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PKV PUBLIK AUSGABE 10/2012

IM GESPRÄCH

„Das ist ohne Frage ein riesiger Kraftakt“

 

Ab 2013 werden Versicherungsunternehmen die neue geförderte Pflegezusatzversicherung anbieten. Wie aufwändig ist die Tarifkalkulation für dieses Produkt?

Riedel: Die Rückmeldungen, die wir von unseren Mitgliedsunternehmen dazu erhalten, sind noch recht unterschiedlich. Aber es zeichnet sich ab, dass die Kalkulation der geförderten Pflegezusatzversicherung schnell 1.500 Personentage und mehr in Anspruch nehmen kann. Denn das neue Produkt ist ja aufgrund seiner Rahmenbedingungen – Mindestabsicherung von 600 Euro in Pflegestufe III bei gleichzeitigem Mindestbeitrag von insgesamt 15 Euro – wesentlich komplizierter zu kalkulieren als bisherige Pflegezusatzversicherungen. So etwas kennt die Branche bisher noch nicht.

In dem berechneten Arbeitsaufwand sind alle entscheidenden Abteilungen wie Mathematik, Informationstechnologie und Vertrieb inbegriffen. Noch nicht enthalten sind hingegen die Einrichtung und Abwicklung des Zulageverfahrens mit der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Wie viel Arbeit wird das noch nach sich ziehen?


Riedel: Da haben wir noch gar keine Angaben. Es ist noch unklar, wie viel Aufwand das mit sich bringt. Die Durchführungsverordnung regelt ja nur die grundlegenden Dinge. Welche Informationen im Detail von der Deutschen Rentenversicherung Bund gewünscht sind und wie die Datensätze konkret aussehen sollen, ist noch nicht bekannt. Insbesondere das Testen des Verfahrens wird sehr aufwändig werden. Ein wenig Erfahrung haben die Unternehmen zwar schon durch die Meldungen zur steuerlichen Abzugsfähigkeit der Krankenversicherungsbeiträge. Aber das hilft nur relativ wenig.

Wie werden sich angesichts dieses Aufwands die Verwaltungskosten entwickeln?

Riedel: Die Einrichtungskosten sind bei einem Produkt mit so vielen Besonderheiten zwar relativ hoch. Wenn die Prozesse aber erst einmal etabliert sind, gehen wir von sehr geringen Verwaltungskosten aus, weil dann alles automatisiert ablaufen wird. Unter dem Strich wird der Kostenanteil der neuen Tarife kleiner sein als in der klassischen Tarifwelt.

Die Rechtsverordnung, auf der die Kalkulation basiert, ist erst am 28. November verabschiedet worden. Dennoch werden Unternehmen das Produkt früh im neuen Jahr anbieten. Ist eine so rasche Kalkulation überhaupt möglich?

Riedel: Nein. Die Unternehmen, die die neue Versicherung im ersten Quartal 2013 anbieten werden, mussten bereits vorher mit der Arbeit beginnen. Sie sind also quasi im Vertrauen auf das Wort der Politik in Vorleistung getreten. Hätte sich im letzten Moment noch etwas Grundlegendes geändert, hätten sie viel Geld in den Sand gesetzt. Die späte Verabschiedung ist übrigens mit ein Grund dafür, dass nicht alle Unternehmen schon sofort mit dem neuen Produkt am Markt sein werden. Ein weiterer Grund ist die Kalkulation der Unisex-Tarife.

Die Unisex-Tarife gelten ja ab dem 21. Dezember. Wie gehen die Unternehmen mit dieser Doppelbelastung um?

Riedel: Das ist ohne Frage ein riesiger Kraftakt. Die Unternehmen müssen im Rahmen von Unisex ihre gesamte Produktwelt neu gestalten, alles muss neu kalkuliert werden – und zwar auch die Zusatzversicherungen. Insofern ist der Aufwand deutlich größer als etwa bei der 2009 notwendigen Neukalkulation im Rahmen der teilweisen Portabilität der Alterungsrückstellungen in den Volltarifen.

Können die Unternehmen auf externe Dienstleister zurückgreifen?

Riedel: Alles, was von den mathematischen Abteilungen geleistet wird – und das ist der Löwenanteil – müssen die Unternehmen mit Bordmitteln stemmen. Der Markt in diesem Bereich ist leergefegt. Vielleicht gibt es hier und da mal einzelne Berater, die den Unternehmen zuarbeiten können, aber viel ist das nicht.