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PKV PUBLIK AUSGABE 07/2012

PKV

Bunte Mischung
Die Privatversicherten kommen aus den verschiedensten sozialen Schichten

Das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) hat die Struktur der PKV-Versicherten untersucht. Das Ergebnis bestätigt, dass es sich bei den Privatversicherten um eine sehr heterogene Gruppe handelt.

 

„Ach, die Private Krankenversicherung. Da versichern sich ja nur die zahlungskräftigen Besserverdienenden“ ­­­– so oder ähnlich lautet ein gängiges Vorurteil, dem Privatversicherte häufig begegnen. Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) zeigt nun, dass es sich bei der Versichertengemeinschaft nicht um einen Klub der Reichen handelt. Richtig ist: Die Privatversicherten kommen aus allen sozialen Schichten und haben unterschiedlichste Einkommensniveaus. Sie bilden also eine höchst heterogene Gruppe.

Viele Bürger glauben, dass der „typische“ Privatversicherte stets oberhalb der gesetzlichen Einkommensgrenze verdient, ab der Arbeitnehmer aus der gesetzlichen Krankenversicherung in die PKV wechseln können. Tatsache ist jedoch, dass der Anteil der Angestellten an allen Privatversicherten lediglich 11,6 Prozent beträgt. Nur für diese Gruppe gilt, dass sie ein Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze von zurzeit 50.850 Euro pro Jahr verdienen muss, bevor eine Versicherung in der Privaten Krankenversicherung möglich ist. Bei Selbstständigen spielt die Einkommenshöhe hingegen keine Rolle. Ihr Anteil liegt bei 15,7 Prozent. Die größte Gruppe bei den Privatversicherten bilden mit gut 42 Prozent Beamte und Pensionäre. Weitere Gruppen sind die Rentner (7,5 Prozent), Studenten (2,9), Arbeitslose (0,2) und sonstige Nichterwerbstätige (19,9), zu denen beispielsweise Kinder zählen.

Beeindruckend widerlegt die Untersuchung damit die verbreitete Meinung, in der Privaten Krankenversicherung seien nur Besserverdiener versichert. Als Besserverdiener versteht die Studie alle Versicherten, die ein Einkommen oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze beziehen. Zwar ist diese Einkommensgrenze versicherungsrechtlich nur für Angestellte relevant. Sie gilt jedoch in der gesellschaftspolitischen Diskussion häufig auch als Abgrenzung zwischen besser und weniger gut verdienenden Personen sowie als Marktabgrenzung zwischen der Gesetzlichen und Privaten Krankenversicherung.

Tatsächlich beziehen lediglich 19,6 Prozent der Privatversicherten ein Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze. In diesem Wert sind nicht nur Angestellte, sondern auch Selbstständige und Beamte enthalten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Große Mehrheit der Privatversicherten ein Einkommen unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze bezieht. Selbst wenn man alle Kinder, die naturgemäß über kein eigenes Einkommen verfügen, heraus rechnet, liegen noch immer rund 78 Prozent der Versicherten in der PKV mit ihrem Einkommen unterhalb von 50.850 Euro pro Jahr.

Vermutlich würden sich sogar noch deutlich mehr Menschen mit einem geringeren Einkommen in der PKV versichern, wenn die Versicherungspflichtgrenze gesenkt würde.

Bei anderen sozialen Merkmalen, die von der WIP-Studie erfasst werden, zeigt sich ein ähnlich gemischtes Bild. So sind etwa unter den PKV-Versicherten alle Schul- und Ausbildungsabschlüsse vertreten. Eine Analyse des Familienstandes der Versicherten zeigt, dass eine Mehrheit von rund zwei Dritteln verheiratet ist. Die zweitstärkste Gruppe bilden die Ledigen mit rund 20 Prozent, gefolgt von Geschiedenen (7,2) oder Verwitweten (3,9).

Die Untersuchung des WIP basiert auf den Daten des Statistischen Bundesamtes aus der aktuellen Einkommens- und Verbraucher­stichprobe (EVS) des Jahres 2008. Dabei handelt es sich um eine repräsentative amtliche Statistik über die wirtschaftliche Situation privater Haushalte in Deutschland. Im fünfjährigen Turnus werden rund 0,2 Prozent aller privaten Haushalte in Deutschland befragt. Die EVS ist damit die größte Erhebung dieser Art innerhalb der Europäischen Union. Da die Haushalte aller sozialen Gruppierungen einbezogen werden, zeichnet die EVS ein weitgehend repräsentatives Bild der Lebenssituation der Gesamtbevölkerung in Deutschland. Für die Analyse der sozioökonomischen Struktur der Privatversicherten hat das WIP die ausschlaggebenden Merkmale aus der EVS ausgewertet.

 

Grafik zum Anteil der PKV-Versicherten nach sozialer Stellung im Jahr 2008 als PDF-Download (PDF-Dokument, 265.1 KB).

 

Die Studie des WIP kann im Internet unter www.wip-pkv.de heruntergeladen werden.