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Pkv publik 9.2013

Editorial

 

Liebe Leserinnen und Leser,

die Gesundheitspolitik wird eine zentrale Rolle in der kommenden Legislaturperiode spielen. Die neue Bundesregierung steht dabei vor gewaltigen Herausforderungen. Dabei gibt es kaum einen Themenbereich, der so komplex ist wie das Gesundheitswesen in Deutschland: Dreht man an einer winzigen Stellschraube, kann das schnell gewaltige Auswirkungen auf das gesamte System haben. Deswegen müssen die Verantwortlichen mit größtem Fingerspitzengefühl vorgehen.

Das gilt umso mehr angesichts des demografischen Wandels in unserer Gesellschaft. Dieses Problem ist hinlänglich bekannt und – auch an dieser Stelle – schon vielfach beschrieben worden. Ein wichtiger Aspekt, der den Blick auf die finanziellen Auswirkungen einer alternden Gesellschaft leicht verstellt, wird allerdings bisher kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen: das Phänomen der Babyboomer.

Dieser Begriff wird für die geburtenstarken Jahrgänge verwendet, für jene Menschen also, die in den 1960er Jahren geboren wurden. Denn nach Beginn des Wirtschaftswunders in den frühen 1950er Jahren und vor dem sogenannten Pillenknick 15 Jahre später war die Geburtenrate in Deutschland besonders hoch. Die Menschen dieser zahlenmäßig starken Generation sind heute 55 bis 60 Jahre alt und haben – auch finanziell – meist den Höhepunkt ihrer Berufslaufbahn erreicht. Für die Sozialversicherungssysteme ist das ein Segen. Denn diese Jahrgänge tragen mit ihren hohen Beiträgen beträchtlich zu deren Finanzierung bei.

Die aktuelle Situation kann also schnell eine vermeintliche Stabilität des Umlageverfahrens in der Sozialversicherung vorgaukeln. Doch die geburtenstarken Jahrgänge werden in etwa 10 Jahren massenhaft in Rente gehen. Dann wird die Höhe ihrer Beitragszahlungen beträchtlich sinken, gleichzeitig verursachen sie zwangsläufig höhere Kosten durch mehr Gesundheitsleistungen, die im Alter erforderlich werden. Für die nachfolgenden Generationen wird es schon zahlenmäßig sehr schwierig werden, den rapide wachsenden Anteil älterer Menschen in unserem Land zu finanzieren. Jedenfalls wird das nicht mit den heutigen Beitragssätzen und dem gewohnten Leistungsumfang der Gesetzlichen Krankenversicherung möglich sein.

Diese vorhersehbare Entwicklung muss jeder Gesundheitspolitiker immer vor Augen haben, wenn er unser System zukunftsfest weiterentwickeln will. Und er sollte auch vor Augen haben, dass die PKV mit ihrem System der Kapitaldeckung bestens auf die demografische Entwicklung vorbereitet ist. Das gilt genauso für den Pflegebereich, mit dem wir uns in dieser Ausgabe ausführlich befassen. Die PKV-Branche ist bereit, bei einer Fortentwicklung des Gesundheitssystems mehr Verantwortung zu übernehmen und mehr Menschen sowie Leistungen zukunftsfest mit Kapitaldeckung abzusichern. Im Interesse der zukünftigen Generationen.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Volker Leienbach