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PKV publik 7.2013

„Für die Patienten kommt immer dann mehr raus, wenn sie Alternativen haben.“

Ein System, das sich ausgleichend und im Wettbewerb miteinander entwickelt, ist für die Patienten viel besser als ein Gesundheitswesen ohne Wahlmöglichkeiten.


Gastbeitrag von Thomas Truckenbrod

 

Deutschland hat ein hervorragendes Gesundheitssystem. Natürlich gibt es immer Verbesserungsbedarf. Gerade in der flächendeckenden Versorgung treten stellenweise Probleme auf. Vor allem im Bereich der Augenheilkunde wird Versorgung in der Fläche zukünftig nicht mehr überall sichergestellt werden können. Das ist eine Chance für die Augenoptiker, die mit bestimmten Dienstleistungen wie etwa Prävention oder Monitoring einspringen können. Mit einer guten Qualifikation und Kompetenz stehen sie dafür, dass weiterhin deutschlandweit die Versorgung gewährleistet werden kann.

Dennoch ist die Versorgung keineswegs gesichert. Schon heute ist zu sehen, dass die Gesetzliche Krankenversicherung immer weniger zahlt. Für die Augenoptiker war hier der 1. Januar 2004 ein wichtiger Stichtag. Seit diesem Tag sind Brillen – mit wenigen Ausnahmen – aus dem Leistungskatalog des Sozialgesetzbuchs V gestrichen. Aber de facto ist die Masse der Leistungen für Brillen aus der GKV verschwunden. In diesem Punkt waren sich die gesetzlichen Kassen übrigens erstaunlich einig. In der Privaten Krankenversicherung gibt es aufgrund des Wettbewerbs unterschiedliche Erstattungsregelungen. Aber die Versicherten können hier abhängig von der gewählten Versicherung beziehungsweise vom gewählten Tarif selbst entscheiden, welche Leistungen sie für den Bereich Sehen erstattet bekommen wollen. Der Vorteil im Vergleich zur Gesetzlichen Krankenversicherung ist dabei zweifellos, dass man die Leistungen, für die man einen Vertrag abgeschlossen hat, auch in Zukunft erhält – weil dieser privatrechtliche Anspruch von gesundheitspolitischen „Kostendämpfungsgesetzen“ nicht eingeschränkt werden kann.

Eigentlich sollte man der Ansicht sein, dass auch in der GKV die beim Eintritt zugesicherten Leistungen zukunftssicher sind. Daher erschrecken die Versicherten, wenn plötzlich jemand sagt: „Die Brille zahlen wir jetzt nicht mehr.“ Dann kann man sich schnell fragen, welches Gerät oder welche Behandlung womöglich in Zukunft ebenfalls nicht mehr gezahlt wird. Und wer weiß, vielleicht heißt es ja irgendwann einmal: „Tja, Ihr Knie – für ein Implantat sind Sie zu alt. Dafür zahlen wir nicht mehr.“

Konkurrenz belebt das Geschäft. Und ich kann aufgrund meines Lebens in der DDR aus eigener Erfahrung sagen, dass Monosysteme ihren Nachteil haben. Denn dort wurde zwar plakativ sehr viel getan. Aber letztlich muss man ein Gesundheitssystem danach beurteilen, welchen Nutzen es für Patienten hat. Und nach meiner Erfahrung kommt für die Patienten immer nur dann mehr raus, wenn es Alternativen gibt und der Bürger sich aussuchen kann, was er machen will. Grundsätzlich heißt es in Deutschland ja immer, wir sind mündige Bürger und sollen selbst entscheiden. Doch dann soll uns plötzlich mit der Bürgerversicherung ein System aufgezwungen werden, in dem niemand mehr eine Wahl hat. Davon halte ich überhaupt nichts. In der DDR ist es ja gerade der Wunsch der Menschen gewesen, ein freiheitliches System zu finden, was auch wirklich überall freiheitlich ist.

Die beiden Krankenversicherungssysteme in Deutschland haben sich über die Zeit entwickelt, haben sich auch weiterentwickelt. Eine Revolution muss immer dann stattfinden, wenn es scheinbar unüberwindbare Schranken zu beseitigen gilt. Aber die sehe ich derzeit nicht. Und ich halte ein System, das sich ausgleichend und im Wettbewerb miteinander entwickelt, für viel besser als einen radikalen Schnitt, bei dem ich hinterher keine Wahlmöglichkeiten mehr habe.