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PKV PUBLIK AUSGABE 05/2012

TITEL

Eine starke Branche
Die Private Krankenversicherung ermöglicht das
hohe Niveau
im deutschen Gesundheitssystem


Die Private Krankenversicherung ist eine stabile und gut funktionierende Branche. Jede Schwächung würde die Qualität der gesamten Gesundheitsversorgung gefährden.

 

Das Deutsche Krankenversicherungssystem hat einen langen Weg hinter sich. Was mit der solidarischen Absicherung gegen Krankheitsrisiken in Handwerks-Zünften begann und später durch die Sozialgesetzgebung Bismarcks ergänzt wurde, hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem der besten Gesundheitssysteme der Welt entwickelt. Denn heute haben in Deutschland alle Versicherten – gesetzlich wie privat – Zugang zu einer erstklassigen Spitzenmedizin, um die wir weltweit beneidet werden. Der Schlüssel für die im internationalen Vergleich sehr gute medizinische Versorgung liegt im Zwei-Säulen-Modell, dem Nebeneinander von Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung
.
Doch nun droht Deutschland seine einzigartigen Errungenschaften in der bevölkerungsweiten Gesundheitsversorgung leichtfertig zu verspielen. Denn verschiedene Akteure setzen sich für Einheitssysteme ein. Diese würden dazu führen, dass die Private Krankenversicherung (PKV) deutlich geschwächt wird und damit als tragende Säule des Gesamtsystems wegfiele. Damit würde sich Deutschland in eine Sackgasse begeben, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Für die Versorgung mit Gesundheitsleistungen und die Stabilität der Sicherungssysteme insgesamt wäre dies ein schwerer Rückschritt. Denn das deutsche Gesundheitswesen ist auf die Dualität aus GKV und PKV angewiesen. Zum einen macht der Wettbewerb zwischen den Systemen eine medizinische Spitzenversorgung möglich. Zum anderen braucht die Stabilität des Gesamtsystems angesichts steigender Staatsschulden und der bevorstehenden Überalterung der Bevölkerung zwingend ein gut funktionierendes, privat organisiertes Versicherungssystem.

Lebendiger Systemwettbewerb

Der Systemwettbewerb erfüllt im Gesundheitswesen eine entscheidende Korrektivfunktion, von der alle Versicherten profitieren: Ohne einen PKV-Vergleich wären Leistungsrationierungen bei gleichzeitigen Beitragserhöhungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung politisch einfacher durchsetzbar. Denn auch dort sind die finanziellen Mittel knapp. Nicht alles, was medizinisch möglich ist, kann bezahlt werden. Und so sind bei den gesetzlichen Kassen seit einigen Jahren immer wieder Einschnitte im Versicherungsumfang zu beobachten. Leistungen für Zahnersatz oder Brillengestelle wurden bereits eingeschränkt. Hinzu kommen Zuzahlungen – etwa bei Arzneimitteln – oder die Praxisgebühr.

Gleichzeitig wechseln jedes Jahr hunderttausende Menschen von der Gesetzlichen in die Private Krankenversicherung. Um diese sogenannten freiwillig Versicherten bemühen sich beide Systeme. Dadurch sind die Anbieter permanent veranlasst, die Qualität ihres Angebots zu verbessern, um die potenziellen Kunden vom Vorzug des jeweiligen Systems zu überzeugen. Fiele die Konkurrenz durch das jeweils andere System fort, würde dieser Anreiz zu Leistungsverbesserungen sofort wegfallen.

Diese Tatsache wird von wichtigen Akteuren in der Gesundheitsszene bestätigt. So sagte etwa der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, auf dem Ärztetag Ende Mai: „Gäbe es die PKV nicht, hätten wir heute schon einen sehr viel schlankeren Leistungskatalog in der GKV. Gäbe es die PKV nicht, müsste sich die GKV in nichts und niemals an den Leistungen eines Konkurrenten messen lassen. Gäbe es die PKV nicht, hätten wir heute schon eine innovations- und wettbewerbsfreie Zone für die GKV, in der sie dann ihre Marktmacht gegenüber Patienten und Ärzten völlig ungeniert ausspielen könnte.“ Und selbst die Vorsitzende des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung, Doris Pfeiffer, sagte schon vor einiger Zeit: „Ohne die Konkurrenz von Privatversicherungen wäre die Gefahr, dass der Leistungskatalog auf eine minimale Grundversorgung reduziert wird, größer. In einem Einheitssystem ließen sich die Leistungen leichter reduzieren.“

Ein Blick zu unseren Nachbarn in Europa zeigt, welche Folgen die Einführung eines Einheitssystems auf die Gesundheitsversorgung haben könnte. Während sich in einem rein staatlichen Modell wie in Großbritannien die Gesundheitsversorgung immer weiter in ein Zwei-Klassen-System entwickelt – mit Spitzenmedizin in Privatkliniken für diejenigen, die es sich leisten können, und einer dürftigen Versorgung für alle anderen Menschen im Einheitssystem –, werden vermeintliche Klassenunterschiede in Deutschland an der Verweildauer im Wartezimmer festgemacht. Und selbst dieser Vergleich hinkt: Während die Wartezeit auf einen Facharzt-Termin in Großbritannien 18 Wochen beträgt und in den Niederlanden, die ihr duales Versicherungssystem 2006 abgeschafft haben, sogar bis zu 6 Monate, sind die Wartezeiten in Deutschland wesentlich kürzer. In dringenden Fällen erhält man sofort einen Termin – egal wie man versichert ist.

Und noch aus einem weiteren Grund ist der hohe Standard für alle ein Verdienst eines lebendigen Systemwettbewerbs mit PKV und GKV. Denn die Privatversicherten zahlen für viele medizinische Leistungen höhere Honorare. Dies führt dazu, dass die rund 11 Prozent Privatversicherten in Deutschland fast ein Viertel der Arzthonorare bezahlen, während die knapp 90 Prozent der gesetzlich Versicherten mit 75 Prozent unterdurchschnittlich dazu beitragen. Durch die Mehrzahlungen der Privatversicherten fließen jedes Jahr mehr als 10 Milliarden Euro zusätzlich ins Gesundheitssystem. Diese Einnahmen ermöglichen es Ärzten und Krankenhäusern, in moderne Geräte und Behandlungsmethoden zu investieren. Die kommen wiederum allen zugute: privat und gesetzlich Versicherten. Viele Ärzte warnen übrigens davor, dass sie ihre Praxis nicht wirtschaftlich betreiben könnten, wenn es die Mehreinnahmen durch die PKV nicht mehr gäbe.

Die positiven Effekte eines Systemwettbewerbs hören übrigens nicht bei der Qualität von Gesundheitsleistungen auf. Nur die Dualität von GKV und PKV ermöglicht auch einen Wettbewerb um Ideen, wie verschiedene Initiativen des PKV-Verbands im Pflegesektor zeigen: So sorgt beispielsweise die Private Pflegeberatung COMPASS in Konkurrenz zu den Pflegestützpunkten der Pflege- und Krankenkassen mit neuen Ansätzen für mehr Qualität in der Pflegeberatung und ist deswegen eine wichtige Etappe auf dem Weg zur besten Pflege.

Zudem wird das Gesundheitswesen zu Recht immer mehr als Wachstumsmarkt und Jobmotor begriffen. Ohne einen Wettbewerb um Innovationen würde diesem Teil unserer Wirtschaft viel Potenzial genommen. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen, die eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze, wie sie die Befürworter einer Bürgerversicherung vorsehen, hätte. Dies käme einer Art Gesundheitssteuer und damit einer Mehrbelastung vor allem höherqualifizierter Arbeit gleich, mahnt der Bundesverband der Deutschen Industrie: „Das beträfe nicht zuletzt die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft selbst – Medizintechnik, Pharmaindustrie, Krankenhäuser usw.“ (BDI-Standpunkt Gesundheit - Ausgabe 02 - 2012).

Stabilisierendes Element in den Sicherungssystemen

Auch jenseits aller Vorteile eines lebendigen Systemwettbewerbs trägt die Existenz der PKV zur Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme in Deutschland bei. Denn schon heute steht fest, dass der demografische Wandel das über Umlage finanzierte System der Gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung an seine Grenzen bringen wird. Wohin die demografische Reise der Deutschen geht und welche Folgen sie für die Finanzierung des Gesundheitswesens haben wird, lässt sich exemplarisch schon an wenigen Daten zeigen: Die Gesundheitskosten (Durchschnittswert vom Säugling bis zum Greis) betragen laut Statistischem Bundesamt in Deutschland rund 3.100 Euro pro Kopf und Jahr. Bei den 85-Jährigen und Älteren sind es pro Kopf 14.840 Euro. Nun wird sich die Zahl der Über-80-Jährigen in den nächsten Jahrzehnten mehr als verdreifachen. Im selben Zeitraum wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 65 Jahren, also die Gruppe der GKV-Beitragszahler, um mehr als 30 Prozent schrumpfen. Bildlich gesprochen: Die demografische Kerze brennt an beiden Enden gleichzeitig.

Welche dramatischen Folgen diese Entwicklung für die Beitragslast der gesetzlich Versicherten haben wird, zeigen mehrere Studien, die eine deutliche Steigerung des Beitragssatzes in der Gesetzlichen Krankenversicherung prognostizieren. So kommt etwa der renommierte Gesundheitsökonom Prof. Eberhard Wille von der Universität Mannheim für das Jahr 2050 in seinen Berechnungen auf einen Beitragssatz von 29,8 Prozent.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig es ist, dass möglichst viele Menschen schon heute für ihre Bedürfnisse im Alter vorsorgen, um zukünftige Beitragszahler nicht zusätzlich zu belasten. Die rund 9 Millionen Privatversicherten treffen mit ihren Beiträgen vom ersten Tag an Vorsorge für die im Alter steigenden Gesundheitsausgaben. Davon profitieren nicht nur sie persönlich, sondern auch die jüngeren Generationen. Denn für diesen Teil der Bevölkerung – immerhin 11 Prozent – müssen unsere Kinder und Enkel die zukünftigen Gesundheitsausgaben nicht mitfinanzieren.

Bis Ende 2011 haben die Privatversicherten auf diese Weise Rückstellungen von 170 Milliarden Euro gebildet. Mit dieser eingebauten Altersvorsorge sind sie in Bezug auf die Kranken- und Pflegeversicherung von dem Problem der alternden Bevölkerung nicht betroffen. Dieser Kapitalstock wächst Jahr für Jahr mit Zinseszins und hat bisher alle Finanzkrisen unbeschadet überstanden. Dafür sorgen nicht nur strenge gesetzliche Vorgaben, sondern auch eine besonnene Anlagepolitik der Versicherungsunternehmen. So wird das Geld der Versicherten teilweise in langfristige Anleihen mit Laufzeiten von 50 Jahren und mehr investiert. Auf diese Weise können auch mehrjährige Niedrigzinsphasen verkraftet werden, ohne dass dies einen spürbaren Einfluss auf die Verzinsung hat.

Die PKV ist daher in der Lage, sich selbst zu tragen. Während die GKV schon heute beträchtliche Zuschüsse – allein in diesem Jahr 14 Milliarden Euro – aus Steuermitteln erhält, ist die Private Krankenversicherung auf keine staatlichen Zuschüsse angewiesen. Im Gegenteil: Ihre Versicherten finanzieren den GKV-Zuschuss als Steuerzahler sogar noch mit – im Schnitt mit fast 200 Euro pro Kopf und Jahr. Hinzu kommen noch die Steuern, die die PKV-Unternehmen entrichten. Die Privatversicherten stützen so die Finanzierung der GKV, deren sozialpolitische Leistungen wie etwa die beitragsfreie Mitversicherung von Familienangehörigen sie selbst nicht erhalten.

Doch obwohl Privatversicherte nicht in den Genuss einer kostenlosen Mitversicherung von Ehegatten oder Kindern kommen, streben jedes Jahr weit mehr als 200.000 Menschen trotz gesetzlicher Hürden wie der Versicherungspflichtgrenze für Angestellte aus der Gesetzlichen in die Private Krankenversicherung. Und nicht nur das. Viele Menschen entscheiden sich darüber hinaus noch bewusst für PKV und Familie. Denn wie eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) belegt, nimmt die Zahl der Kinder in der PKV gegen den gesamtgesellschaftlichen Trend zu. Insgesamt waren in der Privaten Krankenversicherung zum Jahresende 2011 8,98 Millionen Menschen vollversichert – das ist knapp 1 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Marktanteil der Privaten Krankenversicherung im Vergleich zur Gesetzlichen Krankenversicherung wächst so ständig weiter: Inzwischen sind 11,3 Prozent der Deutschen privat krankenvollversichert – fünf Jahre zuvor waren es erst 10,7 Prozent.

Dieser anhaltende Trend in Richtung Privater Krankenversicherung lässt sich nur mit dem hohen Vertrauen erklären, dass die Versicherten in das System setzen. Sie erwarten in der Privaten Krankenversicherung einen umfangreicheren Schutz, der vertraglich garantiert ist, ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und einen Versicherungsschutz, den sie nach ihren individuellen Bedürfnissen zusammenstellen können. Ihre Erwartungen werden nicht enttäuscht: In allen Umfragen äußern Privatversicherte eine hohe Kundenzufriedenheit. Die aktuellste Studie des renommierten Meinungsforschungsinstituts Emnid aus diesem Frühjahr hat ergeben, dass sich 96 Prozent der Privatversicherten gut abgesichert fühlen.

Und sollte es doch einmal zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Versichertem und Versicherungsunternehmen kommen, können sich die Kunden an die neutrale Schlichtungsstelle des PKV-Ombudsmanns wenden, der bei Problemen kostenlos vermitteln kann. Im Jahr 2011 verzeichnete der Ombudsmann übrigens lediglich 6.500 Eingaben. Angesichts von rund 9 Millionen Voll-, über 9,6 Millionen Pflege- und mehr als 22,5 Millionen Zusatzversicherungen entspricht dies einer Quote von gerade einmal 0,016 Prozent. Für andere Branchen wäre dies ein Traumwert.

Diese hohen Zufriedenheitswerte kommen nicht von ungefähr. Denn neben den bereits genannten Vorzügen steht die PKV auch für langfristige Stabilität. Die Unternehmen der Privaten Krankenversicherung bilden umfangreiche Sicherheitsreserven für ihre Versicherten. Neben den bereits erwähnten Alterungsrückstellungen müssen sie Eigenkapital in Milliardenhöhe vorhalten, um ihre Verträge dauerhaft erfüllen zu können. Unabhängigen Analysten zufolge haben die PKV-Unternehmen im Jahr 2010 mehr als doppelt so viel Kapital zur Seite gelegt wie von der Aufsichtsbehörde verlangt. Und das ist noch nicht alles: Darüber hinaus muss jedes PKV-Unternehmen seinen Versicherten auch 90 Prozent aller über einen festgelegten Zinssatz hinausgehenden Kapitalerträge (Überzins) gutschreiben.

Diese finanzielle Solidität macht sich auch bei der Beitragsentwicklung bemerkbar. Denn je nach Berechnungsmethode unabhängiger Experten sind die Beiträge in den vergangenen Jahren durchschnittlich zwischen 2 und 5 Prozent gestiegen. Angesichts eines rasanten medizinisch technischen Fortschritts sind das sehr gute Werte. Bei einer Vielzahl von Verträgen liegt die Beitragsanpassung sogar noch darunter. Doch es kann auch vorkommen, dass die Anpassung in einem Jahr einmal höher ausfällt. Doch selbst wenn dadurch die zu zahlende Prämie zu hoch sein sollte, können die Versicherten von dem Tarifwechselrecht Gebrauch machen, das ihnen das Gesetz einräumt: Denn innerhalb desselben Unternehmens ist ein Tarifwechsel jederzeit und mit Berücksichtigung aller Alterungsrückstellungen möglich. Oft lassen sich so die Beiträge reduzieren, ohne dass Abstriche beim Leistungsumfang gemacht werden müssen. Kunden, die sich ab dem 1. Januar 2009 versichert haben, können sogar bei einem Wechsel zu einem anderen Unternehmen einen beträchtlichen Teil ihrer Alterungsrückstellungen mitnehmen.

Mittelfristig werden die durchschnittlichen Beitragsanpassungen sogar noch deutlich geringer ausfallen. Denn seit Januar 2000 wird der sogenannte 10-Prozent-Zuschlag auf die Beiträge aller Neukunden in der PKV erhoben. Das Geld wird auf dem Kapitalmarkt angelegt, verzinst und dafür verwendet, Beitragserhöhungen nach dem 65. Lebensjahr entgegenzuwirken. Ab einem Alter von 80 Jahren können die Beiträge dadurch sogar wieder sinken. Dieser Zuschlag wird aber erst in einigen Jahren seine volle Wirkung entfalten.

Die PKV verbessert permanent ihre Leistungen

Doch die PKV ruht sich nicht etwa auf all diesen Vorzügen aus: Die Branche ist permanent darum bemüht, ihre Leistungen im Interesse der Versicherten weiter zu verbessern. In vielen Fällen kann sie das allerdings nicht alleine, weil ihr dies gesetzliche Regelungen wie etwa das Kartellrecht verbieten. Doch gemeinsam mit dem Gesetzgeber ist es in jüngster Zeit gelungen, Regelungen zu erzielen, die den Versicherten zu Gute kommen. Dazu gehören etwa Regelungen im Arzneimittelbereich, die festlegen, dass auch Privatversicherte von staatlich festgelegten oder ausgehandelten Rabatten auf Medikamente profitieren dürfen. Dazu gehört auch die gesetzliche Klarstellung, dass reguläre Krankenhäuser nicht auf ihrem eigenen Gelände eine Privatklinik ausgründen dürfen, in der sie bei identischer Leistung sehr viel mehr Geld abrechnen. Und dazu gehört, dass mit Hilfe des Gesetzgebers eine vernünftige Lösung für die Deckelung von Provisionszahlungen gefunden wurde, die Übertreibungen vermeidet und sicherstellt, dass Beratungen nur im Interesse der Kunden stattfinden.

In weiteren Bereichen ist die Branche noch um Lösungen bemüht. Zu denken ist dabei insbesondere an die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Diese befindet sich in wesentlichen Teilen auf dem Stand der 1980er Jahre. Dies hat zur Folge, dass viele moderne medizinische Diagnose- und Behandlungsmethoden von ihr nicht abgebildet werden und sich die Ärzte für ihre Rechnungen zu den von ihnen erbrachten Leistungen anderer Ziffern aus der Gebührenordnung bedienen müssen. Dieses notwendige Vorgehen führt jedoch regelmäßig zu Missverständnissen bei der Kostenerstattung. Ärzte und Private Krankenversicherung sind sich deswegen einig, dass die GOÄ dringend reformiert werden und eine betriebswirtschaftlich nachvollziehbare Grundlage bekommen muss. Vorstellbar ist darüber hinaus die Einführung eines unabhängigen Instituts, das für eine regelmäßige Aktualisierung sorgen könnte. Ein weiteres Ziel der Privaten Krankenversicherung ist es schließlich, Vertragskompetenzen gegenüber allen Leistungserbringern im Gesundheitswesen zu erhalten. Damit könnten Vereinbarungen über bestimmte Qualitätsstandards getroffen werden, die zusätzlich vergütet werden. Damit wäre es im ambulanten Bereich möglich, weitere Leistungsverbesserungen für die Versicherten zu ermöglichen.
Insgesamt zeigt sich also, dass die PKV viele bedeutende Vorzüge hat: Als wettbewerbliches Korrektiv, als stabilisierendes Element in Bezug auf die sozialen Sicherungssysteme und als Branche mit hoher Kundenzufriedenheit, finanzieller Solidität und dem Bestreben zur ständigen Leistungsverbesserung. Warum plädieren dann immer noch manche für einen Systemumbruch und Einheitslösungen?

Es ist offensichtlich, dass sich einige Parteien jetzt schon für den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2013 warm laufen. Sie versuchen, die Wähler mit populistischen Versprechen in ein Einheitssystem zu locken, das weder eine bessere medizinische Versorgung noch niedrigere Kosten bietet und zuletzt auch keine Finanzierungslösung für die dringenden demografischen Herausforderungen aufzeigt.

Ganz offensichtlich geht es den Befürwortern einer Bürgerversicherung also nicht um eine bessere Gesundheitsversorgung, sondern um Gesellschaftspolitik: weg von Wettbewerb und Pluralität, hin zu Einheitslösungen. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr bringt es auf den Punkt: „Die Debatte über die Private Krankenversicherung ist oft ideologisch motiviert und wird den Wünschen nach Wahlfreiheit und Vorsorge für eine alternde Bevölkerung nicht gerecht.“ (FAZ vom 21. Mai 2012). Auf der Strecke bleibt eine Politik mit Weitblick, die Gesundheitsleistungen auch für künftige Generationen finanzierbar macht.

Es ist an der Zeit, der Bevölkerung die Vorzüge unseres Gesundheitssystems zu erläutern, das dank seiner Vielfalt und Wahlfreiheiten allen Menschen eine individuelle und gute Versorgung bietet. Eine Einheitsversicherung à la Bürgerversicherung würde diese Vorzüge gefährden. Schlimmer noch: Wenn die Nachteile eines solchen Modells sichtbar werden, wird es für eine Umkehr zu spät sein. Die Bürgerversicherungs-Befürworter müssen sich daher entscheiden, ob sie mit populistischen Neiddebatten kurzfristige Erfolge in den Umfragewerten erzielen oder die hervorragende Gesundheitsversorgung für alle Menschen in Deutschland sichern wollen.