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PKV PUBLIK AUSGABE 06/2012

GASTBEITRAG

Kompetenz durch Patientenberatung

Steigender Beratungsbedarf ist eine logische Folge der wachsenden Ausdifferenzierung unseres Gesundheitssystems. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat darauf reagiert. Von Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler

 

Das deutsche Gesundheitswesen ist geprägt von Instanzenvielfalt, Spezialisierung und Angebotsalternativen. Patientinnen und Patienten müssen als Folge immer mehr Verantwortung für ihre Behandlung selbst übernehmen und dabei komplexe Entscheidungen treffen. Eine wichtige Unterstützung liegt darin, sie mit hochwertigen Patienteninformationen zu versorgen.

Anspruch und Wirklichkeit

Was sich in der Theorie schlüssig anhört, ist in der Realität kompliziert. Patientinnen und Patienten sollen in die Lage versetzt werden, die angebotene Gesundheitsversorgung kompetent und souverän zu nutzen. Nicht wenige können das aber gar nicht. Chronische Erkrankungen zum Beispiel verändern durch Angst und Stress das alltägliche Leben so grundlegend, dass neues Wissen schwerer aufgenommen und verarbeitet wird. Doch nicht nur solche Ausnahmesituationen sind ein Hindernis. Nutznießer der wachsenden Flut von Patienteninformationen sind oft nur diejenigen, die damit umgehen können. Man muss die Informationen bewerten und in handlungsrelevantes Wissen übertragen. Das Nachsehen haben all jene, denen dies nicht gelingt.

Die UPD hilft

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland hat auf diesen Bedarf reagiert. Sie schafft Orientierung im Versorgungsdschungel und hilft Patientinnen und Patienten beim Einschätzen und Nutzen der Informationen. Zusammen mit den Ratsuchenden werden die häufig komplizierten Problemkonstellationen entwirrt und jene Informationen ausgewählt, die für die individuelle Lebenssituation gebraucht werden. Je nach Schwere des Falls unterstützt die UPD auch beim Umsetzen der Informationen und wird in Ausnahmefällen sogar anwaltschaftlich tätig.

Kostenfrei und unabhängig


Die UPD arbeitet im gesetzlichen Auftrag nach § 65b SGB V und wurde im vergangenen Jahr vom Modellversuch in ein Regelangebot überführt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind kostenfrei in 21 Beratungsstellen, über ein bundesweites Beratungstelefon (08000 11 77 22) und online erreichbar. Finanziert wird das Angebot durch den GKV-Spitzenverband, der per Gesetz keinen Einfluss auf den Inhalt oder den Umfang der Beratungstätigkeit nehmen darf. Dank einer freiwilligen Unterstützung des PKV-Verbandes erfolgt die Beratung seit 2011 auch in Türkisch und Russisch (Telefon: 08000 11 77-23 bzw. -24).

Neben ihrem eigentlichen Beratungsauftrag übernimmt die UPD künftig eine weitere Aufgabe: Ab 2013 wertet sie Anliegen und Problemkonstellationen der Ratsuchenden in regelmäßigen Berichten aus und übermittelt sie an den Patientenbeauftragten der Bundesregierung. So bietet die UPD-Beratung nicht nur direkte Unterstützung für Ratsuchende. Sie baut auch eine zusätzliche Brücke zwischen Politik und Patienten.