• Vorlesen
  • A A A

PKV PUBLIK AUSGABE 02/2013

PRÄVENTION

Auszeichnung für „Neue Festkultur“
Projekt aus Sigmaringen gewinnt den ersten Bundeswettbewerb Alkoholprävention

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die wegen Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommen, ist erschreckend hoch. Die PKV engagiert sich daher mit jährlich 10 Millionen Euro in der Präventionsarbeit.

 
1. Bundeswettbewerb Alkoholprävention
 

Je später der Abend, desto betrunkener die Gäste. Das ist bittere Realität vielerorts in Deutschland und trifft immer mehr auch für Jugendliche und sogar Kinder zu. Die Zahl der 10- bis 19-Jährigen, die stationär im Krankenhaus wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden mussten, lag 2011 bei 26.349. Ein trauriger Rekord: Bei Beginn der Erhebungen des Statistischen Bundesamts vor elf Jahren lag die Zahl noch bei 12.807.

Oftmals sind es Unerfahrenheit, Neugier oder der Druck in der Gruppe, die hinter einer Alkoholvergiftung stecken. Viele Kinder und Jugendliche schätzen auch schlicht ihr Risiko falsch ein. Selbst bei Erwachsenen liegt der soeben noch risikoarme Konsum bei lediglich einem kleinen Glas Wein oder Bier für Frauen bzw. zwei Gläsern für Männer. Für Kinder und Jugendliche kann aber auch diese Menge schon schädlich sein: Weil sie sich noch im Wachstum befinden, kann Alkohol nicht nur das Nervensystem und den gesamten Gesundheitszustand nachhaltig schädigen. Aufgrund der noch nicht abgeschlossenen körperlichen Entwicklung kann Alkohol auch dauerhafte Beeinträchtigungen und Änderungen der Hirnfunktionen hervorrufen. Nicht zuletzt zeigen Studien, dass eine Abhängigkeit umso wahrscheinlicher wird, je früher Jugendliche mit Alkohol in Berührung kommen.

„Alkohol? Kenn Dein Limit“

Der Verband der Privaten Krankenversicherung hat deshalb 2009 die Kampagne „Alkohol? Kenn Dein Limit“ ins Leben gerufen. Mit jährlich 10 Millionen Euro finanziert er die bislang größte bundesweite Kampagne zum Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen. Sie wird seit drei Jahren von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umgesetzt.

Mit einer vollkommen alkoholfreien Preisverleihung haben PKV-Verband und BZgA im Rahmen von „Alkohol? Kenn Dein Limit“ am 20. Februar 2013 die Preisträger des „1. Bundeswettbewerbs Alkoholprävention“ gewürdigt. Acht Projekte schafften es in die Endrunde des Wettbewerbs, an dem sich rund 150 Teams beteiligt hatten. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach und die Direktorin der BZgA, Prof. Elisabeth Pott, gratulierten den Preisträgern zu ihren herausragenden Leistungen. „Alkohol ist das am weitesten verbreitete Suchtmittel in Deutschland“, erklärte der Minister auf der Veranstaltung in Berlin. Maßnahmen, die vor Missbrauch warnten, seien deshalb ganz wichtig. Bahr: „Alkoholprävention ist eine große gesellschaftliche Verantwortung. Deshalb finde ich es sehr gut, dass sich die PKV hier engagiert.“

Für die Auswahl der Preisträger war entscheidend, dass die Projekte fachliche Qualität und jugendgerechte Ansprache effektiv miteinander verbinden. Eine Jury mit Experten aus den Bereichen Suchtfragen und Prävention, Jugendkulturforschung, Literaturpädagogik und Journalismus ermittelte die Gewinner.

Den Hauptpreis von 10.000 Euro überreichte PKV-Verbandsdirektor Leienbach an das Projekt „Neue Festkultur“ in Sigmaringen. In dessen Zentrum steht die Einhaltung des Jugendschutzes. Mit dem dafür eigens entwickelten Partypass können Unter-18-Jährige Veranstaltungen bis 24 Uhr besuchen. Wird der am Einlass abgegebene Pass nicht bis Mitternacht abgeholt, reicht ihn der Veranstalter an das Bürgeramt weiter, das wiederum die Eltern informiert. Darüber hinaus sorgen Maßnahmen wie Einlasskontrollen, ein Veranstaltungsbeginn spätestens um 21 Uhr und ein Angebot von mindestens drei preisgünstigen alkoholfreien Getränken dafür, dass die Feier nicht aus dem Ruder läuft. Geschulte Veranstalter achten überdies darauf, dass Jugendliche nicht zu viel Alkohol trinken, indem sie notfalls eine weitere Alkoholabgabe ablehnen. Dafür erhalten sie das „Fairfest-Gütesiegel“.

„In sieben Jahren ist Ihnen gelungen, die Fest- und Partykultur in Ihrer Region nachhaltig zu verändern, Mitstreiter und sogar Nachahmer in anderen Städten zu finden“, begründete Leienbach das Votum der Jury. Die Zusammenarbeit von Suchtberatung, Landratsamt und Polizei über Vereine und Schulen bis hin zu Sicherheitsfirmen und dem Roten Kreuz funktioniere. Die neuen Regeln würden inzwischen von den Jugendlichen und ihren Eltern geschätzt. Eine Untersuchung konnte zeigen, dass die Veranstalter mit dem Verlauf ihrer Partys deutlich zufriedener sind und die Polizei seltener wegen Ausschreitungen ausrücken muss.

„Alkoholprävention in einer Gesellschaft, in der Alkohol wie selbstverständlich dazugehört, braucht Zeit“, sagte Prof. Pott. Zwar sei die mehrfach ausgezeichnete BZgA-Kampagne „Alkohol? Kenn Dein Limit“ bei rund 70 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bekannt. „Dennoch braucht es Ausdauer, um nicht nur eine Bewusstseins-, sondern auch eine Verhaltensänderung zu erreichen.“

Der PKV-Verband führt deshalb in diesem Jahr auch einige vertiefende Alkoholpräventionstage an Schulen durch. Dabei nehmen die Schülerinnen und Schüler unter anderem an einer Podiumsdiskussion mit regionalen Bundestagsabgeordneten, Suchtexperten der BZgA sowie Olaf Büttner, dem Buchautor des Romans „Filmriss“, teil. Unter Beteiligung von mehr als 400 Acht- und Zehntklässlern haben bereits Veranstaltungen in Nürnberg, Kirchheim unter Teck und Neustadt/Wied stattgefunden, weitere Termine sind geplant.

 
 

Grafik "Bekanntheit des Slogans „Alkohol? Kenn dein Limit. 2011 – 2012" als PDF-Download (PDF-Dokument, 570.1 KB).