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PKV publik 10.2013

Mädchen betrachtet einen Weihnachtsbaum
 

Auf dem Wunschzettel

Die Nachfrage nach geförderten Pflegezusatzversicherungen boomt

Über 300.000 Menschen vertrauen inzwischen auf die staatlich geförderte Vorsorge für den Pflegefall. Schon im nächsten Jahr könnte die Zahl der Verträge die Millionengrenze erreichen.


 

Es ist eine gute Nachricht für die Zukunft des deutschen Sozialsystems: Union und SPD haben sich in ihren Koalitionsverhandlungen darauf geeinigt, die geförderte private Pflegezusatzversicherung weiterhin zu stützen. Sie erkennen damit an, dass eine nachhaltige Finanzierung der Pflegeversicherung an mehr Kapitaldeckung nicht vorbeikommt – und dass die Förderung der privaten Vorsorge durch den Staat schon jetzt eine Erfolgsgeschichte ist.

Denn die Nachfrage nach geförderten Pflegeversicherungen boomt: Laut einer Sonderabfrage des PKV-Verbandes gab es Ende Oktober bereits 270.000 Verträge, dazu kommen weitere 62.600 Policen mit einem später vereinbarten Vertragsbeginn. Damit hat sich die Zahl der Policen seit der letzten Zählung im Mai fast verdreifacht. Und die Dynamik hält an: Während die Branche kurz nach Einführung der geförderten Pflegeversicherung im Januar etwa 240 neue Verträge pro Arbeitstag verbuchen konnte, stieg die Zahl im Juni auf 1.000 Verträge pro Arbeitstag und im Oktober auf 1.600.

„Die Menschen erkennen zusehends den Bedarf einer zusätzlichen, kapitalgedeckten Vorsorge, weil die gesetzliche Pflegeversicherung immer nur einen ‚Teilkasko‘-Schutz bieten kann“, analysiert der PKV-Verbandsvorsitzende Uwe Laue. Angesichts des anhaltenden Kundeninteresses dürfte wohl schon im nächsten Jahr die stolze Marke von einer Million Verträgen erreicht sein. „Für kaum ein Risiko kann man finanziell so gut und langfristig vorsorgen wie für die Pflege, die meist erst im hohen Alter eintritt“, erklärt Laue. Daher lassen sich die Vorteile der Kapitaldeckung hier besonders deutlich beobachten: Weil für jüngere Versicherte in der Regel für einen langen Zeitraum keine Leistungsausgaben anfallen, können die Unternehmen das Geld in der Zwischenzeit am Kapitalmarkt anlegen – und die Versicherten profitieren von der Anlagerendite.

Unbürokratisch und attraktiv

Für Jens Spahn (CDU), Gesundheitsexperte der Union und Verhandlungsführer für das Thema in den Koalitionsverhandlungen, ist die hohe Zahl der geschlossenen Verträge zugleich eine Bestätigung der eigenen Reformpolitik: „Die große Nachfrage macht deutlich, dass es die richtige Entscheidung war – unbürokratisch, niedrigschwellig und attraktiv auch für Ältere“.

Wer bereits in jungen Jahren mit der geförderten Vorsorge beginnt, kann meist schon mit dem Mindest-Eigenbeitrag von 10 Euro plus 5 Euro staatlichem Zuschuss im Monat die Finanzierungslücke in Pflegestufe 3 weitgehend schließen. Damit ist das neue Produkt auch für einkommensschwächere Menschen sehr attraktiv. Ältere Neukunden profitieren wiederum davon, dass die Versicherungsunternehmen jeden Interessenten unabhängig von Vorerkrankungen aufnehmen.

Die Kritik von Verbraucherschützern, dass die Pflegekosten mit dem staatlich geförderten Produkt in manchen Fällen nicht voll gedeckt werden, geht daher an der Sache vorbei. „Wir können die Kritik nicht nachvollziehen“, schlussfolgert auch das Bundesgesundheitsministerium. Ziel sei nie die volle Absicherung des Pflegerisikos gewesen, sondern der Einstieg in eine private Vorsorge zu bezahlbaren Beiträgen.

Das neue Versicherungsangebot entspricht damit offenbar passgenau den Bedürfnissen eines Großteils der Bevölkerung. Das lässt sich auch aus einer aktuellen Umfrage für den Gesundheitsmonitor von Bertelsmann Stiftung und BARMER GEK schlussfolgern, denen wahrlich keine große Nähe zu den Anbietern der Privaten Krankenversicherung nachgesagt werden kann.

Je früher der Vertrag beginnt, desto besser

Demnach schätzen 42 Prozent der Befragten ihre eigene Pflegevorsorge als schlecht bis sehr schlecht ein. Rund zwei Drittel der Befragten erklärten sich zugleich grundsätzlich dazu bereit, durch eine Zusatzversicherung für den Fall der eigenen Pflegebedürftigkeit vorzusorgen – oder haben dies bereits getan. Für den Großteil von ihnen ist dabei allerdings eine wichtige Voraussetzung, dass der Beitrag 20 Euro im Monat nicht überschreitet – vor allem den 18 bis 34-Jährigen ist dies sehr wichtig.

Die staatliche Förderung kann hier eine wichtige Hilfe sein. Je jünger die Versicherten beim Vertragsabschluss sind, umso höher sind nicht nur die Leistungen, die sie für ihren Mindest-Eigenanteil von monatlich 10 Euro erhalten können. Auch der prozentuale Anteil der staatlichen Zulage ist in diesem Fall besonders groß – und beträgt bis zu 33 Prozent des Gesamtbeitrags.

Nicht zuletzt deshalb erweist sich die Warnung der Kritiker, dass sich die geförderte Pflegeversicherung nur für Menschen mit Vorerkrankungen lohne, als ideologisch bedingter Trugschluss. Nach Zahlen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung vom Mai dieses Jahres wird die geförderte Pflegezusatzversicherung besonders stark von jungen Leuten abgeschlossen. So gibt es deutlich mehr Versicherte im Alter unter 40 Jahren als in den Altersgruppen der über 60-Jährigen.

„Der Gesetzgeber sollte sich die geförderte private Pflegezusatzversicherung daher als Vorbild für weitere Reformen nehmen“, fordert Laue. „Sie ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich sozialstaatliche Interessen mit den Vorteilen einer nachhaltigen Finanzierung verbinden lassen.“