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PKV PUBLIK AUSGABE 08/2012

GASTBEITRAG

Die Pflegebranche braucht Ausbildung, Qualifizierung und Zuwanderung

Die Zukunft der Pflege geht uns alle an. Denn Altern und Pflege gehören zum Leben und in die Mitte der Gesellschaft. Doch mit dem demografischen Wandel kommt auch ein dramatischer Fachkräftemangel im Pflegebereich auf uns zu. Von Thomas Greiner

 

Das Thema Pflege wird häufiger von der Kostenseite diskutiert, als von der Frage ausgehend, wer tut es. Wer wird uns also zukünftig pflegen, wenn in unserer Gesellschaft immer weniger junge Menschen leben? Noch ist das Angebot an Pflegeleistungen breitgefächert und qualitativ hochwertig. Deutschland verfügt über eine hervorragende Struktur an Einrichtungen vor Ort. Dies sollte uns jedoch nicht über die Tatsache hinweg täuschen, dass bereits heute laut einer Erhebung der Bundesagentur für Arbeit bundesweit 40.000 Fachkräfte in der Altenpflege fehlen.

Von einem Notstand sind wir nur noch um Haaresbreite entfernt. Denn bis zum Jahr 2020 werden wir nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) weit mehr als 75.000 zusätzliche Fachkräfte in der Altenpflege benötigen. Wo aber sollen diese vielen pflegenden Hände herkommen? Derzeit erlernen 56.600 junge Menschen bundesweit den Beruf des Altenpflegers in der Erstausbildung. Das ist jedoch angesichts des steigenden Bedarfs wenig.

Pflegeeinrichtungen müssen daher vor Ort um Schulabgänger werben. In Form von „Schnupper-Praktika“ bieten schon heute viele Altenheime einen Einblick in den Alltag einer Senioreneinrichtung. Die Ausbildungs- und Arbeitsplätze, die dort geboten werden, lassen sich nicht ins Ausland verlagern oder von der Konjunktur beeinflussen. Es handelt sich also um krisenfeste Arbeitsplätze, für die es sich zu werben lohnt. Und nicht zuletzt handelt es sich um einen abwechslungsreichen und attraktiven Beruf, der mit durchschnittlich 2.400 Euro besser bezahlt wird, als landläufig bekannt.

Auch von Seiten der Politik tut sich einiges. Eine neue Gesetzesverordnung sieht nun etwa vor, dass erfahrene Pflegehilfskräfte, ohne Berufsausbildung in der Altenpflege, in einer verkürzten Weiterbildung zum Berufsabschluss geführt werden können. Angesichts von zehntausenden Pflegehelfern, denen damit die Möglichkeit zur Qualifikation und damit auch zu einer Gehaltssteigerung ermöglicht wird, ein Signal in die richtige Richtung. Auch die Finanzierung des dritten Jahres bei Umschulungsmaßnahmen für arbeitslose Menschen und Neueinsteiger in den Beruf wird nun zukünftig wieder durch die Bundesagentur für Arbeit finanziert. Damit erhalten auch Arbeitssuchende, die eine Umschulung in einen Pflegeberuf anstreben, wieder eine finanzielle Rechtssicherheit und damit eine langfristige Perspektive geboten.

Diese wichtigen Weichenstellungen innerhalb Deutschlands werden jedoch nicht ausreichen. Ohne eine qualifizierte Zuwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften aus EU- und Nicht-EU-Staaten, werden wir den Bedarf an Pflege- und Betreuungskräften nicht decken können. Dafür darf es jedoch keine zusätzlichen Hürden einer umfänglichen Sprachprüfung oder aber der 12-jährigen Schulbildung als Zugangsvoraussetzung zur Berufsausbildung, wie von der EU gefordert, geben. Eine Greencard für zuwanderungswillige Altenpflegerinnen und Altenpfleger könnte ein Modell sein. Als Verband werden wir in wenigen Monaten ein Pilotprojekt mit 150 chinesischen Pflegefachkräften in Deutschland starten. Denn ob eine liebevoll pflegende Hand aus Deutschland, Polen oder China stammt, ist letztlich egal. Allein die Zuwendung, die Beherrschung der deutschen Sprache und die Pflegequalität müssen stimmen.