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PKV publik 9.2013

Zahnbürste und Zahnseide
 

Prävention ist das A und O

Zahngesundheit in der häuslichen Pflege

Mund- und Zahnhygiene kommen in häuslicher Pflege oft zu kurz. Ihre Bedeutung für die Gesundheit und Lebensqualität werden unterschätzt. Ein Praxisratgeber des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) leistet nun Hilfestellung.


 

m Alter steigt das Risiko von Erkrankungen im Mundraum. Zwar behalten immer mehr Menschen ihre natürlichen Zähne bis ins hohe Alter. Dennoch leiden 80 Prozent der über 60-Jährigen unter einer mittelschweren bis schweren Form von Parodontitis. Betroffen sind vor allem pflegebedürftige Menschen, die zuhause betreut werden. Um ihre Zahngesundheit ist es besonders schlecht bestellt, wie Untersuchungen und klinische Erfahrungen belegen. Versäumnisse in der täglichen Mund- und Zahnhygiene haben jedoch nicht nur kosmetische Folgen, sondern können auch schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen hat das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), eine gemeinnützige Stiftung der Privaten Krankenversicherung, in Zusammenarbeit mit der Bundeszahnärztekammer den „Ratgeber Mundgesundheit“ veröffentlicht. Die Online-Broschüre enthält Tipps und Anleitungen für die richtige Zahnpflege und Prothesenreinigung.

Eine professionelle Mundpflege ist besonders wichtig für die rund 1,7 Millionen zu Hause gepflegten Menschen. Der Besuch einer Zahnarztpraxis ist selbstständig oft nicht mehr möglich, sodass eine Begleitung und entsprechende Transporte organisiert werden müssen. So findet ein Zahnarztbesuch meist nur bei akuten Beschwerden statt.

Um die Kaufähigkeit und Gesundheit im Mund dauerhaft zu erhalten, müssen Zähne und Zahnersatz regelmäßig präventiv gepflegt werden. Diese Vorsorge darf nicht vernachlässigt werden, denn Erkrankungen der Zähne und der Mundhöhle können das Risiko für Folgeprobleme wie etwa Herzkreislauferkrankungen und Lungenentzündungen erhöhen. Empfohlen wird eine Vorsorgeuntersuchung zweimal pro Jahr – auch wenn keine Beschwerden vorliegen. Die Zahnärztekammern der Bundesländer informieren über Ärzte, die Patienten auch zu Hause besuchen.

Die Zahngesundheit hat zudem einen großen Einfluss auf die persönliche Lebensqualität und das eigene Wohlbefinden. Sie ist wichtig für die Ernährung, denn nur gesunde Zähne und gut sitzende Prothesen ermöglichen eine problemlose und schmerzfreie Nahrungsaufnahme und somit einen guten Ernährungszustand. Darüber hinaus sind gesunde Zähne wichtig für eine deutliche und verständliche Aussprache, was die Voraussetzung für eine erfolgreiche Kommunikation und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben darstellt.

Als Vorbeugung eignen sich eine Reihe von Maßnahmen in der häuslichen Pflege: Zunächst einmal ist eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung wichtig. Zucker- und säurehaltige Lebensmittel gilt es zu vermeiden, denn sie können die Zähne schädigen. Außerdem muss ausreichend Flüssigkeit aufgenommen werden. Das regt den Speichelfluss an, was nicht nur zum Sprechen, Schlucken und Essen wichtig ist, sondern bei der Abwehr von Krankheitserregern im Mund und bei der Reparatur der Zähne hilft. Ein gesunder Mensch produziert zwischen einem halben und zwei Liter Speichel pro Tag. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Fähigkeit ab. Die Kautätigkeit fördert den Speichelfluss ebenfalls. Daher sollten die Mahlzeiten erst püriert werden, wenn dies unbedingt erforderlich ist.

Pflegebedürftige Menschen können in ihren Bewegungen teilweise oder vollständig eingeschränkt sein, sodass ihnen die selbstständige Reinigung der Zähne nur schwer möglich ist. Mit ein paar Tricks kann aber die richtige Pflege sichergestellt und die Selbstständigkeit weitestgehend bewahrt werden: So kann der Haltegriff einer Zahnbürste durch einfache Mittel für pflegebedürftige Menschen angepasst werden – zum Beispiel mit einem Tennisball oder Fahrradgriff. Für die Motivation und die richtige Handhabung beim Fremdputzen ist viel Einfühlungsvermögen notwendig. Rituale und das Erklären von Hilfsmitteln schaffen Vertrauen. Kann die häusliche Zahnpflege durch Angehörige nicht sichergestellt werden, ist es möglich, dass ambulante Pflegedienste dies übernehmen.

Die Erhaltung der Mund- und Zahngesundheit in der häuslichen Pflege stellt eine große Herausforderung an pflegende Angehörige, Betreuer und Zahnärzte. Nur gemeinsam kann diese Aufgabe bewältigt werden. Mit dem Ratgeber Mundgesundheit bietet das ZQP praktische Hilfestellung mit dem Ziel, Selbstständigkeit und Lebensqualität rund um das Thema orale Gesundheit so lange wie möglich zu bewahren. Der Leitfaden ist bundesweit auf großes Interesse gestoßen – ein klares Zeichen dafür, dass hier ein hoher Informationsbedarf besteht.