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„Prüf-Wettbewerb bringt mehr Qualität in die Pflege“

Warum war es der PKV so wichtig, eigenständige Qualitätsprüfungen von Pflegeeinrichtungen durchzuführen?

Schlerfer: Jeder kann von Pflegebedürftigkeit betroffen sein. Die Frage, wo und von wem man sich dann pflegen lässt – und damit die Frage nach der Qualität dieser Anbieter – ist von wesentlicher Bedeutung für die Lebensqualität. Uns war von Anfang an klar, dass wir die Verantwortung für über 9 Millionen privat Pflegeversicherte nicht allein der Gesetzlichen Krankenversicherung überlassen wollten. Als Ergänzung zu den Medizinischen Diensten der Pflegekassen bringen wir auch mehr Wettbewerb ins System, was der Qualität der Pflege insgesamt zugutekommt.

Im vergangenen Sommer wurde der PKV das Recht zugestanden, zehn Prozent aller Qualitätsprüfungen durchzuführen. Was ist seitdem passiert?

Schlerfer: Wir können mit der Entwicklung sehr zufrieden sein. Unsere erste Regelprüfung haben wir schon kurz nach der Gesetzesänderung im September letzten Jahres in Sachsen durchgeführt. Seitdem haben unsere 107 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutschlandweit mehr als 800 Qualitätsprüfungen unternommen. Dabei haben wir viel positives Feedback bekommen: Viele Pflegeeinrichtungen loben – unabhängig von dem Ergebnis ihrer eigenen Prüfung – das partnerschaftliche und konstruktive Auftreten unserer Mitarbeiter.

Gibt es außer der bundeseinheitlichen Organisation weitere Unterschiede, mit denen Sie sich von den Prüfungen der GKV abgrenzen wollen?

Schlerfer: Wir haben von vornherein großen Wert auf eine hohe Qualifikation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelegt. So hatten die meisten unserer Qualitätsprüfer selbst früher eine Leitungsfunktion im Pflegebereich inne und kennen sich daher mit den Strukturen und auch mit den Problemen der Branche gut aus. Zusätzlich dazu sind ca. 70 Prozent unserer Mitarbeiter zum Auditor weitergebildet, also gezielt für ihre Aufgabe weiterqualifiziert.

Gibt es noch Probleme?

Schlerfer: Obwohl das Prüfverfahren auf bundeseinheitlichen Maßstäben beruht, gibt es je nach Bundesland bestimmte Besonderheiten. Darüber mussten wir spezifische Vereinbarungen mit den Landesverbänden der Pflegekassen abschließen. Bislang haben wir solche Vereinbarungen für zwölf Bundesländer, in zwei weiteren stehen wir kurz vor dem Abschluss. In zwei Bundesländern hakt es noch – trotz klarer Gesetzeslage. Hier hoffen wir auf die Bereitschaft der Pflegekassen, sich rechtstreu zu verhalten und bald einen Konsens mit uns zu finden.
                                                       
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