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PKV publik 10.2013

Stethoskop auf blauem Stoff
 

Gut und effizient:
Gesundheitsversorgung in Deutschland

Deutschland hat ein gutes Gesundheitssystem. Das belegt auch eine Studie der internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Gemessen an der relativ alten Bevölkerung hierzulande zeigt sich zudem eine hohe Effizienz der verwendeten Mittel.


 

Mit Gesundheitsausgaben von gut elf Prozent der Wirtschaftsleistung liegt Deutschland nach Frankreich, den Niederlanden und den USA im Spitzenfeld. Während in einigen europäischen Ländern, die besonders hart von der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise getroffen wurden, die Regierungen medizinische Einrichtungen geschlossen, Gehälter von Ärzten und Pflegepersonal gekürzt und ihren Bürgern höhere Zuzahlungen aufgebürdet haben, blieben die Deutschen von Rationierungen dieser Art verschont.

Dass die Gesundheitsausgaben in Deutschland so hoch liegen und zwischen 2000 und 2009 um durchschnittlich zwei Prozent im Jahr stiegen, machen die Experten vor allem an den vielen Krankenhausbehandlungen fest. Denn nicht nur die Verfügbarkeit an Krankenhausbetten ist in Deutschland überaus groß, es wird dort auch viel untersucht und operiert: Obwohl in den vergangenen zehn Jahren fast zehn Prozent aller Klinikbetten eingespart wurden, kommen in Deutschland auf tausend Einwohner immer noch 8,3 Betten und 244 Krankenhausbehandlungen. OECD-weit sind es nur 4,8 Betten und 156 Krankenhausbehandlungen.

Doch erklärt nicht nur die Menge verfügbarer Betten die große Behandlungszahl, ein wesentlicher Faktor ist auch unsere Altersstruktur: Fachleute sprechen schon jetzt vom „Altenheim Europas“, weil Deutschland perspektivisch so viele Über-80-Jährige wie kaum ein anderes Land haben wird.

Zieht man diesen Faktor in Betracht, zeigt sich, dass die durchschnittlichen Gesundheitsausgaben pro Kopf in Deutschland mitnichten zu den höchsten zählen. Gesundheitsausgaben sind altersabhängig, so dass eine relativ alte Bevölkerung – wie die deutsche – mehr Ressourcen für Gesundheit aufwenden muss als jüngere Länder, schreibt etwa das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) in einem Diskussionspapier. Doch gibt es nach Expertenmeinung auch andere Faktoren: So habe die Technik in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und neue klinische Verfahren seien eingeführt worden.

Die Ausgaben haben aus Sicht der OECD auch ihr Gutes: Deutschland bietet seinen Bürgern deutlich mehr Infrastruktur im Gesundheitswesen an als andere Industrieländer. Die Bevölkerung hat einen sehr guten Zugang zu gesundheitlichen Leistungen. Die Patienten können frei entscheiden, welchen Arzt sie aufsuchen und es gibt für gesetzlich wie privat Versicherte praktisch keine Wartezeiten für operative Eingriffe – gleich, ob es um eine Hüft-OP, ein Kniegelenk-Implantat oder eine Behandlung des Grauen Stars geht. In den Niederlanden hingegen betrug die durchschnittliche Wartezeit auf eine Operation an der Hüfte über 40 Tage, in England und Kanada bis zu drei Monate, und in Finnland oder Spanien sogar länger als vier Monate.

Zudem decken die Versicherungsleistungen in Deutschland, nicht zuletzt dank des Wettbewerbs zwischen Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung, einen Großteil aller Gesundheitsausgaben ab: Mit nur 1,8 Prozent der Haushaltsausgaben sind die individuellen (Zu-)Zahlungen hier rekordverdächtig niedrig.