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PKV PUBLIK AUSGABE 01/2013

GASTBEITRAG

Ein Meilenstein in der Krebsversorgung

Mit einem neuen Gesetz sollen bundesweit einheitliche Klinische Krebsregister eingeführt werden. Mit den damit gewonnenen Daten kann die Therapie-Qualität deutlich verbessert werden. Erfreulich ist, dass sich die Private Krankenversicherung freiwillig an der Finanzierung beteiligt.
Von Johannes Bruns

 

Mit einem der letzten Gesetzgebungsverfahren vor der Bundestagswahl werden flächendeckend und einheitlich Klinische Krebsregister eingeführt. Dies ist ein wichtiger Meilenstein für die Weiterentwicklung der onkologischen Versorgung. Mittels der Krebsregisterdaten wird es möglich sein, die Qualität der Therapie auf individueller Ebene zu optimieren und auch die Krebsbehandlung in einer Region zu verbessern. Die laut Krebsfrüherkennungs- und Registergesetz (KFRG) vorgesehene Einrichtung der Register erfolgt durch die Länder, wobei die Daten flächendeckend und möglichst vollzählig erfasst sowie jährlich landesbezogen ausgewertet werden.

Das Gesetz folgt den Umsetzungsempfehlungen des Nationalen Krebsplans, in dem alle wichtigen Organisationen die Rahmenbedingungen der onkologischen Versorgung beraten und einen übergreifenden Konsens gefunden haben. Zur Datenerfassung meldet die behandelnde Einrichtung alle Schritte der Behandlung eines Krebsfalls an das für sie zuständige Register. So können die ausgewerteten Daten an die Leistungserbringer vor Ort zurückgemeldet werden. Zudem wurden bundesweit einheitliche Voraussetzungen für die Datenerfassung geschaffen und Mehrfachdokumentationen vermieden.

Die Länder sind zur Einrichtung Klinischer Krebsregister verpflichtet. Die Deutsche Krebshilfe fördert die Investitionskosten der Länder mit einem Beitrag von 7,2 Mio. Euro. Die Betriebskosten werden durch eine fallbezogene Krebsregister-Pauschale gedeckt, die von den gesetzlichen Krankenversicherungen entrichtet werden muss. Erfreulich ist, dass die privaten Versicherer sich freiwillig bereit erklärt haben, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Durch ihre Teilnahme ermöglichen die Privatversicherungen die für Klinische Krebsregister notwendige Vollzähligkeit aller Fälle.

Der flächendeckende Ausbau der Register als ein zentrales Instrument zur Messung der Ergebnisqualität der Krebsbehandlung ist unabdingbar, um Fehl-, Über- oder Unterversorgung aufzuspüren und an Ärzte, gesundheitspolitische Entscheider sowie an die Gremien der Selbstverwaltung zurückzumelden.

Bisher wurde zwar die Dokumentation onkologischer Patienten an einigen Tumorzentren über Modellprojekte mit Bundesmitteln gefördert. Es gelang aber nur in einzelnen Ländern, diese Initiativen in die Routineversorgung zu überführen. Der vorliegende Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums zielt auf die vollständige und widerspruchsfreie Erfassung der Daten aller Patienten ab, die in einem regional festgelegten Einzugsgebiet stationär und ambulant versorgt werden.

Von der Regelung profitieren alle Krebspatienten. Die Leistungserbringer werden anhand der Ergebnisse ihre Leistung besser einschätzen können. Politische Entscheider werden künftig Maßnahmen in der Krebsversorgung auf der Basis von Registerdaten steuern können. Krankenkassen werden in die Lage versetzt werden, nur noch qualitätsgesicherte Leistungen zu vergüten. Forschung mit Registerdaten wird ein wichtiges Instrument der Versorgungsforschung werden.

In einem nächsten Schritt werden alle Beteiligten in konstruktiver Weise die im Gesetz vorgegebenen Rahmenbedingungen ausfüllen müssen, um in überschaubarer Zeit das Potenzial Klinischer Krebsregister in der alltäglichen Versorgung nutzen zu können.