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PKV PUBLIK AUSGABE 03/2013

GASTBEITRAG

Die Bürgerversicherung schadet dem Handwerk

Die Konzepte von SPD und Grünen für eine Bürgerversicherung hätten zahlreiche Nachteile für die deutsche Wirtschaft. Das Handwerk wäre von den Kostensteigerungen durch höhere Lohnzusatzkosten besonders betroffen. Von Otto Kentzler

 

Im September wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Es zeichnet sich ab, dass die Parteien im Wahlkampf deutliche Unterschiede in ihrer Politik herausarbeiten werden. Etwa beim Thema Steuern, beim Thema Arbeitsmarkt oder bei der Gesundheitspolitik.

In der Gesundheitspolitik wird von SPD, GRÜNEN und Linkspartei mit ihren jeweiligen Konzepten für eine sogenannte Bürgerversicherung nichts weniger als ein Radikalumbau des bestehenden Systems angestrebt.

Die Reformpläne sehen eine völlig veränderte Finanzierung des Gesundheitswesens vor. So will etwa die SPD die bestehende Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung für Arbeitgeber komplett abschaffen, die Grünen planen eine massive Anhebung dieser Grenze. Beide Varianten können im Ergebnis zu einer Erhöhung der Lohnzusatzkosten führen. Diese Kosten bestimmen aber gerade im lohnintensiven Handwerk den Preis für die Produkte und Leistungen der Betriebe maßgeblich mit. Um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Handwerksbetriebe zu erhalten, plädieren wir seit langem für langfristig stabile Lohnzusatzkosten – jede Steigerung bedroht Wachstum und Beschäftigung.

Höhere Lohnzusatzkosten belasten aber auch die Wirtschaft insgesamt. Und weil wir als Handwerk in der Wertschöpfungskette der Wirtschaft vielfältig eingebunden sind, wäre unsere Branche zusätzlich betroffen, durch weniger Aufträge. Hier droht also durch höhere Lohnnebenkosten eine Kettenreaktion, die wir nicht gebrauchen können. Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hätte auch die Finanzierung der Einheitsversicherung fast vollständig über das Arbeitsverhältnis.

Ein Systemwechsel ist zudem die falsche Antwort auf die demografische Entwicklung. Umlagefinanzierte Sozialversicherungen werden in Zukunft wachsende Finanzierungsprobleme bekommen. Anders die PKV mit ihren kapitalgedeckten Alterungsrückstellungen. Der richtige Weg ist aus unserer Sicht daher, mehr private Vorsorge aufzubauen, statt neue Personenkreise für die Sozialversicherungen zu erschließen.

Hinzu kommt, dass die Einheitskasse den Wettbewerb im Gesundheitswesen torpedieren würde. Die Kunden könnten nicht mehr frei wählen zwischen den Tarifen und Angeboten der Privaten und der Gesetzlichen Krankenversicherung. Zudem fördert der Wettbewerb zwischen den Kassenarten Innovationen im Gesundheitswesen. Die Private Krankenversicherung ist somit ein Impulsgeber für eine bessere Versorgung der Versicherten.

Der bestehende Wettbewerb ist für uns aber auch aus einem anderen Grunde außerordentlich wichtig. Handwerk bedeutet jeden Tag Wettbewerb – und die PKV bietet ja viele zusätzliche Leistungen, die die gesetzlichen Krankenkassen so nicht vorsehen. Und die bestehende Angebotsvielfalt ist speziell für unsere Gesundheitshandwerke und ihre Kunden wichtig, ob es um Zahntechniker, Augenoptiker, Hörgeräteakustiker oder Orthopädietechniker und Orthopädieschuhtechniker geht. Damit belebt das duale Gesundheitssystem auch das Handwerk.

Das Handwerk setzt auch auf die Private Krankenversicherung, weil viele ihrer Unternehmen als Zusammenschluss von Handwerkern gegründet worden sind und ihre Wurzeln im Handwerk haben.

 

Weitere Informationen unter www.zdh.de