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PKV PUBLIK AUSGABE 09/2012

EDITORIAL


Liebe Leserinnen und Leser,

nach einem soliden Wachstum der Privaten Krankenversicherung im Jahr 2011, für das nun die abschließende Gesamtbilanz vorliegt, ist das Jahr 2012 für die Branche mit einigen Herausforderungen verbunden: Die vom Europäischen Gerichtshof veranlasste Einführung von Unisex-Tarifen zum 21. Dezember 2012 führt zu einer spürbaren Verunsicherung über mögliche Auswirkungen auf ihre zukünftigen Versicherungstarife und deren Kosten. Durch die lange Unklarheit über die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Einführung der Unisex-Tarife wurde diese abwartende Haltung noch verstärkt.

Im ersten Halbjahr 2012 gab es zudem eine beispiellose Welle überaus kritischer Medienberichte über die Private Krankenversicherung (PKV), die ebenfalls zu einer Verunsicherung vieler Verbraucher geführt hat. Auslöser waren vor allem Beitragsanpassungen in einigen sogenannten Billigtarifen, die in den Schlagzeilen oft zugespitzt und pauschalisiert wurden. Mehrere große Versicherer haben 2012 den Vertrieb dieser umstrittenen Tarife eingestellt, was mit entsprechend weniger Neuzugängen insbesondere von Selbstständigen verbunden ist.

Trotz dieses schwierigen Umfelds haben sich auch im ersten Halbjahr 2012 wieder mehr Menschen für einen Wechsel aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die PKV entschieden, als umgekehrt in die GKV gewechselt sind. Der Saldo ist also unverändert positiv für die PKV. Das belegt das dauerhaft große Interesse der Menschen an den attraktiven Angeboten der Privaten Krankenversicherung. Dies gilt umso mehr, als jeder Wechsel in die PKV freiwillig erfolgt, während die allermeisten Wechsel in die GKV aus gesetzlichem Zwang stattfinden.

Im ersten Halbjahr 2012 verzeichnet die PKV insgesamt nach wie vor einen Netto-Zuwachs. Die Zahl der Verträge stieg netto um 71.000 auf insgesamt 31,55 Millionen. In der Krankenvollversicherung ist der Bestand im ersten Halbjahr 2012 verglichen zum Jahresende 2011 annähernd stabil: Die Zahl der privat Vollversicherten betrug zum 30. Juni 2012 rund 8,96 Millionen Personen, das sind 0,2 Prozent oder 15.300 Personen weniger als zum Jahresende 2011. Angesichts des bewussten Verzichts auf Neuzugänge in Billigtarifen sowie des überaus kritischen Medienechos in diesem Zeitraum ist dies ein respektables Ergebnis.

Bei den Zusatzversicherungen wurden bis Mitte 2012 netto 86.300 neue Policen abgeschlossen. Das liegt zwar etwas unter der Zahl von 118.700 im entsprechenden Vorjahreszeitraum, ist aber ebenso durch das Abwarten vieler Kunden auf die neue Unisex-Tarifwelt zu erklären. Insgesamt stieg die Zahl an Zusatzversicherungen im ersten Halbjahr 2012 auf 22,6 Millionen an. Damit hält der Trend zu mehr privater Vorsorge an, um den Leistungsumfang der Gesetzlichen Krankenversicherung aufzustocken.

Volker Leienbach