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PKV PUBLIK AUSGABE 01/2012

PRÄVENTION

PKV ermöglicht Jahrestagung der AIDS-Stiftung
Die Fachszene beschäftigte sich erstmals mit dem Zusammenhang von Aids und Pflegebedürftigkeit

Aids-Kranke werden oft schon im mittleren Alter pflegebedürftig. Die Deutsche AIDS-Stiftung beschäftigte sich anlässlich ihrer Jahrestagung erstmals mit diesem Thema. Ermöglicht wurde dieser Erfahrungsaustauch von Pflege-Experten durch die PKV.

 
Dr. Christoph Uleer, Vorstandsvorsitzender der AIDS-Stiftung; Ulrike Flach (FDP), Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit; Marlis Bredehorst (Bündnis90/Die Grünen) Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (NRW); Reinhold Schulte, Vorsitzender des PKV-Verbandes und des Stiftungsrates der AIDSStiftung;
 

Immer mehr HIV-positive Menschen werden aufgrund der verbesserten medizinischen Versorgung immer älter. Diese erfreuliche Entwicklung schafft zugleich neue Herausforderungen, denn mit der zunehmenden Lebenserwartung steigt auch bei ihnen das Risiko, pflegebedürftig zu werden.

Fachtagung als Türöffner für eine überfällige Debatte


Die Jahrestagung der Deutschen AIDS-Stiftung hatte sich zum Ziel gesetzt, zum ersten Mal zwei unterschiedliche Bereiche des Sozialwesens zusammenzubringen: So wurden Aids-Hilfe-Einrichtungen und Betroffenenvertretungen eingeladen, um den Trägern von Pflegeeinrichtungen die speziellen Anforderungen von Aids-Kranken und HIV-Infizierten näherzubringen. Die Konferenz in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Berlin war die erste ihrer Art. Sie ist zugleich beispielgebend für einen Diskussionsprozess, der die Fachwelt in den nächsten Jahren beschäftigen wird. Heute leben in Deutschland etwa 73.000 Menschen mit einer HIV-Infektion. Jedes Jahr infizieren sich weitere 2.800 Menschen neu mit dem HI-Virus, wobei Deutschland auch Dank der umfassenden Präventionsarbeit, die maßgeblich von der Privaten Krankenversicherung finanziert wird, im internationalen Vergleich die geringsten Neuinfektionsraten aufweist.

Trotz der inzwischen sehr guten medizinischen Versorgung werden viele HIV-Infizierte oder Aids-Kranke bereits in einem verhältnismäßig jungen Alter pflegebedürftig. Mediziner beobachten bei ihnen vorzeitige Alterungsprozesse, Studien zeigen frühzeitigere und häufigere Herzinfarkte und Schlaganfälle. Immer öfter werden auch neuronale Einschränkungen beobachtet. Eine in den Auswirkungen der Altersdemenz ähnliche Form der HIV-Demenz stellt Pflegeeinrichtungen vor neue Herausforderungen. Nicht selten sind es Menschen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren, die einen so hohen Betreuungsaufwand haben, dass ihnen eine adäquate Versorgung oftmals nur im Altenheim ermöglicht werden kann. Für Pflegeeinrichtungen ein enormes Problem: Neben den speziellen Anforderungen, die eine Aids-Infektion an die Pflege stellt, sind es auch gewisse Begleiterscheinungen, die eine Unterbringung in herkömmlichen Pflegeeinrichtungen erschweren: Ein 42-jähriger, mit dem Aids-Virus Infizierter, der neben seiner Pflegebedürftigkeit eine Drogenerkrankung aufweist, kann und will in einem herkömmlichen Pflege- oder Altenheim kaum adäquat versorgt werden.

Und dennoch: Immer mehr Infizierte kommen in das Alter, in dem sie einen besonderen Betreuungs- und Pflegebedarf aufweisen. Zwar sind aktuell etwa zwei Drittel der Aids-Infizierten erwerbstätig, bereits im Jahre 2015 werden aber 50 Prozent von ihnen zur Altersgruppe „50Plus“ zählen. Bereits heute befinden sich viele in weiteren problematischen Lebenslagen: Sie haben aufgrund ihrer Aids-Infektion psychische Begleiterkrankungen, eine Suchterkrankung und sind häufig auch sozioökonomisch benachteiligt.

Daher sind sich die Experten einig: Bei HIV-positiven und an Aids erkrankten Menschen bündeln sich häufig Problemlagen, die in geringerer Ausprägung auch bei der Betreuung von Pflegebedürftigen im Allgemeinen bewältigt werden müssen. In dieser Feststellung gründet daher ein zentrales Ergebnis der Fachtagung: „Die Erfahrungen, die wir heute bei der Pflege von HIV-infizierten machen können, werden in 15 Jahren auch in der Breitenpflege Realität sein“, so Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des von der PKV gestifteten Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Vom betreuten, aber weitgehend eigenständigen Wohnen in einer Wohngemeinschaft bis hin zur Intensivpflege in einer stationären Einrichtung, die auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Bewohner Rücksicht nehmen kann: Die unterschiedlichen Wohnformen, auf die Menschen mit Aids bereits heute angewiesen sind, werden in Zukunft auch für andere Pflegebedürftige immer wichtiger. Bestehende Einrichtungen sind bisher kaum auf pflegebedürftige Menschen in mittleren Jahren eingestellt, dennoch verursachen immer häufiger psychische Erkrankungen, Behinderungen durch Unfälle oder eben HIV-Infektionen einen Pflegebedarf in vergleichsweise jungen Jahren.

Besondere Anforderungen an die Pflegekräfte

Auch für die Ausbildung zukünftiger Pflegekräfte können mit einem stärkeren Blick auf die Anforderungen der Pflege HIV-Infizierter neue Erkenntnisse gewonnen werden: Viele HIV-positive Menschen stellen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihres aktuellen oder ehemaligen Suchtmittelkonsums oder ihrer Herkunft hohe Anforderungen an die Aus-und Fortbildung sowie an die Reife und Integrität des Pflegepersonals. Diese speziellen Anforderungen können nur durch eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung der Pflegekräfte gesichert werden. Eine solche Ausbildung ist ohnehin aufgrund der immer stärker werdenden Ausdifferenzierung der Lebenswelten der älteren Bevölkerung in Deutschland immer notwendiger.

Die Private Krankenversicherung hat vor nunmehr 25 Jahren die Deutsche AIDS-Stiftung mit gegründet und seitdem finanziell unterstützt. Der amtierende Stiftungsratsvorsitzende und Vorsitzende des PKV-Verbandes Reinhold Schulte machte in seiner Begrüßungsrede zum Jahresempfang deutlich, dass sich die Private Krankenversicherung auch bei der inhaltlichen Weiterentwicklung von Pflegeprojekten für HIV-Infizierte engagieren wird. Bereits heute unterhält die AIDS-Stiftung – auch mit Mitteln des PKV-Verbandes – vier Einrichtungen des betreuten Wohnens für Menschen mit HIV und Aids und gibt damit ein gutes Beispiel für andere Träger, sich für diese Betroffenen zu engagieren. Die Erfahrungen, die in diesen Projekten gemacht werden, fließen selbstverständlich auch in die übrigen Aktivitäten der Privaten Krankenversicherung im Bereich Pflege ein: Von der Weiterentwicklung von Versicherungsprodukten zur Absicherung des Lebensrisikos Pflegebedürftigkeit, über die Weiterqualifikation der Privaten Pflegeberatung COMPASS bis hin zur Qualitätsprüfung von Pflegeeinrichtungen durch die Neugründung der PKV-Abteilung „Qualitätsprüfung von Pflegeeinrichtungen“. Auf diese Weise empfiehlt sich die Private Krankenversicherung in allen Bereichen als Reformmotor bei der Weiterentwicklung der Pflege in Deutschland.