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PKV PUBLIK AUSGABE 10/2012

TITEL

Grund zur Freude
Die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung entlastet die junge Generation


2013 startet die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung. Damit haben erstmals alle Menschen die Möglichkeit, sich gegen die drohende Finanzierungslücke im Fall der Pflegebedürftigkeit abzusichern.

 

Wenn am 1. Januar 2013 die staatlich geförderte private Pflegezusatzversicherung startet, ist das nicht weniger als ein historischer Schritt für das System der sozialen Sicherung in Deutschland. Denn sie zeugt von der Erkenntnis, dass in unserer alternden Gesellschaft das Umlageverfahren in der Sozialversicherung allein nicht ausreichen wird, um die Menschen hinlänglich vor den finanziellen Risiken einer Pflegebedürftigkeit zu schützen. Angesichts des steigenden finanziellen Bedarfs und der sinkenden Zahl von Beitragszahlern braucht unsere Gesellschaft mehr Demografie-Vorsorge, damit die Pflegeversicherung auf lange Sicht leistungsfähig bleibt.

Daher ist die Einführung der staatlich geförderten privaten Pflegezusatzversicherung Ausdruck einer vorausschauenden und generationengerechten Politik, die es vielen Menschen ermöglicht, sich ohne Risikoprüfung gegen eine drohende Verarmung im Pflegefall zu schützen. Durch die neue Zusatzversicherung haben erstmals alle erwachsenen Menschen einen Rechtsanspruch darauf, Finanzierungslücken zu schließen, die eine wachsende Zahl von Menschen bei Eintritt von Pflegebedürftigkeit betreffen werden. Dank unbürokratischer Rahmenbedingungen ist es zudem möglich, das neue Produkt zu besonders günstigen Bedingungen anzubieten.

Dass die geförderte Pflegezusatzversicherung bereits im ersten Quartal 2013 angeboten werden kann, ist mit einem enormen Kraftakt der Versicherungsunternehmen verbunden. Denn die rechtlichen Rahmenbedingungen standen erst denkbar spät fest. So wurde die Durchführungsverordnung, auf der die Kalkulation der neuen Tarife beruht, erst am 28. November von der Bundesregierung verabschiedet. Um die Entwicklung der neuen Versicherung nicht erst nach diesem Termin zu beginnen, haben viele Unternehmen die Tarifkalkulation bereits im Vorfeld und in gutem Glauben an die Ankündigungen der Politik durchgeführt – mit dem Risiko, unzählige Arbeitsstunden und finanzielle Ressourcen umsonst zu investieren. Glücklicherweise hat die Koalition keine Änderungen in der Verordnung mehr vorgenommen, so dass die ersten Unternehmen die neue Versicherung ab Januar 2013 anbieten werden. Damit hat die Versicherungsbranche einen großen Beitrag dazu geleistet, dass möglichst viele Menschen von dem neuen Produkt profitieren können.

Die Geförderte Ergänzende Pflegezusatzversicherung (GEPV) bietet allen die Chance, Hilfebedürftigkeit im Pflegefall zu verhindern, die eigene Rente zu schonen und einen Rückgriff auf Zahlungspflichten ihrer Angehörigen zu vermeiden. Insbesondere junge Menschen und Geringverdiener profitieren dabei von den vergleichsweise günstigen Monatsbeiträgen. Damit ist die neue Versicherungsform ein wichtiger Baustein zur Entlastung zukünftiger Generationen.


Pflegepflichtversicherung – eine Teilkaskoversicherung

Den meisten Menschen ist bisher nicht bewusst, dass die Pflegepflichtversicherung lediglich eine Art Teilkaskoversicherung ist. Schon heute sind viele pflegebedürftige Menschen trotz bestehender Pflegepflichtversicherung nicht in der Lage, für ihre Pflegekosten allein aufzukommen. Einschneidende Veränderungen durch die stetige Alterung unserer Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten kommen erschwerend hinzu.

Die Kosten für eine Unterbringung im Heim bei Pflegestufe III betragen heute im Bundesdurchschnitt bei vollstationärer Pflege 3.236,69 Euro pro Monat. Die Pflegepflichtversicherung leistet in dieser Stufe allerdings nur 1.550 Euro. Damit bleibt ein Eigenanteil von 1.686,69 Euro, der aus eigener Tasche zu bezahlen ist.

Im Leistungsfall schließt der Versicherte die vorhandene Lücke zunächst aus eigenen Mitteln, zum Beispiel aus seiner Rente. Kann der Versicherte die Pflegekosten nicht selbst tragen, haften die Eltern oder Kinder. Erst in letzter Instanz können staatliche Pflegehilfen beantragt werden. Schon heute kann fast jeder fünfte Pflegebedürftige seine Pflegekosten nicht alleine tragen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Betroffenen im Jahr 2010 um etwa 5 Prozent auf 411.000 Pflegebedürftige an. Bei insgesamt 2,3 Millionen Pflegefällen waren das 17,9 Prozent.

Demografischer Wandel führt zur Verschärfung des Problems

Ohne zusätzliche Vorsorge wird aufgrund des demografischen Wandels die Zahl der Personen, die von der Finanzierungslücke betroffen sind, in den kommenden Jahrzehnten stark wachsen. So wird sich der Anteil der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von 5 Prozent auf 14 Prozent im Jahr 2060 fast verdreifachen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, pflegebedürftig zu werden. So beträgt die Pflegewahrscheinlichkeit in der Gruppe der 85-90-Jährigen heute rund 35 Prozent.

In absoluten Zahlen bedeutet diese Entwicklung in den kommenden 40 Jahren fast eine Verdopplung der Zahl der Pflegebedürftigen von heute 2,4 Millionen auf 4,5 Millionen. Damit werden auch mehr Menschen von der Finanzierungslücke in der Pflegepflichtversicherung betroffen sein.

Hinzu kommt, dass das Netto-Rentenniveau durch verschiedene Reformen bis zum Jahr 2030 allmählich auf bis zu 43 Prozent des letzten Durchschnittseinkommens absinken wird. Dadurch stehen den Menschen weniger Eigenmittel zur Verfügung, um die Finanzierungslücke im Pflegefall schließen zu können. Das Problem wird sich dadurch zusätzlich verschärfen.

Zudem verlieren Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung durch die Inflation an realem Wert. Zwar ist vorgesehen, dass die Entwicklung des Realwerts der Pflege-Leistungen in regelmäßigen Abständen überprüft wird und diese unter Umständen angepasst werden. Es ist jedoch kaum damit zu rechnen, dass der Realwertverlust dadurch komplett ausgeglichen wird.

Bisherige Möglichkeiten zur Vorsorge werden kaum genutzt

Schon bisher ist es möglich, sich gegen die Finanzierungslücke in der gesetzlichen Pflegeversicherung mit einer zusätzlichen privaten Pflegetagegeld- oder Pflegekostenversicherung zu schützen. Zwar haben in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Doch bislang besitzen nur rund 1,88 Millionen Personen einen solchen Zusatzschutz zur Pflegepflichtversicherung. Angesichts von rund 79 Millionen Menschen in der Pflegepflichtversicherung ist dies ein sehr geringer Wert, zumal mit Blick auf die beständige Alterung der Gesellschaft und die damit einhergehende Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen.

Deswegen ist es wichtig, dass Pflegezusatzversicherungen eine weitere Verbreitung als bisher finden. Die neue staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung ist dafür genau das richtige Instrument. Denn erstens machen es die unbürokratischen gesetzlichen Rahmenbedingungen möglich, die neue Versicherung zu geringen Beiträgen anzubieten. Zweitens ermöglicht es die staatliche Förderung, dass sich mehr Menschen mit geringem Einkommen absichern können. Und schließlich ist diese Zulage gleichzeitig eine Art staatliches Qualitätssiegel. Denn es können nur diejenigen Verträge gefördert werden, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Leistungen haben einen Mindestumfang

So ist genau definiert, wie hoch die Leistungen aus der neuen Zusatzversicherung mindestens sein müssen: Damit der Versicherungsvertrag förderfähig ist, muss er ein Pflegemonatsgeld für alle Pflegestufen von 0 bis III vorsehen, auf jeden Fall jedoch eine Mindestleistung von 600 Euro in Pflegestufe III. In der Pflegestufe I beträgt das Monatsgeld mindestens 20 Prozent und in Pflegestufe II mindestens 30 Prozent der Summe von Pflegestufe III. Besteht eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz (die sogenannte Pflegestufe 0), beträgt das Pflegemonatsgeld mindestens 10 Prozent der Leistungen in Pflegestufe III.

Die Versicherungsunternehmen können natürlich auch höhere Leistungen in ihren Tarifen anbieten. Der Höchstbetrag darf laut Gesetz aber die Höhe der bei Vertragsabschluss geltenden Leistungen aus der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung bei Pflegestufe III nicht überschreiten. Anspruch auf die vereinbarten Leistungen besteht nach einer Wartezeit von maximal fünf Jahren nach Vertragsschluss

 

Anspruch auf die Versicherung

Anspruch auf Abschluss der geförderten Pflegezusatzversicherung hat jeder, der in der sozialen bzw. der privaten Pflegepflichtversicherung versichert ist, sofern er das 18. Lebensjahr vollendet hat und bei Vertragsabschluss noch keine Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung bezieht. Es gibt keine Altersgrenze nach oben. Für die Versicherungsunternehmen gilt Annahmezwang, etwaige Vorerkrankungen dürfen für den Vertragsabschluss nicht abgefragt werden und haben daher keinen Einfluss auf das Zustandekommen des Vertrages, den Versicherungsumfang oder die Beitragshöhe. Dies bedeutet konkret, dass Menschen, die bisher aufgrund bestimmter Erkrankungen keine Pflegezusatzversicherung abschließen konnten, von der neuen Vorsorgemöglichkeit profitieren können.

Beitragshöhe und Förderung

Die Höhe der Beiträge richtet sich nach dem vereinbarten Pflegemonatsgeld und dem Lebensalter des Versicherten bei Vertragsabschluss. Der Beitrag ist für Männer und Frauen gleich hoch. Jüngere Versicherte können für den gleichen Beitrag eine höhere Leistung versichern als ältere Versicherte. Damit die Versicherung förderfähig ist, muss der Eigenbeitrag des Versicherungsnehmers mindestens 10 Euro betragen. Die staatliche Zulage beträgt immer 5 Euro pro Monat.

Um einen zukünftigen Wertverlust des vereinbarten Pflegetagegeldes zu verhindern, können die Versicherungsverträge vorsehen, dass das Pflegegeld in Höhe der jährlichen Inflationsrate dynamisiert wird. Entscheidet sich der Versicherte für eine solche Dynamisierung, wird auch der Beitrag jeweils entsprechend angepasst.

Da die Höhe der Prämie vom Lebensalter bei Vertragsschluss abhängt, kann es vorkommen, dass jüngere Versicherte für ihren Mindestbeitrag von 15 Euro eine Leistung angeboten bekommen, die über das gesetzliche Mindestmaß von 600 Euro in Pflegestufe III hinausgeht. Umgekehrt wird es bei älteren Versicherten so sein, dass sie einen höheren Eigenanteil als die für die Förderfähigkeit notwendigen 10 Euro zahlen müssen, um auf die vorgeschriebene Mindestleistung von 600 Euro in Pflegestufe III zu kommen.

Erhebliche staatliche Zulagen


Die staatliche Zulage von 5 Euro pro Monat in der geförderten Pflegezusatzversicherung entspricht einer Förderquote von bis zu 33 Prozent des Beitrags (5 Euro Zuschuss bei 15 Euro Mindestbeitrag). Diese Förderquote ist höher als bei anderen staatlich geförderten Vorsorgeinstrumenten. Insbesondere für jüngere Versicherte ist die geförderte private Pflegezusatzversicherung damit eine preiswerte Möglichkeit der Vorsorge, weil sie die kapitalgedeckten Rückstellungen für den Pflegefall über einen sehr langen Zeitraum aufbauen können. Wer die neue Pflegezusatzversicherung bereits in jungen Jahren abschließt, wird am ehesten die prozentuale Förderung von 33 Prozent des Eigenbeitrags erhalten und sogar noch einen Leistungsanspruch haben, der über die gesetzlich definierten Rahmenbedingungen hinausgeht. Je später man mit der Vorsorge anfängt und je älter man beim Beginn der Pflegezusatzversicherung ist, desto höher sind naturgemäß die erforderlichen Eigenbeiträge, weil der verbleibende Zeitraum zum Aufbau der nötigen Kapitalreserven entsprechend kürzer ist.

Je mehr Menschen die geförderte Pflegezusatzversicherung abschließen, desto größer ist ihre Bedeutung für die Entlastung der zukünftigen Generationen. Noch sind die dramatischen Auswirkungen, die der demografische Wandel auf unsere sozialen Sicherungssysteme in wenigen Jahrzehnten haben wird, längst nicht jedem bewusst. Wenn die neue Versicherung dazu beiträgt, dieses Bewusstsein in den Köpfen der Bürger zu stärken, wäre schon viel gewonnen.