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PKV publik 8.2013

Ein Eichhörnchen knabbert an einer Walnuss, fünf weitere liegen vor ihm
 

Wirtschaft profitiert von der Vorsorge der PKV

Das Finanzierungssystem der Privaten Krankenversicherung hat positive Effekte auf Arbeitsplätze und Wachstum

Ohne Private Krankenversicherung sinkt die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft. Das zeigt eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV.


 

Wer Geld hat, kann besser investieren. Was wie eine Binsenweisheit klingt, ist zugleich eine der wichtigsten Grundlagen der Volkswirtschaft. Durch das Sparen kommt Kapital zusammen, das die Wirtschaft für Investitionen benötigt – und damit Arbeitsplätze und Wachstum schafft. „Die Bildung von Kapital ist wesentlich für den technischen Fortschritt, für eine höhere Arbeitsproduktivität und für ein höheres Bildungsniveau“, erklären Bruno Schönfelder und Frank Wild den Zusammenhang in einer neuen Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP). Die beiden Forscher haben untersucht, welche Auswirkungen die Finanzierung des Gesundheitswesens auf die Wirtschaft hat. Ihr Fazit: Es macht sehr wohl einen Unterschied, wie sich ein Krankenversicherungssystem finanziert. So stärkt die in der Privaten Krankenversicherung (PKV) praktizierte Kapitaldeckung die Wirtschaftskraft des ganzen Landes.

Die aktuelle WIP-Studie unterfüttert damit die Analyse des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und der Universität Basel, dass eine Bürgerversicherung wettbewerbsfeindlich wäre und das Wachstum der deutschen Wirtschaft hemmen würde (vergleiche PKV publik 7/2013). Über diese Erkenntnisse berichtete auch die „Börsen-Zeitung“ unter der Überschrift „Bürgerversicherung als Wachstumskiller.“

Anders als die Gesetzliche Krankenversicherung basiert die PKV auf einem nachhaltigen Finanzierungsmodell: Die Versicherten bezahlen in jungen Jahren mehr an Beitrag als rein rechnerisch für ihre Ausgaben erforderlich wäre, wobei die Unternehmen das restliche Geld am Kapitalmarkt anlegen. Mit Zins und Zinseszins dienen diese sogenannten Alterungsrückstellungen später dazu, den steigenden Gesundheitskosten durch das Älterwerden vorzubeugen. Denn die Krankheitsausgaben eines 85-Jährigen sind mehr als achtmal so hoch wie die eines 23-Jährigen. Die Gesetzliche Krankenversicherung kennt dieses Vorsorgeprinzip nicht. Die Beiträge decken hier stets nur die aktuellen Ausgaben ab. Damit reicht die GKV die steigenden Kosten der Älteren an die nachfolgenden Generationen weiter.

Das Modell der Privaten Krankenversicherung stärkt dagegen die Nachhaltigkeit und Eigenvorsorge im Gesundheitswesen. Zugleich ist es ein Segen für die gesamte Volkswirtschaft. 180 Milliarden Euro an Alterungsrückstellungen haben die Versicherten inzwischen aufgebaut. Jedes Jahr kommen über zehn weitere Milliarden dazu. Das entspricht 5,4 Prozent des gesamten Nettosparvolumens in Deutschland, wie das WIP berechnet hat. Oder anders formuliert: Jeder zwanzigste Euro, den die deutsche Volkswirtschaft anspart, stammt aus den Beiträgen von Privatversicherten.

Würden sich die Befürworter einer Bürgerversicherung durchsetzen, wäre es damit für die Zukunft vorbei. Denn dann soll die PKV gezwungen werden, in ihrem Neugeschäft nach den Regeln der Gesetzlichen Krankenversicherung zu operieren – und nicht nur auf ihre besseren Leistungen, sondern auch auf ihre nachhaltige Finanzierungsweise zu verzichten.

Eine solche De-Facto-Abschaffung der privaten Vollversicherung würde „nicht nur den Beitrag der PKV zur volkswirtschaftlichen Ersparnis eliminieren, sondern auch ein geringeres volkswirtschaftliches Sparvolumen bewirken“, warnen die Autoren. Über Zusatzversicherungen ließe sich der Wegfall an Rückstellungen nicht ausgleichen. Sie machen nicht einmal ein Fünftel der Einnahmen in der PKV aus. Die Folgen wären nicht nur für die Branche verheerend. Die gesamte Volkswirtschaft müsste in einer Bürgerversicherung mit deutlichen Nachteilen rechnen.

Sinkt die Ersparnis einer Nation, so sinkt auch das Investitionsvolumen. Das Land zehrt sozusagen von seiner Substanz: Produktionsanlagen veralten eher, mehr Volksvermögen wird aufgezehrt, infolge wachsender Schulden sinkt die Kreditwürdigkeit. Es entsteht eine Kettenreaktion: Weniger Investitionen führen zu weniger Wettbewerbsfähigkeit – und damit zu einem sinkenden Spielraum für Lohnerhöhungen. Somit kommt es schließlich auch zu einem „Kollateralschaden“ für die Gesetzliche Krankenversicherung, die sich vor allem über lohnabhängige Beiträge finanziert. Zwar könnten reiche Staaten wie Deutschland „fehlenden Sparfleiß“ auch über den internationalen Finanzmarkt kompensieren, indem sie die Finanzierung ihrer Industrie und Infrastruktur vermehrt dem Ausland überlassen, schreiben die Autoren. Dies erhöhe aber die Anfälligkeit für politische Risiken und sei somit dauerhaft keine Lösung. Zudem sprechen aus Sicht des WIP noch weitere Gründe für den Erhalt des dualen Systems aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung: Da die Beiträge in der PKV vom Risiko und nicht vom Einkommen abhängen, sind sie anders als in der GKV kaum konjunkturanfällig. Die PKV kann daher als Stabilisator bei Konjunkturschwankungen wirken.

Darüber hinaus sei es vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung „paradox, die Abschaffung jener Versicherungseinrichtungen zu fordern, die sich durch den Aufbau von Alterungsrückstellungen auf diese Entwicklung vorbereitet haben.“ Deutschland benötige mehr statt weniger Kapitaldeckung. Von der wachsenden Produktivität und den damit verbundenen höheren Löhnen profitiert dann auch die umlagefinanzierte Sozialversicherung.