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PKV publik 1.2014

Kerzen auf Geburtstagskuchen
 

Grund zum Feiern

Die Private Pflegeversicherung wird 30 Jahre alt

Die PKV kann als Gründer der Pflegeversicherung bezeichnet werden. Als starke Säule im Systemwettbewerb trägt sie zudem zu einer besseren Qualität und zur finanziellen Entlastung der Pflegeversicherung bei.


 

30 Jahre alt zu sein und von allen für 20 gehalten zu werden – was für die einen das größte Kompliment wäre, ist in der Pflegeversicherung eine sozialpolitische Gedächtnislücke. Denn der Deutsche Bundestag hat zwar vor 20 Jahren die Einführung der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) und damit die Etablierung eines völlig neuen Zweiges der Sozialversicherung beschlossen. Tatsächlich gab es zu diesem Zeitpunkt aber bereits seit knapp einem Jahrzehnt eine verlässliche Absicherung gegen das Pflegerisiko: durch die Private Krankenversicherung (PKV).

Schon im Jahr 1984 hatte das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) – die damalige Aufsichtsbehörde – die Musterbedingungen für die sogenannte Pflegekrankenversicherung genehmigt. Während die Private Krankenversicherung damit Fakten schuf und dem Bedürfnis der Bevölkerung nach einer Absicherung des hohen finanziellen Risikos im Pflegefall entgegenkam, herrschte auf politischer Ebene zu diesem Zeitpunkt noch Ratlosigkeit: Zwar hatte die erste schwarz-gelbe Bundesregierung unter Helmut Kohl dem Thema Pflege hohe Priorität zugestanden, konnte sich faktisch aber auf keine konkreten Maßnahmen einigen.

Dabei war der Handlungsdruck enorm: Statistisch gesehen ist fast jeder Dritte über 80-Jährige ein Pflegefall. Durch die steigende Lebenserwartung stieg somit auch die Zahl der Pflegebedürftigen stark an. Da viele von ihnen ihre Pflegekosten nicht allein tragen konnten, mussten sie oft auf Sozialhilfeleistungen zurückgreifen: Über eine halbe Million Pflegebedürftige waren Anfang der 90er Jahre auf staatliche Hilfen angewiesen.

Die Kapitaldeckung galt schon damals der Mehrheit der Experten als Vorbild.

Den Versicherern blieben diese Nöte nicht verborgen: Schon 1980 wies der PKV-Verband in einer Stellungnahme auf die grundsätzliche Möglichkeit einer Versicherung für den Pflegefall hin. Da sich die damalige Bundesregierung aber noch klar gegen eine gesetzliche Pflichtversicherung aussprach, machte sich der PKV-Verband an die Grundlagenarbeit für ein Produkt auf freiwilliger Basis. Mit großem Erfolg: Im Jahr 1988 boten bereits 21 Unternehmen der Privaten Krankenversicherung die neue Police an.

Mit der neuen Versicherung etablierte die PKV zugleich den bis heute gültigen Pflegebedürftigkeitsbegriff in Deutschland. Einmal mehr ist die Private Krankenversicherung damit ihrer Vorreiterrolle für innovative Ansätze in der Versorgung gerecht geworden. Und mehr als das: Das in der Privaten Pflegeversicherung praktizierte Kapitaldeckungsverfahren galt schon damals der Mehrheit der Experten als Vorbild, nach dem eigentlich die gesamte Pflegevorsorge finanziert werden sollte. Dass die Politik diesem Votum nicht gefolgt ist und mit der Sozialen Pflegeversicherung ein umlagefinanziertes System für die gesetzlich Krankenversicherten eingeführt hat, werden die Generationen unserer Kinder und Enkel noch teuer zu spüren bekommen.

Im Umlageverfahren der Sozialen Pflegeversicherung müssen die künftigen Versicherungsleistungen nämlich von der Generation der dann Erwerbstätigen gezahlt werden. Die alternde Gesellschaft stellt diese Finanzierungsweise allerdings zunehmend infrage. Laut Statistischem Bundesamt wird die Zahl der über 80-Jährigen im Jahr 2050 dreimal so hoch sein wie heute. Gleichzeitig wird es ein Drittel weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter geben. Es steigt also nicht nur der Pflegebedarf, es sinkt auch die Zahl derer, die dafür aufkommen müssen.

Die von der schwarz-roten Bundesregierung geplante Anhebung des Beitragssatzes der Sozialen Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte kann diese Systemschwäche nicht beseitigen. Es kommt zwar kurzfristig mehr Geld ins System, das langfristige Finanzierungsproblem der SPV ist damit aber nicht gelöst. Die künftigen Generationen müssen mit massiven Beitragsbelastungen und/oder Leistungseinschränkungen rechnen.

Dabei ist die Pflegeversicherung schon jetzt nur eine Teilkostenversicherung ist: Denn die im Sozialgesetzbuch definierten Leistungen decken in der Regel nur einen Teil der anfallenden Kosten ab. Den Rest müssen die Versicherten mit eigenen Mitteln tragen.

In der Privaten Pflegepflichtversicherung sorgt jede Generation für ihre eigenen Kosten vor.

Im Kapitaldeckungsverfahren der Privaten Pflegepflichtversicherung (PPV) dagegen sorgt jede Versichertengeneration selbst für ihre künftigen Kosten vor und belastet somit nicht ihre Kinder und Enkelkinder. Das Pflegerisiko ist sogar ein Musterbeispiel für eine solch langfristige Vorsorge: Weil die Pflegebedürftigkeit meist erst im hohen Alter eintritt, lässt sich für kaum ein anderes Risiko so rechtzeitig Vorsorge treffen. Gleichzeitig mildert diese zweite Säule der Finanzierung die Folgen des demografischen Wandels deutlich ab, indem sie den Druck auf die umlagefinanzierte SPV verringert. Darüber hinaus nutzt sie der Volkswirtschaft, da sie ihr Kapital in Milliardenhöhe für Investitionen zur Verfügung stellt (siehe PKV publik 7/2013).

Mehr Kapitaldeckung ist daher der beste Weg, um die Pflegeversicherung zukunftsfest zu machen und die Finanzierungslücke im Pflegefall zu schließen. Das hat auch die Politik erkannt und die PKV damit betraut, die Lücke zu verringern: Mit Einführung einer staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung  im Jahr 2013 erkennt der Gesetzgeber an, dass eine kapitalgedeckte private Versicherung das Versprechen einer verlässlichen Zusatz-Vorsorge am nachhaltigsten einlösen kann: Denn das Geld der Versicherten wird nicht nur durch den Zinseszinseffekt vermehrt, sondern ist auch von einer späteren Zweckentfremdung durch den Staat sicher. Die Bürgerinnen und Bürger wissen das zu schätzen. Jeden Tag schließen derzeit etwa 1.600 Menschen eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung ab.

Nicht nur in der Einführung von Versicherungsprodukten kann die Private Krankenversicherung ihre Innovationsstärke ausspielen: Weil sie anders als die Landesverbände der Pflegekassen bundesweit organisiert ist und darüber hinaus Qualität und Effizienz ihrer Dienstleistungen in den Mittelpunkt stellt, hat sie das System schon mit vielen innovativen Ansätzen bereichert. Dadurch profitieren die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen von Qualitätsgewinnen, die ohne den Systemwettbewerb niemals entstanden wären: Das Spektrum reicht von der Pflegeberatung und -begutachtung über die wissenschaftliche Verbesserung der Versorgungspraxis bis hin zur Präventionsarbeit.

Die PKV etablierte auch den bis heute gültigen Pflegebedürftigkeitsbegriff.

So hat sich die von der Privaten Krankenversicherung gegründete, aufsuchende Pflegeberatung COMPASS längst zum Vorbild für das ganze System entwickelt: Bei der „COMPASS Privaten Pflegeberatung“ erhalten alle Ratsuchenden zunächst unabhängig vom Versicherungsstatus eine kostenlose anonyme Beratung am Telefon. Privatversicherte und ihre Angehörigen können anschließend auf ein flächendeckendes Netz von mobilen Experten zurückgreifen, um konkrete Pflegeberatung in ihrem eigenen Zuhause zu erhalten. Rund 300.000 Beratungen hat die COMPASS GmbH seit ihrer Gründung im Jahr 2009 bereits durchgeführt.

Für die Soziale Pflegeversicherung, soll die gesetzliche Beratungspflicht dagegen in sogenannten Pflegestützpunkten erfolgen, die die Betroffenen und ihre Angehörigen bei Bedarf selbst aufsuchen müssen. Das ist nicht nur eine zusätzliche Hürde bei der Bewältigung des Pflegealltags – ein flächendeckendes Netz solcher Stützpunkte gibt es überdies bis heute nicht. Bei der jüngsten Pflegereform 2013 hat der Gesetzgeber daher auch für die gesetzlichen Pflegekassen eine aufsuchende Beratung als Standard vorgeschrieben.

Auch bei den Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen und bei Pflegediensten („Pflege-TÜV“) setzt die Private Krankenversicherung dem Vorgehen der Pflegekassen ein erfolgreiches eigenes Konzept entgegen. Seit 2011 führt der Prüfdienst der PKV entsprechend dem Anteil der Privatversicherten an der Bevölkerung jährlich etwa 2.400 Prüfungen von Pflegeeinrichtungen durch. Anders als die regional tätigen Medizinischen Dienste der Pflegekassen, die bei der Umsetzung der gesetzlichen Prüfvorgaben oft je nach Region erhebliche Unterschiede machen, arbeitet der PKV-Prüfdienst bundesweit nach einheitlichen Standards. Damit macht er den direkten Qualitätsvergleich zwischen Einrichtungen in unterschiedlichen Regionen möglich.

Darüber hinaus verfolgen die Qualitätsprüfer der Privaten Krankenversicherung einen stark beratungsorientierten Ansatz. Sie kontrollieren die Einrichtungen nicht nur, sondern helfen ihnen auch dabei, ihre Aufgaben noch besser zu erfüllen. Die Dualität aus Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung führt somit zu einem positiven Leistungswettbewerb, von dem sowohl Pflegebedürftige als auch Pflegende profitieren.

Ähnliche Qualitätsstandards setzt die PKV auch mit „MEDICPROOF“, dem medizinischen Dienst der Privaten Pflegeversicherung. Mit seinem bundesweit einheitlichen, unternehmensunabhängigen  Ansatz steht MEDICPROOF schon seit Einführung der Pflegepflichtversicherung für größtmögliche Objektivität bei der Begutachtung der Pflegebedürftigkeit.

Jedes Jahr erstellt MEDICPROOF über 120.000 Gutachten. Bei den Gutachtern handelt es sich um Ärzte, die freiberuflich arbeiten und in der Ausübung ihrer Tätigkeit weisungsfrei sind. Bei der Feststellung von Eintritt, Umfang und Fortdauer der Pflegebedürftigkeit sind sie unabhängig. Anders als in der Sozialen Pflegeversicherung hat das Gutachten dieser Experten auch nicht nur empfehlenden Charakter, sondern gilt für beide Seiten als verbindlich. Darüber hinaus bringt die MEDICPROOF GmbH ihre große Fachkenntnis zum Beispiel auch im Expertenbeirat zum neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff mit ein.

Um die Pflegequalität auf eine wissenschaftlich fundierte Grundlage zu stellen, hat die PKV zudem im Jahr 2009 die gemeinnützige Stiftung „Zentrum für Qualität in der Pflege“ (ZQP)  gegründet. Ziel der Stiftung ist es, die Qualität der Pflege und Versorgungspraxis zu verbessern. Das ZQP leitet gezielt wissenschaftliche Untersuchungen zu Fragen ein, bei denen die Fachwelt noch Erkenntnisbedarf hat. Dabei verfolgt es einen multidisziplinären und multiprofessionellen Ansatz und sorgt dafür, Wissen aus Theorie und Praxis zu verknüpfen.

Die Projekte zielen dabei auf hohe Praxisrelevanz – und damit auf eine nachhaltige Verbesserung der Versorgung der Pflegebedu¨rftigen. Die Ergebnisse stellt das ZQP der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung. So hat es sich inzwischen zu einem nationalen Kompetenzzentrum für den Bereich der Pflegequalität entwickelt.
Seit diesem Jahr engagiert sich die Private Krankenversicherung zudem auch in der Präventionsarbeit, um die Lebensqualität im Alter zu erhöhen: Der PKV-Verband ermöglicht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)  durch seine Finanzierung den Start des neuen Projekts „Altern in Balance“.

Das Präventionsprojekt soll die Selbstbestimmung, Mobilität und Lebensqualität älterer Menschen fördern. Vor allem körperliche Bewegung, geistige Aktivität und soziale Teilhabe scheinen zu einem gesunden Altern und damit auch zur Vermeidung oder zum Hinausschieben von Pflegebedürftigkeit beizutragen. Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit in der Aidsprävention sowie im Kampf gegen Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen ist dies schon die dritte öffentlich-private Kooperation der Privaten Krankenversicherung mit der BZgA.

Mit ihrem Engagement schafft die PKV einen Mehrwert für das deutsche Gesundheitswesen.

Mit diesem vielfältigen Engagement für eine gute Pflege und für deren zukunftssichere Finanzierung schafft die Private Krankenversicherung nachweislich einen großen Mehrwert für das deutsche Gesundheitswesen und setzt neue Maßstäbe. Davon profitieren nicht nur die Privatversicherten, sondern alle Menschen in Deutschland. Und das  nun schon seit 30 Jahren.

Alle wichtigen Informationen zur Privaten Pflegeplicht- und Zusatzversicherung finden Sie auf unserer Internetseite: www.pkv.de/themen/pflege.de