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PKV publik 9.2013

Am Arbeitsplatz
 

Vorteile für alle

Von einer bKV profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber, doch nun streicht die Finanzverwaltung die Steuervorteile

Das Finanzministerium stellt den Steuervorteil der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) in Frage – ganz im Gegensatz zur bisherigen Rechtsprechung.


 

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Kein Wunder – bietet sie doch eine typische Win-Win-Situation: Arbeitnehmer erhalten eine zusätzliche Versorgung für den Krankheitsfall, Arbeitgeber ein wichtiges Instrument zur Mitarbeiterbindung. Zusätzliche Attraktivität gewinnt die bKV bislang dadurch, dass die Versicherungsbeiträge steuer- und sozialabgabenfrei sind, wenn sie eine vom Arbeitgeber als Sachbezug gewährte Summe von aktuell 44 Euro monatlich nicht überschreiten. Diese Regelung geht auf ein Urteil des Bundesfinanzhofes aus dem Jahr 2011 zurück – und wird jetzt überraschend vom Bundesfinanzministerium (BMF) in Frage gestellt.

Das Ministerium geht nun davon aus, dass die Beiträge zur bKV „in der Regel“ wie Barlohn anzusehen sind. Sie wären damit voll steuerpflichtig, die 44 Euro-Grenze käme nicht zum Tragen. Zur Begründung beruft sich die Finanzverwaltung auf sogenannte Wertungswidersprüche zu den steuerlichen Regelungen der betrieblichen Altersversorgung. Dies ist eine recht waghalsige Auslegung, denn für die betriebliche Kranken- und Pflegeversicherung gelten diese Regelungen ausdrücklich nicht.

Auf argumentativ wackliger Basis und gegen höchstrichterliche Auslegung verkennt die Finanzverwaltung zudem den sozialpolitischen Charakter der betrieblichen Krankenversicherung: Da die Versorgungslücken in den gesetzlichen Krankenkassen aufgrund der demografischen Entwicklung weiter zunehmen dürften, wird eine ergänzende private Krankenversicherung immer wichtiger. Das Bundesfinanzministerium sollte seine Position deshalb überdenken und an den steuerlichen Vorteilen der bKV festhalten.

Denn die bKV bietet eine überaus attraktive Absicherungsmöglichkeit: Viele Unternehmen zählen das Angebot einer zusätzlichen Gesundheitsvorsorge zu den wichtigsten Zusatzleistungen für ihre Angestellten. Und auch den Arbeitnehmern ist diese Form der Absicherung gegen Krankheitsrisiken oft wichtiger als andere Zusatzleistungen des Arbeitgebers wie etwa Tickets für den Personennahverkehr oder Mobiltelefone (siehe PKV Publik 9/2012).

Eine Aufnahme in die betriebliche Krankenversicherung erfolgt für die Arbeitnehmer in den meisten Fällen ohne weitere Gesundheitsprüfungen und ohne lange Wartezeiten. Das hat für viele Versicherte den Vorteil, dass sie auch dann eine sehr gute gesundheitliche Versorgung erhalten, wenn sie bisher aufgrund ihrer Vorerkrankungen eine private Zusatzkrankenversicherung nicht oder nur nach Vereinbarung von Risikozuschlägen abschließen konnten.

Werden vom Versicherer Informationen zum Gesundheitszustand des Mitarbeiters erhoben, werden diese Angaben streng vertraulich behandelt. Sensible Gesundheitsdaten werden ausschließlich zwischen Versicherungsunternehmen und Versicherten ausgetauscht und können keinesfalls vom Arbeitgeber eingesehen werden. Das Leistungsspektrum einer betrieblichen Krankenversicherung entspricht im Wesentlichen dem der etablierten Privaten Krankenversicherung und kann flexibel an das jeweilige Unternehmen angepasst werden. Zu den Bausteinen, aus denen die Unternehmen wählen können, zählen zum Beispiel die Zahnzusatzversicherung, Zusatzversicherungen im ambulanten Bereich oder Krankenhaus sowie Krankentagegeld- oder Auslandskrankenversicherungen. Am häufigsten werden Zahnzusatzversicherungen abgeschlossen, gefolgt von besseren Krankenhausversorgungsangeboten sowie Maßnahmen, die die gesetzlichen Krankenkassen nicht oder nicht mehr zahlen. Der Arbeitgeber kann sich seinem Budget und seinen Präferenzen entsprechend für Kombiprodukte entscheiden.

In der Regel schließt bei der betrieblichen Krankenversicherung der Arbeitgeber mit einem Versicherungsunternehmen seiner Wahl einen Gruppen- oder Rahmenversicherungsvertrag ab, dem der einzelne Mitarbeiter als Versicherungsnehmer beitreten kann. Die entstehenden Kosten für diese zusätzliche Versicherung können vom Arbeitgeber entweder in vollem Umfang getragen werden oder er beteiligt sich mit Zuschüssen. Die Aufwendungen des Arbeitgebers sowie die Beiträge fallen unter die Betriebsausgaben und sind damit steuerlich abzugsfähig. Deshalb wird eine betriebliche Krankenzusatzversicherung von Unternehmen gerne auch als sinnvolle Alternative zu einer Gehaltserhöhung angesehen.

Ebenso besteht alternativ die Möglichkeit, dass das Unternehmen einen Gruppentarifvertrag anbietet, bei dem die Beiträge von den Arbeitnehmern alleine getragen werden. Voraussetzung für die Gewährung von Sonderkonditionen ist in aller Regel eine Mindestanzahl von Versicherten beziehungsweise die Erfüllung einer bestimmten Versichertenquote innerhalb der Belegschaft. Oft bieten solche Krankenversicherungsverträge zudem die Möglichkeit, dass auch Familienangehörige der Versicherten von den Vorteilen profitieren und mit abgesichert sind.

Das wachsende Interesse an der betrieblichen Krankenversicherung zeigt nicht zuletzt, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Eigenverantwortung Lösungsmöglichkeiten für eine zusätzliche Absicherung im Krankheitsfall finden können, die Vorteile für alle Beteiligten bieten. Und das funktioniert komplett ohne gesetzliche Vorschriften und Regulierungen. Das sollten vor allem diejenigen bedenken, die ein einheitliches Krankenversicherungssystem in Deutschland fordern. Denn maßgeschneiderte Lösungen lassen sich immer nur nach individuellen Präferenzen und nicht nach staatlicher Verordnung finden.