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PKV PUBLIK AUSGABE 08/2012

EDITORIAL


Liebe Leserinnen und Leser,

das Thema demografischer Wandel wird dieser Tage wieder breit in der Öffentlichkeit diskutiert. Das ist richtig so. Denn es gibt wohl keine gesellschaftliche Herausforderung, die so gut vorhersagbar und gleichzeitig so schwierig zu bewältigen ist wie die langsame aber stetige Alterung unserer Gesellschaft. Die meisten Menschen hierzulande sind in sozialen Systemen abgesichert, die keinerlei Rücklagen bilden. Wenn nun im Laufe der Zeit immer weniger erwerbstätige Menschen eine wachsende Zahl von älteren Menschen mitfinanzieren müssen, werden diese Systeme über kurz oder lang in eine gefährliche Schieflage geraten.

Umso erfreulicher ist es, dass sich die Politik in jüngster Zeit dieser Herausforderung verstärkt stellt. Erst vor wenigen Tagen hat die Bundesregierung ihren Demografiegipfel veranstaltet, auf dem verschiedene Lösungsansätze für das Problem der alternden Bevölkerung in unserem Lande diskutiert wurden. Zudem wurde mit der staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung eine wichtige Weiche in die richtige Richtung gestellt.

Auch wir haben der demografischen Entwicklung in diesem Heft ein Schwerpunktthema gewidmet. In der Titelgeschichte geht es zunächst um die möglichen Folgen für die Gesellschaft allgemein und das Gesundheitssystem im Besonderen. Zudem lassen wir den renommierten Bevölkerungswissenschaftler Professor Herwig Birg zu Wort kommen. Außerdem stellen wir einige Ergebnisse einer Krankenkassenstudie richtig, in der behauptet wird, der demografische Wandel führe kaum zu steigenden Kosten.

Die gute Nachricht ist dabei, dass die Spitzen der demografischen Entwicklung erst in einigen Jahrzehnten erreicht sein werden. Es ist also noch Zeit, die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest zu gestalten. Umso verwunderlicher ist es da, dass einige Parteien nach wie vor vehement ein Einheitssystem im Gesundheitswesen fordern. Denn ein solches würde die demografischen Herausforderungen sogar noch verschärfen. Heute sorgen die rund 9 Millionen Privatversicherten selbst für ihre im Alter steigenden Gesundheitskosten vor. Mit ihren Rücklagen sind sie also nicht von den Folgen der alternden Bevölkerung betroffen. Die Private Krankenversicherung ist damit ein Teil der Lösung der demografischen Herausforderung. Wer sie in ihrer heutigen Form abschaffen will, bürdet der jungen Generation sehenden Auges zusätzliche Lasten auf.

Volker Leienbach