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PKV publik 9.2013

Kein Erlahmen im Kampf gegen HIV/AIDS

Am 1. Dezember jährt sich der Weltaidstag zum 25. Mal.
Ein Gastbeitrag von Dr. Christoph Uleer


 

In Deutschland hat man im Kampf gegen HIV und AIDS schon früh auf das Miteinander von Staat und Zivilgesellschaft gesetzt und im europäischen Vergleich überproportional gute Ergebnisse erzielt. Die Appelle der staatlichen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, seit einigen Jahren unterstützt von der Privaten Krankenversicherung (PKV), kommen zum Weltaidstag, der sich am 1. Dezember zum 25.Mal jährt, dem Publikum von unzähligen Plakatflächen entgegen. Privatinitiativen wie die Deutsche AIDS-Stiftung bemühen sich daneben vornehmlich um Hilfe für die bereits Betroffenen. Die Stiftung wurde im Jahre 1987 durch den evangelischen Pfarrer Rainer Jarchow und etwas zeitversetzt durch den PKV-Verband gegründet. Die Initiative Rainer Jarchows hatte vor allen die besonders betroffenen Schwulen im Blick. Für die PKV war von Bedeutung, dass sich bei den Privatversicherten von Anfang an eine besonders hohe Infektionsrate zeigte. Sie liegt bei rund 25 Prozent aller jährlich etwa 3.400 Neuinfektionen (2012), und das bei einem Marktanteil von 10 Prozent. Dass sich so unterschiedliche Gründer trafen und bis zum heutigen Tag konstruktiv zusammenwirken, zeigt, wie sehr der Kampf gegen HIV und AIDS auch Menschen verbunden hat und verbindet.

Im Laufe der Jahre hat sich dank der segensreichen Entwicklung der anti­retroviralen Medikamente eine deutliche Schwerpunktverlagerung ergeben. Heute müssen die Infizierten in der Regel zwar nicht mehr die Erkrankung an AIDS befürchten, sind aber nach wie vor der Diskriminierungsgefahr ausgesetzt und leiden oft genug auch unter den Nebenwirkungen der langjährigen Medikamentierung. Betroffen sind davon immer mehr ältere Menschen. Denen, die sich nicht selbst zu helfen wissen, und die auch ihrer Lebenseinstellung nach nicht in das übliche „Altersschema“ von Senioreneinrichtungen passen, muss bei der Unterbringung einschließlich der Alltagsstrukturierung Unterstützung zuteil werden. Die Stiftung hat sich dieser Aufgabe seit einigen Jahren angenommen und in mehreren Großstädten spezielle Wohnhäuser und Begegnungsstätten eröffnet und gefördert.

Zudem gilt es, einer neuen Gefahr entgegenzutreten: dem vom medizinischen Fortschritt geförderten Leichtsinn im Umgang mit der Ansteckungsgefahr. Dazu gehört auch die Nachlässigkeit hinsichtlich frühzeitiger Tests; gefährlich nicht nur für die individuelle Wirksamkeit der Therapie, sondern auch für die Weitergabe des Virus. Wenn es nicht gelingt, über die erreichte Stabilisierung hinaus auch eine Senkung der Zahl der Neuinfektionen zu erreichen, wird sich die heute bei 78.000 liegende Zahl der HIV-Infizierten angesichts der gestiegenen Lebenserwartung progressiv erhöhen. An diese Gefahren zu erinnern, darf sich nicht auf den Weltaidstag beschränken. Und selbstverständlich darf die Hilfe für Regionen in der Welt, die weitaus schlimmer betroffen sind, nicht vergessen werden. So finanziert die Stiftung erfolgreich ein Projekt in Mozambique, das infizierten Schwangeren hilft, ihr Kind gesund zur Welt zu bringen. Das ist nicht nur ein kleiner Beitrag zur Hilfe für Afrika, sondern auch für uns selbst. Nicht auszudenken wären die Folgen, wenn die dort immer öfter festzustellende Resistenz gegen die Medikamente übergreifen würde.