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PKV PUBLIK AUSGABE 09/2012

TITEL

Neuer Trend: betriebliche Krankenversicherung
Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Zusatzleistungen an


Die betriebliche Krankenversicherung bringt nicht nur den Arbeitnehmern Vorteile durch besseren Versicherungsschutz. Sie ist auch ein gutes Instrument für Unternehmen bei der Werbung um qualifizierte Arbeitskräfte.

 

Die betriebliche Krankenversicherung erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Viele Unternehmen zählen das Angebot einer zusätzlichen Gesundheitsvorsorge zu den wichtigsten Zusatzleistungen für ihre Angestellten (siehe Grafik auf Seite 7). Und auch den Arbeitnehmern ist diese Form der Absicherung gegen Krankheitsrisiken oft wichtiger als andere Zusatzleistungen des Arbeitgebers wie etwa Tickets für den Personennahverkehr oder Mobiltelefone. Damit ist die betriebliche Krankenversicherung nicht zuletzt ein wichtiges Instrument bei der Werbung um qualifizierte Arbeitskräfte. Angesichts der demografischen Entwicklung ist dies ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Denn Deutschland ist bei der Geburtenrate erneut das Schlusslicht unter den Industrieländern. Das Statistische Bundesamt ermittelte jüngst, dass die Geburtenziffer im Jahr 2011 auf 1,36 Kinder pro Frau gesunken ist. Der demografische Wandel in Deutschland hat nicht nur massive Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, sondern auch auf unsere Sozialversicherungssysteme. Denn in einer alternden Gesellschaft werden immer weniger junge für immer mehr ältere Menschen aufkommen müssen. Das hat zur Folge, dass die umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme zwangsläufig an ihre Grenzen stoßen werden. Auch die Politik hat das Problem erkannt und ergreift entsprechende Initiativen: Beispiele dafür sind der staatlich geförderte Ausbau der privaten Altersvorsorge in der sogenannten Riester-Rente, die jüngst beschlossene kapitalgedeckte private Pflegezusatzversicherung oder der Demografiegipfel der Bundesregierung.

Die schrumpfende Bevölkerung in Deutschland hat aber auch Auswirkungen auf die Zahl der Erwerbstätigen, die laut Prognosen bis zum Jahr 2050 um ein Drittel abnehmen könnte. Das Thema Fachkräftesicherung wird damit in den nächsten Jahren eine der großen Herausforderungen für Betriebe in Deutschland, denn gut ausgebildete und engagierte Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource eines jeden Unternehmens.

Wettbewerb um Fachkräfte


Ob Unternehmen qualifizierte Fachkräfte anwerben und dauerhaft an sich binden können, hängt in Zukunft immer stärker davon ab, welche Zusatzleistungen die Betriebe ihren Mitarbeitern anbieten. Dazu zählt auch ein betriebliches Krankenversicherungsangebot für die Belegschaft. Die Unternehmen signalisieren damit, dass sie die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter ernst nehmen und sich um deren gesundheitliche Versorgung kümmern. Ein Vorteil für die Mitarbeiter ist, dass die betriebliche Krankenversicherung wesentliche Einschnitte der gesetzlichen Krankenkasse ausgleichen kann. Da aufgrund der demografischen Entwicklung anzunehmen ist, dass die Versorgungslücken in den gesetzlichen Krankenkassen weiter zunehmen werden, wird es für Arbeitnehmer immer wichtiger, eine zusätzliche Krankenversicherung abzuschließen. Die betriebliche Krankenversicherung als eine von zahlreichen Zusatzleistungen gewinnt damit immer mehr an Bedeutung.

Ein neues Produkt mit Wachstumspotenzial


Betriebliche Krankenversicherungen sind noch relativ neu auf dem Markt, gelten aber schon jetzt als ein zukunftsträchtiges Versorgungssystem. Doch im Gegensatz zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) ist die betriebliche Krankenversicherung (bKV) noch nicht so bekannt und verbreitet. Nach Einschätzung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group bieten bisher nur 15 bis 20 Prozent der großen mittelständischen Unternehmen ihren Angestellten entsprechende Versicherungsprodukte an. Da alle Beteiligten gleichermaßen einen großen Nutzen von einem solchen Angebot haben, wird der betrieblichen Krankenversicherung in den nächsten Jahren jedoch ein hohes Wachstumspotenzial zugeschrieben. Zumal sie hinsichtlich der arbeitgeberfinanzierten Leistungen einen wesentlich günstigeren Einstieg ermöglicht als das Angebot einer betrieblichen Altersvorsorge.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer profitieren gleichermaßen


So können Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern dieses Zusatzangebot machen, ihre Attraktivität im Wettbewerb um qualifizierte Leistungsträger erheblich erhöhen. Deshalb setzen auch immer mehr Firmen auf den Einsatz der betrieblichen Krankenversicherung als ein wirkungsvolles Instrument des Personalmarketings, das sich ohne hohen Kosten- und Verwaltungsaufwand bei der Bindung bestehender Fachkräfte und der Suche nach neuen qualifizierten Mitarbeitern einsetzen lässt. Für die Arbeitnehmer sind zwar nach wie vor das Gehalt und die Arbeitsbedingungen ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers. Doch zusätzliche Anreize des Betriebes wie Altersvorsorge, Weiterbildung oder flexible Arbeitszeiten, aber insbesondere Zusatzangebote rund um das Thema Gesundheit spielen eine immer größere Rolle.

Krankheitstage und Frühverrentung senken

Außerdem stellt das Unternehmen durch das Angebot einer betrieblichen Krankenversicherung eine verbesserte medizinische Versorgung seiner Mitarbeiter sicher. So können krankheitsbedingte Ausfallzeiten und Frühverrentungen reduziert beziehungsweise vermieden werden, durch die dem Unternehmen erhebliche Kosten entstehen würden.

Gleichzeitig liegen eine effiziente Heilbehandlung und eine schnelle Genesung vor allem auch im Interesse der Mitarbeiter. Diese wissen den Wert und den Nutzen einer betrieblichen Krankenversicherung spätestens im Leistungsfall zu schätzen, wenn sie beispielsweise von dem zusätzlichen Angebot der Vorsorgeuntersuchungen oder der Behandlung als Privatpatient im Krankenhaus profitieren können.

Sonderkonditionen durch Gruppenverträge


Eine Aufnahme in die betriebliche Krankenversicherung erfolgt für die Arbeitnehmer in den meisten Fällen ohne weitere Gesundheitsprüfungen und lange Wartezeiten. Das hat für viele Versicherte den Vorteil, dass sie auch dann eine sehr gute gesundheitliche Versorgung erhalten, wenn sie bisher aufgrund ihrer Vorerkrankungen eine private Zusatzkrankenversicherung nicht oder nur nach Vereinbarung von Risikozuschlägen abschließen konnten.

Werden von Seiten des Versicherers Informationen zum Gesundheitszustand des Mitarbeiters erhoben, werden diese Angaben selbstverständlich streng vertraulich behandelt. Sensible Gesundheitsdaten werden ausschließlich zwischen Versicherungsunternehmen und Versicherten ausgetauscht und können keinesfalls vom Arbeitgeber eingesehen werden.

Bei den meisten Anbietern besteht außerdem der Vorteil, dass die Versicherten ihre Verträge nach einem Arbeitgeberwechsel oder beim Eintritt in die Rente als Einzelversicherungspolice weiterführen können. Da der Arbeitgeber die Versicherung nur für die Dauer der Betriebszugehörigkeit finanziert, ist es jedoch für die Versicherten ratsam, vor Vertragsabschluss darauf zu achten, dass der Anbieter diese Möglichkeit vorsieht und das Versicherungsverhältnis auch tatsächlich nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen fortgesetzt werden kann.

Flexible Kombiangebote mit hohem Nutzen

Das Leistungsspektrum einer betrieblichen Krankenversicherung entspricht in der Regel weitgehend dem der etablierten Privaten Krankenversicherung und kann flexibel an das jeweilige Unternehmen angepasst werden. Zu den Bausteinen, aus denen die Unternehmen wählen können, zählen zum Beispiel die Zahnzusatzversicherung, Zusatzversicherungen im ambulanten Bereich oder Krankenhaus sowie Krankentagegeld- oder Auslandskrankenversicherungen. Am häufigsten werden Zahnzusatzversicherungen abgeschlossen, gefolgt von besseren Krankenhausversorgungsangeboten sowie Maßnahmen, die die gesetzlichen Krankenkassen nicht oder nicht mehr zahlen. Der Arbeitgeber kann sich seinem Budget und seinen Präferenzen entsprechend für Kombiprodukte entscheiden.

In der Regel schließt bei der betrieblichen Krankenversicherung der Arbeitgeber mit einem Versicherungsunternehmen seiner Wahl einen Gruppen- oder Rahmenversicherungsvertrag ab, dem der einzelne Mitarbeiter als Versicherungsnehmer beitreten kann. Die entstehenden Kosten für diese zusätzliche Versicherung können vom Arbeitgeber entweder in vollem Umfang getragen werden oder er beteiligt sich mit Zuschüssen. Die Aufwendungen des Arbeitgebers sowie die Beiträge zur betrieblichen Krankenversicherung fallen unter die Betriebsausgaben und sind damit steuerlich abzugsfähig. Deshalb wird eine betriebliche Krankenzusatzversicherung von Unternehmen gerne auch als sinnvolle Alternative zu einer Gehaltserhöhung angesehen.

 

Ebenso besteht alternativ die Möglichkeit, dass das Unternehmen einen Gruppentarifvertrag anbietet, bei dem die Beiträge von den Arbeitnehmern komplett alleine getragen werden. Voraussetzung für die Gewährung von Sonderkonditionen ist in aller Regel eine Mindestanzahl von Versicherten beziehungsweise die Erfüllung einer bestimmten Versichertenquote innerhalb der Belegschaft. Oft bieten solche Krankenversicherungsverträge auch die Möglichkeit, dass Angehörige der Versicherten ebenso von den Vorteilen profitieren und mit abgesichert sind.

Da der Bundesfinanzhof 2011 in einem Urteil festgelegt hat, dass Versicherungsbeiträge steuer- und sozialabgabenfrei sind, wenn sie eine vom Arbeitgeber als Sachbezug gewährte Summe von 44 Euro monatlich nicht überschreiten, ist diese Form der Zusatzversicherung besonders interessant für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Das wachsende Interesse an der betrieblichen Krankenversicherung zeigt nicht zuletzt, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Eigenverantwortung Lösungsmöglichkeiten für eine zusätzliche Absicherung im Krankheitsfall finden können, die Vorteile für alle Beteiligten bieten. Und das komplett ohne gesetzliche Vorschriften und Regulierungen. Das sollten vor allem diejenigen bedenken, die ein einheitliches Krankenversicherungssystem in Deutschland fordern. Denn maßgeschneiderte Lösungen lassen sich immer nur nach individuellen Präferenzen und nicht nach staatlicher Verordnung finden.

 

Weitere Informationsmaterialien:

Grafiken zur Bedeutung der betrieblichen Krankenversicherung als PDF-Download (PDF-Dokument, 395.1 KB).