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PKV PUBLIK AUSGABE 03/2013

IM GESPRÄCH

„Das Gesundheitswesen ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“

 

Herr Hundt, welche Rolle spielt das Gesundheitswesen für die Wirtschaft?

Hundt: Wir haben in Deutschland sicherlich im weltweiten Vergleich mit die beste Gesundheitsversorgung. Das kommt allen Bürgern zugute. Das ist ein Teil des Wohlstands und der sozialen Sicherheit in Deutschland. Darüber hinaus ist das Gesundheitswesen, das ja auf zwei Säulen beruht, der Gesetzlichen und der Privaten Krankenversicherung, ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Gesamtleistung beträgt rund 280 Milliarden Euro. Das entspricht fast 12 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts. Wir beschäftigen im Gesundheitswesen 4,5 Millionen Menschen. Es ist also auch von dieser Seite her ein wichtiger Faktor, der vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Zukunft sogar noch weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Was erwarten Sie von der demografischen Entwicklung?

Hundt: Die demografische Entwicklung führt zum einen zu Engpässen in der Fachkräftesicherung. Da werden sehr intensive Bemühungen angestellt, Frauen mehr in die Berufstätigkeit zu bringen und die Älteren länger im Berufsleben zu halten. Zum anderen bringt die ganze Entwicklung zunehmend das Problem der dauerhaften Finanzierbarkeit unserer Sozialsysteme.

Welche Lösung schlagen Sie vor?


Hundt: Ich plädiere für Wettbewerb und für Eigenverantwortung der Beschäftigten. Natürlich gibt es eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung für Krankheitskosten, die ein Einzelner nicht abdecken kann. Aber darüber hinaus müssen wir zu einem Prinzip kommen, wie es in anderen Ländern teilweise auch der Fall ist, dass die Beschäftigen mehr Netto von ihrem Bruttoeinkommen haben und dann auf der anderen Seite auch mehr Eigenverantwortung, mehr Eigenvorsorge, übernehmen.

Was halten Sie vom Konzept einer Bürgerversicherung?

Hundt: Das duale System aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung sollten wir in jedem Fall erhalten. Das ist eine gesunde, auf Wettbewerb basierende Einrichtung, die auch für die Zukunft Erfolg verspricht. Die Bürgerversicherung löst die Probleme mit Sicherheit nicht ­­– weder auf der Leistungsseite im Gesundheitswesen noch hinsichtlich der Finanzierbarkeit. Mit der Bürgerversicherung werden lediglich mehr Beiträge eingesammelt. Das aber geht zulasten der Wirtschaft und insbesondere einzelner Industriezweige, die beispielsweise sehr stark in Richtung Entwicklung oder Forschung tätig sind. Dieses Konzept wirkt sich daher nachteilig auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland im zunehmend schärfer werdenden internationalen Wettbewerb aus.

Mit welcher Mehrbelastung müsste die Wirtschaft rechnen?

Hundt: Es laufen derzeit Berechnungen. Fachleute gehen jedoch schon zu Beginn von einer zusätzlichen Belastung in einer Größenordnung von 5 Milliarden Euro aus. Und wir sollten alles tun, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, dazu gehört nicht, die Wirtschaft und Beschäftigte mit höheren Kosten zu belasten. Doch genau das wäre mit einer Bürgerversicherung der Fall.

Abschließend noch eine persönliche Frage: Wie erhalten Sie Ihre eigene Gesundheit?


Hundt: Ich bewege mich so viel wie möglich, schwimme jeden Morgen zwanzig Minuten und versuche 1-2 Mal in der Woche ins Fitnessstudio zu kommen. Dort habe ich einen Konditionstrainer engagiert. Im Winter bin ich darüber hinaus begeisterter Skifahrer.