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PKV publik 10.2013

Arzt und Patient Hand in Hand
 

Gemeinsam für ein Ziel

PKV und Bundesärztekammer beschließen Rahmenvereinbarung zur Entwicklung einer neuen Gebührenordnung für Ärzte

Die Verhandlungsführer von PKV und Bundesärztekammer, Dr. Birgit König und Dr. Bernhard Rochell, erläutern die gemeinsamen Ziele.


 

Frau Dr. König, Herr Dr. Rochell, unter Ihrer Federführung haben sich der PKV-Verband und die Bundesärztekammer auf ein gemeinsames Konzept für die Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) geeinigt. Welche Vorstellungen haben Sie dabei geleitet?

König: Es war der Privaten Krankenversicherung und der Bundesärztekammer ein dringendes Anliegen, die Gebührenordnung zu modernisieren und auf einen Stand zu bringen, der der heutigen medizinischen Versorgung entspricht. Die neue GOÄ soll verständlicher sein und im Endeffekt die Abrechnung zwischen Ärzten und Versicherern deutlich erleichtern.

Rochell: Außerdem soll sie sich den aktuellen Gegebenheiten anpassen und einen fairen und angemessenen Interessenausgleich zwischen Ärzten und Patienten erlauben. Das heißt, die Ärzte erhalten auf der einen Seite eine angemessene Vergütung ihrer Leistungen, ohne auf der anderen Seite die Patienten und deren Versicherer als Kostenträger wirtschaftlich zu überlasten.

Die Rahmenvereinbarung kann ja nur ein Startschuss für weitere Verhandlungen sein. Was erwarten Sie von den zukünftigen Gesprächen?

König: Die Gespräche, die wir mit der Bundesärztekammer im Vorfeld der gemeinsamen Rahmenvereinbarung geführt haben, sind in sehr guter Atmosphäre verlaufen. Daher mache ich mir für die zukünftigen Verhandlungen keine Sorgen. Natürlich ist die Neugestaltung der Gebührenordnung für Ärzte ein hochkomplexes Verfahren. Immerhin muss das komplette Leistungsspektrum der Medizin neu betrachtet werden. Doch genau deswegen haben wir uns ja mit der Rahmenvereinbarung auf eine grundsätzliche Vorgehensweise verständigt. Ich denke, wir werden in den weiteren Gesprächen gut vorankommen und Ende nächsten Jahres eine erste Entwurfsfassung der neuen Gebührenordnung vorlegen.

Die Ausgestaltung einer neuen Gebührenordnung ist Aufgabe des Gesundheitsministeriums. Aber bisher ist noch nicht einmal bekannt, wer das Ministerium führen wird. Kommt die Vereinbarung nicht zum falschen Zeitpunkt?

Rochell: Die aktuelle GOÄ beschreibt in wichtigen Bereichen den medizinischen Stand der 1980er Jahre. Wir sind uns daher einig, dass eine Reform dringend notwendig ist und nicht weiter herausgezögert werden darf. Mit einem abgestimmten Konzept wollen PKV und Bundesärztekammer zeigen, dass sie willens und in der Lage sind, einen gemeinsamen Lösungsvorschlag zu präsentieren, der im Interesse aller ist. Das ist keineswegs selbstverständlich, da Leistungserbringer und Kostenträger in Vergütungsfragen naturgemäß unterschiedliche Vorstellungen haben können. Im Übrigen hat uns der noch amtierende Gesundheitsminister Daniel Bahr nachdrücklich dazu aufgefordert, einen gemeinsamen Vorschlag vorzulegen. Wir gehen davon aus, dass dies auch im Sinne des neuen Gesundheitsministers bzw. der neuen Gesundheitsministerin ist.

Die medizinische Entwicklung schreitet rasant voran. Wie soll verhindert werden, dass die neue Gebührenordnung bald wieder veraltet?

König: Wir legen sehr viel Wert auf eine zeitnahe Anpassung der Gebührenordnung. Deswegen wollen wir eine paritätisch besetzte Kommission zur Pflege und Weiterentwicklung der GOÄ einrichten, die auf die Auswertungen einer gemeinsamen Datenstelle zugreifen wird. Diese Kommission soll einerseits sicherstellen, dass wir den medizinischen Fortschritt zügig in der GOÄ abbilden und andererseits eventuellen Fehlbewertungen entgegenwirken. Darüber hinaus haben wir uns entschieden, Lösungen zu suchen, wie wir Ideen zur Verbesserung der Versorgungsqualität oder auch zur Versorgungsstruktur modellhaft erproben können.

Ein zentraler Streitpunkt dürfte vermutlich die Honorarentwicklung sein. Wie wollen Sie in diesem Punkt zusammen kommen?

Rochell: Am Anfang steht die genaue Beschreibung der medizinischen Leistungen in Gebührenziffern. Für jede einzelne Leistung wird im Anschluss nach betriebswirtschaftlichen Regeln eine monetäre Bewertung kalkuliert, die sich am Zeiteinsatz und an den Marktpreisen der Leistungskomponenten orientiert. Wir haben die Kalkulationsgrundsätze bereits abgestimmt. Die je Gebührenposition veranschlagten Marktpreise und Zeitansätze lassen sich validieren, damit ist die resultierende Honorarentwicklung vielleicht weniger strittig als es auf den ersten Blick scheinen könnte.