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PKV publik 9.2013

Pflegerin im Gespräch mit Patientin
 

Vorbild für die Pflege

Die PKV sorgt für eine stabile Finanzierung und garantiert höchste Qualität

Der Wettbewerb der Systeme sorgt für exzellente Lösungen für eine bessere Pflegeversorgung aller Bürger. Eine sogenannte Pflegebürgerversicherung würde dem ein Ende setzen und zudem eine stabile Finanzierungssäule abschaffen.


 

Die Koalitionsverhandlungen in Berlin sind in vollem Gange. Dabei geht es auch um die Frage, wie eine mögliche große Koalition die sozialpolitischen Weichen stellen wird. Einigkeit besteht auf jeden Fall darin, dass eine Reform der Pflegeversicherung in Deutschland dringend notwendig ist. Von größter Bedeutung ist nun, welche Richtung die Politik in dieser Frage einschlagen wird: Entscheidet sie sich für einen Ausbau der Umlagefinanzierung und damit für eine immense finanzielle Belastung zukünftiger Generationen oder nutzt sie stärker die Vorteile von Wettbewerb und Kapitaldeckung und sichert damit in unserer alternden Gesellschaft ein hohes Niveau der Pflegequalität?

Fest steht: Der Handlungsdruck ist enorm. Denn während die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland immer mehr abnimmt, steigt die Zahl der älteren Menschen kontinuierlich. So hat das Statistische Bundesamt errechnet, dass im Jahr 2050 die Zahl der über 80-jährigen Menschen dreimal so hoch sein wird wie heute. Gleichzeitig wird es aber ein Drittel weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter geben. Für die Soziale Pflegeversicherung (SPV) bedeutet das, dass die junge und arbeitende Generation immer mehr Geld für den wachsenden Anteil der Älteren aufbringen muss. Verschärfend kommt hinzu, dass diese gesellschaftliche Überalterung gleichzeitig zu einem erhöhten Pflegebedarf führt. Denn die Pflegewahrscheinlichkeit steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an. So ist fast jeder Dritte über 80 ein Pflegefall. Mit dem steigenden Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung wird es also in den nächsten Jahrzehnten immer mehr Pflegebedürftige geben. Mit rund 4,5 Millionen Menschen im Jahr 2050 werden es fast doppelt so viele sein wie heute.

Angesichts dieser Entwicklung verbietet sich die Ausweitung eines Systems, bei dem keinerlei Rücklagen gebildet werden, eigentlich von selbst. Was die meisten jedoch nicht bedenken: Selbst eine Anhebung des Beitragssatzes in der Sozialen Pflegeversicherung, die bei Union und SPD laut Medienberichten im Gespräch sein soll, würde das demografieanfällige Umlageverfahren noch weiter ausbauen. Denn die diskutierte Anhebung um 0,5 Prozentpunkte – immerhin ein Steigerung von fast 25 Prozent ­– würde lediglich glauben machen, die Finanzierungsprobleme der Pflegeversicherung seien zu lösen, indem die Beiträge einfach erhöht würden.

In Wirklichkeit verschiebt ein solcher Schritt die Auswirkungen der demografischen Entwicklung lediglich weiter in die Zukunft, wo sie dann eines Tage umso deutlicher spürbar werden und zu massiven Beitragsbelastungen und/oder Leistungseinschränkungen führen. Noch unverantwortlicher wäre es, die erst Anfang dieses Jahres eingeführte geförderte Pflegezusatzversicherung wieder abzuschaffen, wie dies vereinzelt gefordert wird. Denn mit diesem neuen Angebot hat jeder Erwachsene in Deutschland die Möglichkeit, etwas gegen die drohende Finanzierungslücke im Pflegefall zu tun – unabhängig vom demografieanfälligen Umlageverfahren. Damit wird für alle Bürger eine bessere Vorsorge für die absehbaren demografischen Probleme in der Pflege geschaffen. Und die Bürger wissen diese Vorteile durchaus zu schätzen. Jeden Tag schließen etwa 1.000 Menschen einen Vertrag für eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung ab. Die neue kapitalgedeckte Säule wieder abzuschaffen, wäre nicht verantwortbar und das Gegenteil von generationengerecht. Anstatt diese Förderung auslaufen zu lassen, wie manche fordern, sollte die Politik im Gegenteil eine solche zusätzliche Absicherung für alle Versicherten obligatorisch einführen. Der größte ordnungspolitische Sündenfall und ein fatales Signal an die zukünftigen Generationen wäre allerdings die Einführung eine Pflege-Bürgerversicherung.

Die Antwort der Verfechter einer solchen Idee besteht darin, alle Bürgerinnen und Bürger zu 100 Prozent in das Umlageverfahren zwingen zu wollen. Das wäre der halsbrecherische Versuch, ein Problem dadurch „lösen“ zu wollen, dass man die Quelle des Problems vergrößert. Denn dieses Vorhaben würde auch das Ende der Privaten Pflegepflichtversicherung (PPV) bedeuten, die als kapitalgedecktes System eine stabilisierende Säule und im demografischen Wandel unverzichtbar ist. Dabei kann man für kaum ein Risiko finanziell so gut und langfristig vorsorgen wie für die Pflege, weil sie meist erst im hohen Alter eintritt.

Das Pflegerisiko bietet sich für eine langfristige kapitalgedeckte Vorsorge geradezu an. Diese spezifische Stärke der Privaten Pflegeversicherung hilft, das demografische Problem deutlich zu entschärfen und sollte daher im Sinne einer nachhaltigen und generationengerechten Politik eher ausgebaut als zerstört werden. Jede Schwächung der Privaten Pflegeversicherung würde hingegen zu weniger Generationengerechtigkeit in unserem Land führen. Gerade die Pflegeversicherung ist ein exzellenter Gradmesser für das Funktionieren des Kapitaldeckungssystems in der Privaten Krankenversicherung. Denn die Leistungen sind in der Sozialen und der Privaten Pflegepflichtversicherung per Gesetz identisch. Seit 1995 wurden sie durch den Gesetzgeber teilweise ausgeweitet, zuletzt in diesem Jahr. Unterschiedlich ist allerdings die Finanzierung. Während sich die SPV über das Umlageverfahren finanziert, bei dem keinerlei Rücklagen gebildet werden, setzt die PPV auf das sogenannte Kapitaldeckungsverfahren. Damit sorgen die Privatversicherten für ihre möglichen Pflegekosten selbst vor.

Doch während die SPV seit ihrer Einführung 1995 den Beitragssatz insgesamt drei Mal erhöhen musste und zudem noch einen Zuschlag für Kinderlose eingeführt hat, war in der PPV trotz des steigenden Leistungsumfangs keine Beitragserhöhung nötig. Im Gegenteil: In der Privaten Pflegepflichtversicherung wurden die Beiträge in den letzten Jahren mehrmals gesenkt. Hinzu kommt, dass in der SPV selbst ohne ausdrückliche Erhöhung des Beitragssatzes die Belastung für die Versicherten automatisch von Jahr zu Jahr steigt. Denn von den individuell steigenden Einkommen der Versicherten wird der prozentuale Beitragssatz abgezogen. Außerdem kommt die regelmäßige Anhebung der Bemessungsgrenze hinzu. In der PPV ist der Zahlbetrag hingegen unabhängig von der Gehaltsentwicklung. Das Nebeneinander einer sozialstaatlichen und einer privatwirtschaftlichen Säule der Pflegeversicherung hat der Pflege in Deutschland aber noch aus anderen Gründen nachweislich gut getan: Denn der Wettbewerb der Systeme produziert stetig neue Ideen und Lösungen für eine bessere Pflegeversorgung aller Bürger. Gerade in den vergangenen beiden Legislaturperioden haben sich die großen Vorteile des dualen Systems ganz konkret erwiesen. Die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen profitieren heute von Innovationen und Qualitätsgewinnen, die ohne den Systemwettbewerb niemals entstanden wären.


Als Alternative zum Konzept der Pflegestützpunkte hat die Private Pflegeversicherung die aufsuchende Pflegeberatung entwickelt. Ihr Tochterunternehmen COMPASS Private Pflegeberatung bietet eine kostenlose telefonische Beratung für alle Bürgerinnen und Bürger (unabhängig von ihrem Versichertenstatus) und leistet zudem ein bundesweit flächendeckendes Angebot von Besuchen bei den betroffenen Privatversicherten. Die PKV hat sich entschieden, mit einer an den Bedürfnissen der Betroffenen orientierten, mobilen Pflegeberatung in den Wettbewerb mit den Pflegestützpunkten der GKV zu treten, wie sie das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz vorsah. Dieser Kurs hat sich als richtig erwiesen, denn ein flächendeckendes Netz an Pflegestützpunkten gibt es bis heute nicht. Hingegen hat der große Erfolg des COMPASS-Angebotes den Gesetzgeber dazu bewogen, mit dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz den Hausbesuch als Standardangebot auch in das Sozialgesetzbuch aufzunehmen. So bewährt sich COMPASS als treibende Kraft bei der bundesweiten Fortentwicklung der Pflegeberatung.

www.​compass-pflegeberatung.​de


Der PKV-Verband startet mit Jahresbeginn 2014 ein neuartiges Präventionsprojekt zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit. Er hat mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) den Aufbau und die nachhaltige Finanzierung eines neuen Programms „Altern in Balance“ vereinbart. Damit kann die BZgA nun erstmals eine bundesweite Strategie zur Förderung von Selbstbestimmung, Mobilität und Lebensqualität älterer Menschen entwickeln.


Im Rahmen ihrer Offensive für gute Qualität in der Pflege hat die PKV die gemeinnützige Stiftung „Zentrum für Qualität in der Pflege“ gegründet. Unterstützt von hochkarätigen und interdisziplinären Beratungsgremien initiiert die Stiftung gezielt wissenschaftliche Untersuchungen zu Fragen, bei denen die Pflege-Fachwelt noch Erkenntnisbedarf hat. Sie stellt die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung und organisiert die Vernetzung dieses Wissens mit den praktischen Erfahrungen des Pflege-Alltags. Die Stiftung erfüllt damit faktisch die Rolle eines nationalen Kompetenzzentrums für Pflegequalität und genießt in der Fachwelt höchste Anerkennung.

www.​zqp.​de


Der Prüfdienst der PKV führt seit 2011 bundesweit im gesetzlichen Auftrag und entsprechend dem PKV-Versichertenanteil ca. 2.400 Qualitätsprüfungen nach dem SGB XI in Pflegeheimen und bei Pflegediensten durch. Er entlastet damit nicht nur die Pflegekassen und deren medizinische Dienste, sondern setzt zugleich Standards für eine effiziente und dienstleistungsorientierte Erfüllung dieser wichtigen Aufgabe. Im Unterschied zu den regional begrenzt tätigen Medizinischen Diensten der Pflegekassen macht der PKV-Prüfdienst durch sein bundesweit einheitliches Vorgehen den direkten Qualitätsvergleich möglich. Auch hier erzeugt der Wettbewerb im Rahmen der Dualität positive Leistungsanreize für alle Prüfdienste.

Erfahren Sie mehr über den Prüfdienst der PKV


Der medizinische Dienst der Privaten Pflegeversicherung „MEDICPROOF“ nimmt nicht nur bundesweit sowie im Ausland die Einstufung der privatversicherten Antragsteller vor, sondern bringt seine Expertise auch zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung ein, z.B. im Expertenbeirat der Bundesregierung zu einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff. Für „MEDICPROOF“ sind rund 900 Gutachterinnen und Gutachter tätig, deren Unabhängigkeit bei der Einstufung der Pflegebedürftigkeit ebenfalls als vorbildlich gilt.

www.​medicproof.​de


Letztlich muss sich jede Pflege-Reform daran messen lassen, ob sie der existenziellen Herausforderung durch die Demografie gerecht wird. Eine sogenannte Pflegebürgerversicherung tut dies nicht, sie würde den Wettbewerb um gute Ideen in der Pflegeversorgung unterbinden und eine zukunftssichere Finanzierung beenden. Es wäre daher ein irreparabler Fehler, dieses funktionierende duale System Sozialer und Privater Pflegepflichversicherung mit einem Einstieg in einen Radikalumbau zum Einheitssystem à la „Pflege-Bürgerversicherung“ aufs Spiel zu setzen.