• Vorlesen
  • A A A

PKV PUBLIK AUSGABE 08/2012

GESUNDHEIT

Regierung verbessert die Früherkennung von Krebs
Privatversicherte erhalten in Zukunft Einladungen zu neuen Untersuchungsprogrammen

Klinische Krebsregister sollen flächendeckend zur Verbesserung der Versorgung eingeführt werden. Der Verband der Privaten Krankenversicherung bestimmt deren Organisation und Ausstattung mit.

 

Die Zahl der an Krebs erkrankten Menschen in Deutschland steigt beständig an. Mittlerweile sind rund 470.000 Menschen jährlich betroffen. Nahezu die Hälfte der Erkrankten verstirbt. Damit ist Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Zur Verbesserung der Krebsbekämpfung in Deutschland hatte das Bundesgesundheitsministerium im Jahr 2008 den Nationalen Krebsplan ins Leben gerufen. An diesem Kooperationsprogramm waren mehr als 20 Organisationen und 100 Expertinnen und Experten beteiligt, darunter der Verband der Privaten Krankenversicherung. Der Entwurf eines Krebsfrüherkennungs- und -registergesetzes, der von der Bundesregierung Ende August beschlossen wurde, setzt wichtige Teile des Nationalen Krebsplans um.

Ein wichtiges Ziel des Nationalen Krebsplanes war es, die Früherkennung in Deutschland weiterzuentwickeln und zu verbessern. International wird empfohlen, Früherkennungsuntersuchungen als organisierte Programme durchzuführen. Im Unterschied zu bestehenden Angeboten der Krebsfrüherkennung wird in organisierten Programmen ein vorher bestimmter Personenkreis zu den Untersuchungen explizit eingeladen. Zudem werden die Qualität und der Erfolg der Programme durchgehend überprüft.

Ein solches organisiertes Früherkennungsprogramm gibt es in Deutschland bereits: Das Mammografie-Screening. Es orientiert sich an europäischen Leitlinien. Weitere europäische Leitlinien gibt es für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs und Darmkrebs. Vor diesem Hintergrund sollen die in diesen Bereichen bereits bestehenden Vorsorgeangebote in organisierte Untersuchungsprogramme überführt werden.

Privatversicherte haben Anspruch auf gesetzlich eingeführte Vorsorgeprogramme, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss Richtlinien dazu erlassen hat. Die neuen Programme fallen unter diese Regelung, so dass auch Privatversicherte zukünftig Einladungen zu den neuen Untersuchungsprogrammen erhalten werden. Erfreulich ist, dass der PKV-Verband seinen Sachverstand bei der Erarbeitung der entsprechenden Richtlinie einbringen kann: Erstmals kann er mitwirken bei der Festlegung von Inhalten, Zielgruppen, Untersuchungsmethoden, Altersgrenzen und den notwendigen Maßnahmen der Qualitätssicherung.

Der Gesetzentwurf sieht weiterhin die Einrichtung klinischer Krebsregister auf Landesebene vor. In klinischen Registern werden alle wichtigen Daten erfasst, die im Laufe einer Krebserkrankung und ihrer Behandlung anfallen. Bisher gibt es derartige Register nur in wenigen Bundesländern. Eine bundesweit flächendeckende klinische Krebsregistrierung ist wichtig, um die Qualität der Versorgung zu verbessern und um Erkenntnisse über den Nutzen von Therapien zu gewinnen.

Krebspatientinnen und Krebspatienten profitieren – unabhängig vom Versicherungsstatus – von einer fla¨chendeckenden klinischen Krebsregistrierung: Sie können sich sicher sein, dass ihre Behandlung von unabha¨ngigen Fachleuten gepru¨ft und die am besten geeignete Therapie gewählt wird. Beispielsweise wird der Qualita¨tsvergleich zwischen Einrichtungen gezielt gefo¨rdert, damit sich die Einrichtungen an den Besten orientieren und weiterentwickeln ko¨nnen. Zudem werden die Daten aus der klinischen Krebsregistrierung in der Forschung verwendet.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass jeder Kontakt eines Krebspatienten zu einem Arzt oder Krankenhaus in Zukunft in einem klinischen Krebsregister erfasst wird. Eine möglichst flächendeckende Erfassung der Krebserkrankungen ist wichtig, damit die Daten aussagekräftig sind. Die an klinische Krebsregister u¨bermittelten Daten werden übrigens bereits heute im Rahmen der Behandlung erhoben und dokumentiert. Lediglich die U¨bermittlung an die Register für Auswertungszwecke ist neu. Die Einwilligung des Patienten muss vor einer Übermittlung der Daten selbstverständlich immer eingeholt werden.

Die Finanzierung soll über eine fallbezogene Pauschale in Höhe von 94 Euro erfolgen, die die gesetzlichen Krankenkassen an das jeweils zuständige klinische Krebsregister zahlen. Die privaten Krankenversicherungsunternehmen werden sich freiwillig an der Finanzierung beteiligen: Sie haben sich bereiterklärt, Krebspatienten die Krebsregisterpauschale und die Meldeaufwandsentschädigung entsprechend den Bedingungen des individuellen Versicherungsvertrages zu erstatten.

Durch die Beteiligung an der Finanzierung erhält der Verband der Privaten Krankenversicherung die Möglichkeit, an der Erarbeitung der Fördervoraussetzungen der Krebsregister mitzuwirken. Er kann zusammen mit anderen Organisationen unter anderem festlegen, wie die sachgerechte Organisation und Ausstattung der Register aussehen sollen und welche Verfahren notwendig sind, damit die Qualität der Krebsbehandlung verbessert werden kann, zum Beispiel indem die erhobenen Daten unmittelbar am Krankenbett zur Verfügung stehen.

Es gibt auch bereits Beispiele für Erfolge klinischer Krebsregistrierung. Bei Brustkrebsoperationen wurden zum Beispiel früher oft sa¨mtliche Lymphknoten in der Achsel entfernt. Patientinnen haben nach einem solchen Eingriff große Beschwerden, da sich die Lymphflu¨ssigkeit im Arm staut. Aus Krebsregisterdaten weiß man, dass diese radikale Lymphknotenentfernung nicht immer erforderlich ist. Das hat dazu geführt, dass die Fachgesellschaften die entsprechende Leitlinie angepasst haben – und Ärzte heute weniger radikal operieren. Die Lebensqualität der Betroffenen ist dadurch deutlich besser als früher.