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PKV PUBLIK AUSGABE 03/2013

PFLEGE

Ein COMPASS für VERAH
Erfolgreiche Kooperation bei der Fortbildung von Medizinischen Fachangestellten

Das Fortbildungsinstitut des Hausärzteverbandes und die COMPASS Pflegeberatung können eine erfreuliche Bilanz ihrer gemeinsamen Fortbildungsangebote für Versorgungsassistentinnen ziehen.

 
Kompass liegt offen in ausgestreckter Hand
 

Hinter dem Kürzel VERAH verbirgt sich eine Qualifizierungsoffensive für Medizinische Fachangestellte in der Hausarztpraxis. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Hausarztpraxis als zentralen Ort der Versorgung zu stärken und die Hausärztinnen und Hausärzte zu entlasten. Gleichzeitig steht die Abkürzung für „Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis“. Rita Backhaus ist eine sogenannte VERAH. Zusätzlich zu dieser Qualifizierung hat sie auch noch ein Modul „Soziale Betreuung“ absolviert, an dessen Durchführung die COMPASS Pflegeberatung beteiligt war.

Seit ihrer Fortbildung kann Rita Backhaus insbesondere ihre pflegebedürftigen Patienten noch besser betreuen – so wie Ehepaar T., das sie regelmäßig aufsucht. Frau T. war gestürzt und hatte sich den linken Oberschenkelhals gebrochen. Seit sie aus dem Krankenhaus wieder daheim ist, fällt es der alten Dame zunehmend schwer, die täglich anfallenden Arbeiten im Haushalt zu erledigen. Hinzu kommt die Pflege ihres 90-jährigen Mannes, die ihr auch nicht mehr so leicht von der Hand geht. Rita Backhaus kann die beiden in dieser Situation nicht nur medizinisch sondern auch organisatorisch unterstützen: Mit Adressen von ambulanten Pflegediensten und Sozialstationen, mit einer Verordnung häuslicher Krankenpflege und nicht zuletzt mit dem Hinweis auf den Anspruch auf kostenfreie und unabhängige Pflegeberatung, die allen Versicherten seit 2009 gesetzlich zusteht. Rita Backhaus empfiehlt den Eheleuten T. auch, bei der Krankenversicherung einen Antrag zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit zu stellen. Bei der Antragstellung und zum Begutachtungstermin kann Ursula Stäblein, eine Pflegeberaterin von COMPASS, das Ehepaar begleiten. Den Kontakt zu ihr stellt Rita Backhaus gerne her.

Backhaus und Stäblein haben sich beim Nordrheinischen Hausärztetag in Köln kennengelernt. Dort hat die Pflegeberaterin von COMPASS gemeinsam mit einer Kollegin von Medicproof, dem medizinischen Dienst der PKV, referiert. „Die Dialogebene zwischen VERAH und Pflegeberaterinnen zu stärken“, sagt Robert Festersen vom Fortbildungsinstitut des Hausärzteverbandes (IhF), „war eines der Ziele bei der Konzeption des Zusatzmoduls für die Versorgungsassistentinnen.“

Die Versorgungsassistentin übernehme in der Hausarztpraxis Betreuungs- und Koordinierungsaufgaben, um den Arzt zu entlasten. „Daher wollten wir durch eine Qualifizierung der Versorgungsassistentinnen in den Bereichen, die für zu pflegende Patienten relevant sind, deren Kompetenz stärken. Es war naheliegend, dies gemeinsam mit Partnern zu organisieren, die über das notwendige Fachwissen verfügen und gleichzeitig eine bessere Abstimmung zwischen der Pflegeberatung und der Hausarztpraxis ermöglichen“, beschreibt Festersen die weiteren Gründe für die Zusammenarbeit mit COMPASS und Medicproof.

Zehn Fortbildungsveranstaltungen hat das IhF 2012 in Zusammenarbeit mit COMPASS und Medicproof für die Versorgungsassistentinnen angeboten. „Die Zusammenarbeit ist geprägt von der gemeinsamen Erkenntnis, dass die Betreuung von Pflegebedürftigen nur sektorenübergreifend erfolgen kann“, nennt Festersen die Beweggründe für das Fortbildungsmodul. „Die Resonanz bei den Versorgungsassistentinnen ist gut“, zeigt sich auch Sibylle Angele, Geschäftsführerin der COMPASS Pflegeberatung, zufrieden mit dem gemeinsamen Engagement.

Rund 120 Assistentinnen haben insgesamt an einem der sogenannten VERAH-Plus-Module teilgenommen. Auf dem Plan der vierstündigen Veranstaltung stehen neben den Aufgaben der Pflegeberatung, den Leistungen der Pflegeversicherung, dem Bezug von Pflegegeld und Pflegesachleistungen auch die Wohnumfeldverbesserung sowie Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Versorgungsassistenz und Pflegeberatung. Für die Praxis-Mitarbeiterinnen sind diese Informationen von ganz praktischem Nutzen bei der Versorgung der Patienten. Für alle über die medizinische Versorgung hinausgehenden Fragestellungen bei der Begleitung pflegebedürftiger Patienten haben sie nunmehr auch einen Ansprechpartner in der Pflegeberatung.

Auch Ursula Stäblein, die COMPASS-Pflegeberaterin in Köln, sieht für sich Vorteile: „Die Versorgungsassistentinnen sind sehr nah an den Patienten dran. Sie kennen das familiäre Umfeld und sehen, wenn zum Beispiel pflegende Angehörige Unterstützung und Entlastung benötigen. An dieser Stelle können wir in der Pflegeberatung helfen.“ Rita Backhaus sieht den Nutzen für sich ebenfalls ganz praktisch: „Ich freue mich, Frau T. zu mehr Lebensqualität trotz vieler Beeinträchtigungen verholfen zu haben. Es ist schön zu sehen, dass zwei alte Menschen zufrieden und glücklich, wenn auch mit Hilfen, ihren Lebensabend gemeinsam im eigenen Haus verbringen können.“ Der Kontakt zu Ursula Stäblein hat dabei geholfen.

Die positiven Rückmeldungen aus der Pflegeberatung und den Arztpraxen haben das IhF und COMPASS darin bestärkt, die Zusammenarbeit auch in diesem Jahr fortzusetzen. Die ersten beiden Veranstaltungen haben in Stuttgart und Mannheim bereits stattgefunden. Die nächsten Fortbildungen in Würzburg, Köln und Erfurt, sind bereits ausgebucht.

Für die Pflegeberaterinnen und Pflegeberater von COMPASS und die VERAH in den Hausarztpraxen ist es nach den Fortbildungen nun wichtig, den Kontakt zueinander zu pflegen und in der Praxis zu vertiefen. Denn eine effektive gesundheitliche und pflegerische Versorgung von Patientinnen und Patienten erfordert grundsätzlich eine berufsübergreifende Zusammenarbeit. Mit dem Fortbildungsmodul haben die beiden Berufsgruppen der Pflegeberaterinnen und Pflegeberater sowie die VERAH, die beide in sehr engem Kontakt zu den Pflegebedürftigen und ihren Familien stehen und in der Versorgungskette wichtige Funktionen übernehmen, einen ersten Schritt gemacht.