• Vorlesen
  • A A A

PKV publik 5.2013

 

Muttersprachliche Beratung wird fortgeführt

PKV unterzeichnet neuen Fördervertrag mit der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland


 

Seit 2011 berät die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) auch auf Russisch und Türkisch. Finanziert wird dieses Angebot durch den Verband der Privaten Krankenversicherung, der sein Engagement nun vorzeitig bis 2018 verlängert hat.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) und die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) haben einen neuen Fördervertrag zur muttersprachlichen Beratung für Menschen mit Migrationshintergrund unterzeichnet. Mit dieser freiwilligen Vertragsverlängerung um weitere fünf Jahre bis Ende 2018 sichert die PKV die Entwicklung eines beeindruckenden und in seinem Umfang bisher einmaligen Projektes.

In Deutschland leben etwa 16 Millionen Menschen mit einem Migrationshintergrund. Das sind über 19 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die beiden größten Gruppen sind russische und türkische Muttersprachler. Eine aktuelle Studie der Universität Bielefeld, die das von der PKV finanziell geförderte muttersprachliche Beratungsangebot der UPD bewertet hat, belegt die Bedeutung dieses Projektes. Denn im komplizierten Gesundheitssystem haben Menschen mit ausländischen Wurzeln oft das Nachsehen. Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und Wissenslücken stellen große Hürden in der medizinischen Versorgung dar.

Die Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Annett Horn von der Universität Bielefeld erklärt: „Oft verstehen Migranten ihren Arzt nicht und kennen teilweise nicht einmal ihre Diagnose.“ In der Folge türmen sich die Probleme der Betroffenen immer weiter auf: „Viele ziehen von einem Arzt zum nächsten und nehmen darüber hinaus unterschiedliche Beratungsangebote in Anspruch“, so Horn. Übrig bleibt das Gefühl, dass ihnen nicht geholfen wird.

Neben dem Systemverständnis gibt es auch kulturelle Barrieren. Die Erfahrung aus der Beratungspraxis zeigt, dass Patienten Krankheitssymptome oft metaphorisch beschreiben, indem sie von einer „Schlange“ sprechen, die sich durch ihren Körper bewegt, von „Zwergen“, die ihnen Schmerzen zufügen oder von „kribbelnden Ameisen“, die im Körper umherziehen. UPD-Geschäftsführer Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler: „So unterschiedlich können Kommunikations- und Umgangsformen in den einzelnen Kulturen sein und ebendiese kulturelle und sprachliche Vielfalt muss eine qualitativ hochwertige Patientenberatung berücksichtigen.“

Die muttersprachliche Patientenberatung ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Verbesserung der Integration von Menschen in einem Bereich, in dem Desintegration schlicht lebensgefährlich sein kann: Die medizinische Versorgung. Seit 2011 gibt es nun schon die muttersprachliche Beratung als Regelangebot in der UPD. Das Angebot in türkischer und russischer Sprache setzt sich aus einer Vor-Ort-Beratung in vier regionalen UPD-Beratungsstellen (Berlin, Dortmund, Nürnberg, Stuttgart) und einem kostenfreien, bundesweiten Beratungstelefon in türkischer und russischer Sprache zusammen. Darüber hinaus werden Patienteninformationen in leicht verständlicher Sprache zur Verfügung gestellt und ein Internetauftritt für Ratsuchende mit Migrationshintergrund angeboten.

Das Beratungsangebot der Unabhängigen Patientenberatung richtet sich natürlich an die gesamte Bevölkerung und schließt dabei keine Ratsuchenden aus. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller MdB, lobt das Engagement der PKV ausdrücklich: „Das muttersprachliche Beratungsangebot in türkischer und russischer Sprache ist eine hervorragende Ergänzung in unserem Gesundheitswesen.“ Die Unabhängige Patientenberatung habe sich enorm weiterentwickelt: „Sie wird bald die ‚Marke‘ im Gesundheitswesen sein, so wie es die Stiftung Warentest in anderen Bereichen schon heute ist“, betont Zöller.

Der PKV-Verband stellt der UPD entsprechend dem Anteil der Versicherten an der Gesamtbevölkerung über 370.000 Euro pro Jahr für das muttersprachliche Beratungsangebot zur Verfügung. Das entspricht im Verhältnis der Höhe der Fördersumme (nach § 65 b Abs. 2 SGB V), mit welcher der GKV-Spitzenverband das deutsche Beratungsangebot der UPD zu fördern hat.

Der neue Vertrag, mit dem die PKV die UPD fördert, gilt verbindlich für zwei Jahre (bis 2015) und verlängert sich um drei weitere Jahre (2016 bis 2018) für den Fall, dass der GKV-Spitzenverband seinen Ende 2015 auslaufenden Vertrag mit der UPD ebenfalls verlängert.

Neutralität der Beratung ist fest verankert

Mit dem neuen Fördervertrag ist es dem PKV-Verband gelungen, die gesetzlich geforderte Neutralität und Unabhängigkeit der UPD erneut klar zu verankern und sogar weiter zu stärken. Der PKV-Verband wird auch in Zukunft auf Inhalt und Umfang der Beratung keinen Einfluss nehmen. Die UPD muss lediglich die PKV-Fördermittel zur Fortführung des muttersprachlichen Beratungsangebots sowie zur „interkulturellen Öffnung“ des UPD-Verbundes verwenden. Beides wird die UPD auf Grund eigener wissenschaftlich-fachlicher Beurteilung umsetzen, so dass die Menschen in unserem Land qualitätsgesicherte und unabhängige Informationen erhalten. Dazu erklärt Zöller: „Beeindruckend finde ich, dass die PKV die gesetzlich verbriefte Neutralität und Unabhängigkeit der UPD eindrucksvoll umsetzt und vielleicht sogar dem anderen Förderer hier Maßstäbe setzt.“

Mit dem muttersprachlichen Beratungsangebot der UPD ist ein Projekt etabliert, das gerade jene Menschen erreicht, die auf unsere Unterstützung am dringendsten angewiesen sind. Wer etwas verändern und für Integration in unserer Gesellschaft tun will, der muss konkret werden. Die Private Krankenversicherung stellt sich ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung und ist überzeugt, hiermit einen Beitrag zur patientenorientierten Integration leisten zu können.