zeigt: Bei der Erarbeitung pflegerischer Standards wird die Perspektive der Betroffenen zu wenig berücksichtigt.


 

Leitlinien und Standards sind in Pflegeeinrichtungen ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung. Sie geben die Ziele guter Versorgung vor – etwa bei Fragen zum Wundliegen oder zum Schmerzmanagement. In Deutschland existiert eine große Zahl dieser pflegerischen Standards und Normen. Diese unterscheiden sich stark hinsichtlich ihres Gültigkeitsbereichs, ihrer Verbindlichkeit sowie der methodischen Grundlagen – und somit letztlich in ihrer Güte.

Anlass für das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), in seinem jüngsten Projekt die vorhandenen Qualitätsstandards im deutschsprachigen Raum zu untersuchen. Das Ergebnis: In Deutschland gibt es Nachholbedarf bei der Erarbeitung pflegerischer Standards. Vor allem aber wird die Perspektive von Betroffenen zu wenig berücksichtigt.

Das ZQP hat sich zum Ziel gesetzt, die bestehenden pflegerischen Standards hinsichtlich ihrer methodischen Grundlagen zu beleuchten und aufzuzeigen, wie praxisrelevante Regelungen aussehen sollten, die dem aktuellen Stand der Forschung entsprechen. Oberstes Ziel ist es dabei, die Qualität im Pflegealltag zu verbessern. Hierzu untersuchten im Auftrag des ZQP ausgewiesene Experten der Universitäten Witten-Herdecke und Halle/Saale hunderte von  Expertenstandards, Leitlinien und Handlungsempfehlungen, um erstmalig eine Übersicht für den deutschsprachigen Raum zu erstellen. Zudem sollten die Qualitätssicherungsinstrumente hinsichtlich ihrer Güte bewertet werden. Das Fazit der Wissenschaftler ist hierbei eindeutig: Internationale Maßstäbe finden noch nicht genügend Eingang bei der Entwicklung von Pflegestandards in Deutschland. Zu wenig berücksichtigt werde beispielsweise, dass verschiedene Fachrichtungen bei der Erstellung von solchen Standards zusammenarbeiten müssen. Zudem müsse der Wissenstransfer in die Praxis optimiert werden. Hier zeige sich, dass ausreichend qualifiziertes Personal eine wichtige Voraussetzung dafür sei, Leitlinien und pflegerische Standards tatsächlich umzusetzen. Bereits in der Ausbildung müssten daher Aspekte der Qualitätssicherung gelehrt werden. Und nicht zuletzt fehlten oftmals die Nachweise, dass Leitlinien und Standards tatsächlich die Versorgungspraxis verbessern. Dies gelte es zukünftig stärker zu prüfen und sicherzustellen.

Eine stärkere Verbraucherbeteiligung ist dringend notwendig.

Vor allem aber müsse die Patientenperspektive stärker als bisher einbezogen werden. Denn: Bleiben die Verbraucher selbst bei der Erarbeitung von Pflegeleitlinien und Standards außen vor, wirkt sich dies nachteilig aus. So mahnt der Vorstandsvorsitzende des ZQP, Ralf Suhr, dass Qualität nicht über die Köpfe derjenigen hinweg verordnet werden dürfe, die durch Qualitätsstandards geschützt werden sollen. Als ein Projektergebnis legt die Stiftung daher konkrete Empfehlungen für die Praxis vor, wie eine solche Verbraucher- und Patientenbeteiligung bei der Leitlinienentwicklung zukünftig gestaltet werden könnte. Demnach sollen Vertreter von Patienten schon bei der Themenfindung mit eingebunden werden. Zudem müssten klare Erwartungen an diese Vertreter formuliert sein. „Unsere Empfehlungen zur Patientenbeteiligung sind ein wichtiger Beitrag zur Methodenweiterentwicklung und sollten Eingang finden in die deutschsprachigen Handbücher zur Leitlinien– und Standardentwicklung“, so Suhr.

Ganz allgemein müsse die Verbraucherperspektive in der Qualitätsbewertung von Pflege mehr berücksichtigt werden, so Suhr: „Jede Leitlinie und jeder Standard muss in eine patientenverständliche Sprache übersetzt werden. Denn nur so können sich die Betroffenen über das informieren, was gute Pflege ausmacht. Jeder soll sich informiert für oder gegen eine Maßnahme entscheiden können.“ Dies sei nicht zuletzt auch ein wichtiger Beitrag dafür, Autonomie und Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen zu stärken. Die Projektergebnisse wurden vom Zentrum für Qualität in der Pflege in einer Online-Datenbank zusammengefasst, die ab April frei zugänglich sein wird.