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PKV publik 5.2013

Editorial

 

Liebe Leserinnen und Leser,

soeben hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ihren neuesten Jahresbericht veröffentlicht. Da die BaFin auch die deutschen Versicherungsunternehmen beaufsichtigt, ist sie zugleich Anlaufstelle für Beschwerden von Versicherten. Im Jahresbericht 2012 beziffert die BaFin die Zahl dieser Beschwerden in Sachen Krankenversicherung auf insgesamt 2.360. Das entspricht einer Beschwerdequote von 0,006 Prozent.

Ende 2001 wurde mit der Gründung des Ombudsmanns der Privaten Krankenversicherung (PKV) bewusst eine weitere Anlaufstelle für Versichertenbeschwerden geschaffen. Die Versicherungsunternehmen haben ein großes Interesse, Eingaben ihrer Kunden im direkten Kontakt möglichst selbst zu lösen. Falls das doch einmal nicht gelingt, ist der Ombudsmann eine neutrale und für die Versicherten kostenlose Schlichtungsstelle, die in Streitfällen eine einvernehmliche Lösung zwischen den Kunden und den Versicherungen sucht – und oft auch findet.

Der Ombudsmann verzeichnete im Jahr 2012 insgesamt 6.354 Beschwerden, wobei er über die Zuständigkeiten der BaFin hinaus auch für die Kunden der privaten Pflegepflichtversicherung zur Verfügung steht, insgesamt also für rund 41,5 Millionen versicherte Personen. Daraus ergibt sich eine Beschwerdequote beim PKV-Ombudsmann von 0,015 Prozent. Mit dem stetig wachsenden Bekanntheitsgrad der PKV-Schlichtungsstelle ist die Zahl der Eingaben dort natürlich gestiegen, doch im Gegenzug ist die Zahl der Beschwerden bei der BaFin seitdem deutlich gesunken.

Übrigens: Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat gar keinen Ombudsmann, solche Beschwerdestatistiken sucht man dort vergebens. Die gesetzlich Versicherten müssen bei Streitfällen letztlich den mühsamen und langwierigen Weg über die Sozialgerichte gehen, bei denen abertausende Streitfälle aus der GKV anhängig sind.

Medienberichte erwecken gelegentlich den Eindruck, als gebe es eine wachsende Unzufriedenheit von Privatversicherten etwa wegen angeblich zunehmender Leistungskürzungen durch die Versicherungsunternehmen. Die Beschwerdestatistiken des PKV-Ombudsmanns und der BaFin kommen jedoch zu einem völlig anderen Ergebnis: Das Beschwerdeaufkommen von Ombudsmann und BaFin zusammengenommen ist seit zehn Jahren nahezu konstant: insgesamt beschweren sich weniger als 3 von 10.000 Versicherten. Natürlich ist aus Sicht einer Dienstleistungsbranche wie der Privaten Krankenversicherung jede einzelne Beschwerde schon eine Beschwerde zu viel. Gleichwohl belegen diese Zahlen im Vergleich zu anderen Branchen mit so vielen Millionen Kunden eine bemerkenswert niedrige Beschwerdequote.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Volker Leienbach