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PKV publik 6.2013

Daniel Bahr spricht auf der PKV-Mitgliederversammlung 2013
 

Eine lebendige Branche

Auf ihrer Jahrestagung zeigte die Private Krankenversicherung, dass sie ihrer Verantwortung als zentraler Akteur im deutschen Gesundheitswesen nachkommt. Die Veranstaltung stand unter einem klaren Motto: Wir brauchen mehr Eigenvorsorge.


 

Die Perspektiven waren unterschiedlich, die Aussagen jedoch die gleichen: Alle Redner auf der PKV-Jahrestagung waren sich einig, dass sich die Menschen nicht allein auf den Sozialstaat verlassen dürfen, sondern im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst vorsorgen müssen. Während Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und der PKV-Vorsitzende Reinhold Schulte angesichts des demografischen Wandels für mehr Kapitaldeckung in der Kranken- und Pflegeversicherung plädierten, warnte der Medienwissenschaftler Professor Norbert Bolz vor einer „Eskalation der Ansprüche“, die zu einer „Überforderung des Sozialstaats“ führe. Und schließlich mahnte Thomas Steffen, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, in Anlehnung an die Fabel von der Grille und der Ameise, dass es besser sei vorzusorgen, anstatt „den ganzen Sommer nur zu tanzen“.

Dass die Private Krankenversicherung (PKV) ihrer Verantwortung nachkommt, den bei ihr versicherten Menschen eine gute Vorsorge zu ermöglichen, stellte sie bei ihrer Jahrestagung in Berlin unter Beweis. Allein die Branchenzahlen machen dies deutlich: Die Alterungsrückstellungen in der Kranken- und Pflegeversicherung betragen über 180 Milliarden Euro. Und trotz anhaltender Niedrigzinsphase lag die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen im Jahr 2012 im Durchschnitt der Branche bei 4,2 Prozent. Hinzu kommt, dass die Versicherungsunternehmen die neue geförderte Pflegezusatzversicherung überaus erfolgreich eingeführt haben. Mit diesen Leistungen unterstreicht die Private Krankenversicherung, dass sie ein relevanter Akteur im deutschen Gesundheitssystem ist.

„Ich empfehle allen Parteien, ideologisch abzurüsten.“

Dementsprechend wurde die zentrale Rolle der Privaten Krankenversicherung im sozialen Sicherungssystem von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr ausdrücklich gewürdigt. Vor diesem Hintergrund sprach er sich für das Nebeneinander von Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung und damit gegen die Pläne für eine Bürgerversicherung aus: „Wettbewerb und Vielfalt sind das Ziel“. Ihm gehe es um das „Leitbild eines Menschen, der für sich selbst entscheiden kann, wie er sich versichern möchte.“ Der lebendige Systemwettbewerb setze auch die gesetzlichen Kassen unter Druck, die Leistungen für ihre Versicherten weiter zu verbessern.

Davon würden alle profitieren. Bahr empfahl daher allen Parteien, bei der Diskussion über die Zukunft des Gesundheitssystems ideologisch abzurüsten und einen sachlichen Blick auf die hervorragende medizinische Versorgung hierzulande zu werfen. Denn das deutsche Gesundheitssystem habe einen Leistungsumfang, der weltweit seinesgleichen suche. Immer wieder werde er auf seinen Auslandsreisen gefragt: „Wie kriegt Ihr das hin?“ Annähernd jeder Bürger habe einen vollen Krankenversicherungsschutz und bekomme die Leistungen, die für ihn medizinisch notwendig seien, auf hohem Niveau. Um die hervorragende Versorgung hierzulande noch weiter zu verbessern, sollten beide Systeme voneinander lernen und im Wettbewerb miteinander die jeweiligen Vorteile aus- und die Nachteile abbauen.

Zudem lobte Bahr, dass die Privatversicherten systematisch für ihre im Alter steigenden Gesundheitsausgaben vorsorgen. Man könne zwar darüber streiten, ob die PKV ausreichend auf die steigenden Kosten vorbereitet sei. Aber immerhin finde hier im Gegensatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung eine Vorsorge statt. Eine Bürgerversicherung biete hingegen keine Antwort auf die demografische Entwicklung in Deutschland. Im Gegenteil: „Es ist doch Irrsinn, immer mehr Menschen in das Umlagesystem zwingen zu wollen.“

Wiederholt betonte er, dass es ihm nicht darum gehe, ein bestimmtes Geschäftsmodell zu verteidigen, sondern darum, den Menschen die Möglichkeit zu geben, selbst zu entscheiden, was am besten für sie ist. Deutlich sagte Bahr aber auch, dass er von der Privaten Krankenversicherung Reformbereitschaft erwarte. So begrüßte er Initiativen in der Branche zu einer Öffnung für Angestellte nach dem Vorbild der Öffnungsaktion für Beamtenanfänger und wünschte sich mehr davon. Zudem müsse die PKV dafür sorgen, dass die Beiträge auch im Alter bezahlbar blieben. Und schließlich forderte er eine konstruktive Beteiligung bei der Reform der Gebührenordnung für Ärzte ein.

Im Zusammenhang mit seiner Forderung nach Reformen wies er auf die gesetzlichen Regelungen hin, mit denen die schwarz-gelbe Koalition Verbesserungen für die Privatversicherten erreicht habe. Dazu gehöre die Einbeziehung der Privaten Krankenversicherung in die gesetzlichen Arzneimittelrabatte, die Provisionsbegrenzung sowie die Abschaffung der Dreijahresregelung, die Angestellten den Zugang zur Privaten Krankenversicherung willkürlich erschwert hatte.

Einen besonderen Schwerpunkt legte Bahr auf die erst kürzlich beschlossene Einführung eines Notlagentarifs, der zeitweilig zahlungsunfähige Privatversicherte vor Überschuldung bewahren könne. Denn die Konstruktion der Gesundheitsreform aus dem Jahr 2007 habe dazu geführt, dass die Beitragsschulden einiger Versicherter teilweise solche Ausmaße angenommen hätten, dass es für sie kaum möglich sei, wieder in einen normalen Versicherungsschutz zurückzufinden. Mit dem Notlagentarif gebe es dafür wieder eine gute Chance.

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