• Vorlesen
  • A A A

PKV publik 5.2013

Unke
 

Allen Unkenrufen zum Trotz

Die neue staatlich geförderte Vorsorge trifft auf großes Interesse. In wenigen Wochen haben sich schon 70.000 Menschen dafür entschieden – und täglich kommen Hunderte hinzu.


 

Die neue geförderte Pflegezusatzversicherung ist ein voller Erfolg. Bereits in den ersten vier Monaten nach ihrer Einführung haben sich 70.000 Menschen für das neue Vorsorge-Angebot entschieden. Und jeden Tag kommen hunderte neuer Kunden hinzu. Das zeigt, dass sich die Menschen des Problems der drohenden Finanzierungslücke im Falle einer Pflegebedürftigkeit durchaus bewusst sind.

Dessen ungeachtet wird von verschiedenen Seiten immer wieder versucht, das neue Versicherungsangebot schlecht zu reden. Insbesondere die Oppositionsparteien, die aus ideologischen Gründen eine Bürgerzwangsversicherung auch in der Pflege wollen, tun sich hier hervor.

Allerdings hat auch das eigentlich als seriös geltende Magazin „Finanztest“ bei der geförderten Pflegeversicherung (Ausgabe 5/2013) das Haar in der Suppe gesucht. Das kritische Urteil der Zeitschrift beruht freilich zum Teil auf verfehlten Grundannahmen und Missverständnissen gegenüber diesem völlig neuen, staatlich geförderten Produkts mit gesetzlichen Mindestmaßstäben.

So ist bereits die Bedarfseinschätzung, die der Bewertung von „Finanztest“ zugrunde liegt, eine  fragwürdige Basis. Die Zeitschrift definiert nämlich aufgrund eigener Annahmen eine individuelle Finanzierungslücke, die sich im Pflegefall aus den Kosten in einer bestimmten Pflegestufe und den Leistungen der Pflichtversicherung ergibt. Ausschlaggebend für die Bewertung ist nun, ob die Leistung einer Pflegezusatzversicherung diese individuelle Lücke vollständig schließt.

Das Verfahren erscheint fragwürdig. Denn die individuelle Finanzierungslücke hängt nicht allein von den Leistungen der Pflegeversicherung ab, sondern vom individuellen Einkommen insgesamt. Nicht jeder möchte die verbleibende Lücke durch eine Zusatzversicherung vollständig schließen. Sei es, dass er über ausreichend Geldmittel verfügt, um später einen Teil der Pflegekosten selbst zu tragen; sei es, dass er nur einen geringen Teil seines aktuellen Einkommens für eine Pflegezusatzversicherung ausgeben kann oder will.

Zudem war bei der Einführung der neuen Vorsorge von Beginn an klar, dass die geförderte Pflegezusatzversicherung ein Basisangebot sein soll, das auf Wunsch individuell aufgestockt werden kann. Daher macht es überhaupt keinen Sinn, das Produkt danach zu beurteilen, ob eine freihändig definierte Finanzierungslücke komplett geschlossen wird. Denn die gesetzliche Pflegeversicherung und auch die neue staatlich geförderte Zusatzversicherung waren niemals als „Vollkasko“-Schutz gedacht. Ein solcher Umfang ist auch gar nicht notwendig, da in der Regel ja auch andere Einkünfte dazu beitragen, die Kosten im Pflegefall zu decken.

Diese missverständliche Grundannahme zieht sich durch die gesamte Argumentation. So vergleicht „Finanztest“ Leistungen für zwei Modellkunden, die in einer klassischen – also nicht geförderten – Zusatzversicherung versichert sind: einer ist 45 Jahre alt und bezahlt 55 Euro monatlich, der andere ist 55 Jahre alt und zahlt 85 Euro. Diese Beiträge sind jedoch für diese Altersklassen extrem hoch, eben weil die Zeitschrift davon ausgeht, dass eine wie auch immer berechnete Vollkasko-Finanzierungslücke geschlossen werden müsse.

Bei keiner einzigen geförderten Pflegezusatzversicherung gibt es einen Tarif, der für diese Altersstufen derart hohe Beiträge hat, wie „Finanztest“ sie als Maßstab anlegt. Natürlich sind dann auch die Leistungen geringer. Schwierig wird es aber, wenn die Zeitschrift aufgrund ihrer selbst definierten Vorgaben zu dem Schluss kommt, eine Pflegezusatzversicherung mache „nur Sinn, wenn jemand so wohlhabend ist, dass er die Beiträge auf Dauer zahlen kann.“ Denn die geförderte Pflegezusatzversicherung bietet ja gerade Menschen mit geringem Einkommen für wenig Geld die Möglichkeit, etwas gegen die drohende Finanzierungslücke zu tun, wenn sie auch nicht ganz geschlossen werden kann.    

Unverständlich ist auch die Empfehlung, die geförderte Pflegezusatzversicherung nicht vor dem 40. Lebensjahr abzuschließen, weil jüngere Menschen nicht absehen könnten, was sie in den nächsten Jahrzehnten verdienen würden. Mit demselben Argument könnte man auch davon abraten, schon in jungen Jahren mit der Altersvorsorge zu beginnen. Schließlich weiß man ja auch hier nicht, welchen Teil seines Einkommens man später für eine entsprechende Versicherung ausgeben kann.

Zudem wird hier ein wichtiger Aspekt der geförderten Pflegezusatzversicherung ausgeblendet. Denn gerade jüngere Menschen sichern sich für den Mindest-Eigenanteil von 10 Euro wesentlich höhere Leistungen als die gesetzlich vorgesehenen Mindestleistungen von 600 Euro im Monat in Pflegestufe III. Einige Tarife sehen bei einem Einstiegsalter von 30 Jahren sogar Leistungen von über 900 Euro in dieser Stufe vor, bei jüngerem Eintrittsalter sogar noch deutlich mehr.

Darüber hinaus schürt „Finanztest“ mit einer pauschalen und hypothetischen Warnung vor möglicherweise steigenden Beiträgen diffuse Ängste. Zwar können die Beiträge angepasst werden, wenn sich etwa die allgemeine Lebenserwartung, die Häufigkeit oder die Dauer der Pflegezeiten insgesamt ändert. Je nach Entwicklung können die Beiträge bei diesem Verfahren nicht nur steigen, sondern durchaus auch sinken. So hat zum Beispiel die private Pflegepflichtversicherung im Jahr 2012 die Beiträge zum wiederholten Male absenken können. Hinzu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit der Pflegebedürftigkeit recht gut vorausberechnet werden kann. Und schließlich sorgt eine 5-jährige Wartezeit dafür, dass es zu einer Risikomischung in den Tarifen und damit zu stabilen Beiträgen kommt.