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PKV PUBLIK AUSGABE 07/2012

TITEL

Ein starkes Netzwerk
Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) bündelt Expertenwissen und hat sich in der Szene etabliert

Drei Jahre nach seiner Gründung hat sich das ZQP zu einer wichtigen Institution in der Pflegeszene entwickelt und erzielt eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit.

 

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat sich eine große Aufgabe gesetzt: Die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft in einer sich demografisch verändernden Gesellschaft. Um diesem Ziel näher zu kommen, koordinieren neun professionelle Qualitätsentwickler derzeit 31 verschiedene Projekte. Sie bilden den Knotenpunkt eines Netzwerks von Experten aus Wissenschaft, Politik, Praxis, Ehrenamt und Selbsthilfe. So soll Wissen aus Theorie und Praxis zur Versorgung pflege- und hilfebedürftiger Menschen gebündelt werden.

Wissen nutzbar machen

Dabei vergibt das ZQP auch Studienaufträge an externe wissenschaftliche Einrichtungen. „Wir wollen jedoch keine Forschung im Elfenbeinturm, sondern den Diskurs um eine gute Pflege vorantreiben“, sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. „Die Ergebnisse unserer Arbeit sollen nachhaltig dazu beitragen, die tatsächliche Situation von pflege- und hilfebedürftigen Menschen zu verbessern.“
Die Ende 2009 durch den Verband der Privaten Krankenversicherung errichtete gemeinnützige Stiftung hat sich knapp drei Jahre nach ihrer Gründung in der Pflege-Szene etabliert und wird in der Öffentlichkeit von vielen Seiten wahrgenommen. Zahlreiche Publikationen sind aufgrund der starken Nachfrage bereits vergriffen. Auch bei Journalisten ist die Expertise des ZQP gefragt.

Ein Schlüssel zum Erfolg sind die so genannten Expertendatenbanken, die das ZQP bereit stellt. Denn in der Pflege wird es bei den umfangreichen Erkenntnissen zunehmend bedeutsam, Wissen dort zur Verfügung zu stellen, wo es gebraucht wird. „Daher freut es uns besonders, dass diese Datenbankdienste auf unserer Internetplattform so großen Zuspruch erhalten“, so Suhr. Neben bereits veröffentlichten Datenbanken, beispielsweise zu Qualitätsindikatoren für die häusliche Versorgung oder zur Pflegeberatung, arbeitet die Stiftung aktuell an mehreren weiteren Online-Diensten. „Auf unserer Internetplattform bündeln wir so Wissen zu unterschiedlichen Themen – und machen es für Experten aus der Pflegefachszene ebenso nutzbar wie für professionell Pflegende oder pflegende Angehörige. Einfach und kostenfrei“, so Suhr.

Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen erfassen

Im Fokus der Stiftungsarbeit stehen derzeit verschiedene Projekte rund um das Thema Pflegeberatung. Ziel ist es, die Beratung von pflege- und hilfebedürftigen Menschen sowie ihrer Angehörigen qualitativ weiterzuentwickeln. Dazu hat die Stiftung ein so genanntes Pflegeberatungs-Inventar (PBI) entwickelt. Die Berater in den Pflegestützpunkten und in der aufsuchenden Beratung können künftig bei Gesprächen auf einen wissenschaftlich basierten, systematischen Fragenkatalog zurückgreifen. Sie erfassen damit die Bedürfnisse weitaus gezielter als bisher. Die überwiegend positiven Rückmeldungen aus der Projektphase – von Ratsuchenden, Mitarbeitern der Pflegestützpunkte und der COMPASS Private Pflegeberatung – haben das ZQP nun zu einer Weiterentwicklung veranlasst: In Kürze soll ein Leitfaden ebenfalls in elektronischer Form zur Verfügung stehen. Dieser wird ergänzt um spezifische Empfehlungen zum Umgang mit psychischen Problemlagen.

Gesundheitsförderung für Menschen in sehr hohem Alter

Auch die Gesundheitsvorsorge im Alter gehört zu den zentralen Herausforderungen, denen sich das ZQP stellt. So läuft derzeit beispielsweise ein Präventions-Projekt speziell zur Bewegungs- und Mobilitätsförderung hochbetagter Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen. Denn trotz ihres oft fragilen körperlichen Zustandes verfügen Menschen in hohem Alter und pflegebedürftige Menschen über gesundheitliche Potenziale, die durch gezielte Aktivitäten – beispielsweise spezielle Koordinations- und Muskelaufbauübungen – gestärkt werden können. Diese Potenziale werden aktuell nur unzureichend genutzt.

Ergebnis des Projekts wird eine systematische Bestandsaufnahme über geeignete gesundheitsfördernde Maßnahmen sein; diese sollen in einer Präventionsdatenbank zusammengefasst werden. Zugleich entwickelt die Stiftung ein Analyseinstrument, welches Pflegeeinrichtungen künftig helfen wird, die Potenziale der Bewohner besser einzuschätzen. Gezielter als bisher können hierdurch geeignete und wirksame Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention von sehr alten Menschen ergriffen werden.

Ebenfalls in Richtung Prävention zielt eine Untersuchung, die das ZQP gemeinsam mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart durchgeführt hat. Sie zeigt neue Wege auf, Senioren in ihrer häuslichen Umgebung zu mehr körperlichen Aktivitäten zu motivieren (siehe Artikel auf Seite  5). „Mit Projekten wie diesen wollen wir maßgeblich dazu beitragen, neue Lösungsansätze für eine gute Versorgung älterer pflegebedürftiger Menschen aufzuzeigen – und zu deren Umsetzung beitragen“, sagt Suhr. „Dies ist unser Anspruch und daran wollen wir uns messen lassen.“

 

Weitere Informationen: www.zqp.de