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PKV PUBLIK AUSGABE 06/2012

ORGANSPENDE

Neuregelungen bei Organspende
Die „Entscheidungslösung“ soll die Spendenbereitschaft erhöhen

Privatversicherte werden nach der neuen Regelung alle zwei Jahre von ihren Versicherungsunternehmen über das Thema Organspende informiert.

 
Organspendeausweis
 

„Das ist wie ein Sechser im Lotto“, sagt Birgit Bode. „Ich finde es toll, dass es wirklich Menschen gibt, die bereit sind, nach ihrem Tod Organe zu spenden.“

Seit ihrer Herz-Lungen-Transplantation im Jahre 2002 führt Birgit Bode ein glückliches, aktives Leben. Sie verreist, unternimmt Motorradtouren mit ihrem Mann und kann nach fast 35 Jahren ständiger Atemnot heute sogar wieder Fahrrad fahren. Kurz vor der Transplantation sah ihr Leben ganz anders aus. Damals war jeder kleine Schritt eine große Belastung. Ein angeborener Herzfehler verursachte einen permanenten Überdruck in der Lunge. Mit Mitte Zwanzig verschlechterte sich ihr Zustand, die Ärzte rieten zur Transplantation. Aufgrund ihrer inzwischen lebensbedrohlichen Lungenblutungen kommt sie als „High urgency“–Patient (hohe Dringlichkeit) ganz oben auf die Warteliste, ein passendes Spenderorgan wurde gefunden. „Ich war froh, dass es endlich geklappt hat und fest davon überzeugt, dass alles gut geht. Die Operation dauerte eine ganze Nacht.“

Noch heute erinnert sie sich an ihre ersten Spaziergänge. Mit 40 Jahren lernt sie Skifahren. „Als ich nach einer Skitour in die Berge geschaut habe, überkam mich ein ungeheures Glücksgefühl. Von solch einem Erlebnis hätte ich früher nicht einmal zu träumen gewagt.“

Spenderorgane fehlen

Eine Organspende kann Leben retten und Menschen wie Birgt Bode ihre Lebensqualität zurückbringen. In der Transplantationsmedizin wurden in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte erzielt. Leider fehlen noch immer ausreichend Spenderorgane. Während es in Deutschland prinzipiell eine hohe Spendebereitschaft gibt, haben sich die wenigsten Menschen jedoch klar mit einem Organspendeausweis für die Verwendung ihrer Organe nach ihrem Tod entschieden.

Laut einer repräsentativen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2010 sind 74 Prozent der 14- bis 75-Jährigen bereit, nach ihrem Tod zu spenden. Doch nur 25 Prozent der Befragten sind im Besitz eines erforderlichen Spendeausweises.

In vielen EU-Ländern stellen deutlich mehr Verstorbene ihre Organe zur Verfügung. Vorzeigeland ist Spanien: Pro einer Million Einwohner spenden dort mehr als 34 Menschen nach ihrem Tod Organe –­­­ in Deutschland sind es nur knapp 15. Häufig entscheiden sich Angehörige aus Unkenntnis gegen die Organentnahme eines nahen Verstorbenen. Die Folge: Aktuell warten in Deutschland rund 12.000 Patienten und Patientinnen auf eine Organspende. Pro Tag sterben in unserem Land drei Menschen, weil für sie kein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht.

Gesetzliche Neuregelung


Damit sich die Menschen in Deutschland in Zukunft intensiver mit dem Thema Organspende befassen, hat der Gesetzgeber eine parteiübergreifende Neuregelung in das Transplantationsgesetz eingeführt. Mit der nun erstmalig in Deutschland eingeführten „Entscheidungslösung“ soll die Organspende­bereitschaft gefördert werden. In Zukunft soll jeder Mensch in die Lage versetzt werden, sich intensiv mit dem Thema Organ- und Gewebespende auseinanderzusetzen und eine informierte und unabhängige Entscheidung zu treffen.

Auswirkung auf Privatversicherte

Privatversicherte, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, werden künftig alle zwei Jahre von ihrem Versicherungs­unternehmen angeschrieben und zu einer freiwilligen Entscheidung zur Organ- und Gewebespende motiviert. Die individuell getroffene Entscheidung wird vom Versicherer nicht dokumentiert. Es gibt auch kein zentrales Register, in dem die Entscheidungen der Versicherten erfasst werden. Wie in der Vergangenheit bleibt weiterhin der Organspendeausweis das einzige Dokument, auf dem die Entscheidung „Pro oder Contra“ verzeichnet wird. Für gesetzlich Versicherte ist langfristig eine Speicherung der Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende auf der elektronischen Gesundheitskarte geplant.

In der Privaten Krankenversicherung wird diese elektronische Gesundheitskarte vorerst nicht eingeführt. Die Unternehmen der PKV werden ihren Versicherten wie schon in der Vergangenheit weiterhin kostenlos Organspendeausweise zur Verfügung stellen. Dieser Ausweis ist ein offizielles Dokument und rechtlich gültig. Er dient dazu, die persönliche Entscheidung zur Organspende schriftlich zu dokumentieren, indem man einer Spende zustimmt oder widerspricht. Außerdem besteht die Möglichkeit, das Einverständnis zur Entnahme auf bestimmte Organe oder Gewebe zu beschränken. Darüber hinaus kann im Organspendeausweis eine Person des Vertrauens namentlich bestimmt und mit der Entscheidung nach dem eigenen Tod betraut werden. Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende kann weiterhin jederzeit revidiert werden: Wer seine Einstellung ändert, muss lediglich den alten Organspendeausweis vernichten und sollte einen neuen Ausweis ausfüllen sowie die Angehörigen informieren.

In einem weiteren Teil der Gesetzes­reform wird die Absicherung eines Lebendspenders verbessert: So garantieren künftig die Krankenversicherungen sowie die Krankenkassen des Organempfängers die Kostenübernahme aller im Zusammenhang mit der Organspende stehenden Folgekosten (Krankenhausaufenthalte, Reha-Maßnahmen, Arbeitsausfall etc.). In der Vergangenheit gab es in Einzelfällen Diskussionen, wer genau die Kosten tragen muss – gerade in den Fällen, in denen Organspender und Empfänger in verschiedenen Versicherungssystemen abgesichert waren. Zudem sollen in Zukunft sogenannte Transplantationsbeauftragte in den Krankenhäusern sicherstellen, dass die Organspende reibungslos organisiert werden kann.