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PKV PUBLIK AUSGABE 04/2012

GASTBEITRAG

Generationengerechtigkeit - eine gesunde Einstellung

Die EU-Kommission hat 2012 zum „Jahr des aktiven Alterns“ ausgerufen. Angesichts der demografischen Entwicklung ist das ein richtiges Zeichen zur richtigen Zeit. Von Thomas Mann MdEP

 

Ein Blick auf die demografische Entwicklung in Deutschland zeigt: Der Gerechtigkeitsbegriff wird in den nächsten Jahrzehnten in den Vordergrund rücken. Ich möchte erreichen, dass Jung und Alt einander nicht ausspielen lassen, sondern aufeinander zudenken. Dazu gehören der Respekt voreinander und die echte Solidarität zwischen den Generationen. Dieses Denken ist Leitmotiv für einen Bericht, den ich im Auftrag des Ausschusses für Beschäftigung und Soziales für das Europäische Parlament (EP) ausgearbeitet habe und der mit großer Mehrheit angenommen wurde. Erstmals werden auf europäischer Ebene konkrete Maßnahmen und Instrumente für jüngere und ältere Bürger in einem Paket gebündelt. Wir appellieren an die 27 Mitgliedstaaten, gute Rahmenbedingungen für eine gerechte Zukunft der Generationen zu schaffen.

Um die Diskussion auf eine stabile, sachliche Grundlage zu stellen, empfehlen wir allen Mitgliedstaaten, Generationenbilanzen zu erstellen. Auf diese Weise können die Zahlungsströme zwischen den Jahrgängen sowie die Leistungen und Belastungen jeder Generation verlässlich abgebildet und prognostiziert werden. Für die Ämter ist es ein Leichtes, Steueraufkommen, Sozialversicherungsbeiträge oder Rentenzahlungen für jede Altersgruppe zu berechnen.

Mit dem „Generationen-Check“ soll auf nationaler und europäischer Ebene eine Gesetzesfolgen-Abschätzung eingeführt werden. Beide informieren über die gewollten Auswirkungen und die ungewollten Nebenwirkungen bei der Belastung der Generationen.

Auch in Sachen Renten senden wir ein klares Signal: Die nationalen Altersgrenzen zur Renten-Berechtigung müssen beibehalten werden! In Deutschland haben sich die Akteure darauf verständigt, die Rente schrittweise von 65 auf 67 Jahre anzuheben. Der EuGH erteilte einem Zwangsruhestand ab dem Renteneintrittsalter eine klare Absage: Rentner dürfen sich auf offene Stellen bewerben und nicht aufgrund ihres Alters benachteiligt werden.

Für die älteren Mitbürger fordern wir den „Europäischen Pakt 50 Plus“. Mit ihm sollen bis zum Jahr 2020 folgende Ziele erreicht werden: 1. Die Erwerbstätigenquote von Arbeitnehmern über 50 soll von durchschnittlich 46 Prozent auf mehr als 55 Prozent steigen. 2. Die Frühverrentung und deren finanzielle Förderung müssen europaweit abgebaut werden. 3. Stattdessen sollen die Mitgliedstaaten Mittel für Menschen über 60 Jahre zur Verfügung stellen, damit sie länger auf dem Arbeitsmarkt tätig sein können. Dieser Pakt soll Realität in den Unternehmen werden, indem sich altersgemischte Teams an Arbeitsplätzen bilden. Die Kreativität der einen und die Erfahrung und Kompetenz der anderen sollen zum gemeinsamen Erfolg führen.

Das „Aktive Altern“ ist ein Schlüssel zum Erhalt der Solidarität. Im Mittelpunkt steht die Idee, dass ältere Menschen länger dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen sollen, wenn sie es wollen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass die EU-Kommission die Forderung meines Berichts aufgegriffen und im September 2010 das Jahr 2012 zum Jahr des „Aktiven Alterns“ ausgerufen hat. In der Landesvertretung Hessen in Brüssel konnten wir gemeinsam mit EU-Sozialkommissar Laszlo Andor das „Europäische Jahr des Aktiven Alters“ im Januar 2012 einläuten. Das ist das richtige Signal zur richtigen Zeit!