• Vorlesen
  • A A A

PKV PUBLIK AUSGABE 01/2012

PFLEGE

Gesprächsleitfaden
Das Zentrum für Qualität in der Pflege erleichtert Beratern die Verständigung mit Pflegebedürftigen


Das Zentrum für Qualität in der Pflege hat einen wissenschaftlich erarbeiteten Leitfaden für Beratungssituationen vorgestellt. Damit kann besser auf die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen eingegangen werden als in einem unstrukturierten Gespräch.

 

Die meisten Menschen wollen auch mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Pflegebedarf zuhause alt werden. Die Pflegeberatung leistet einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung dieses Wunsches. In Deutschland existiert bisher jedoch kein Verfahren, das diesen Beratungsprozess wissenschaftlich basiert unterstützt. Vor diesem Hintergrund hat das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) die Entwicklung eines Beurteilungsinstruments für die Pflegeberatung beauftragt.

„Pflegeberatung ist in der häuslichen Versorgung ganz besonders wichtig. Sie leistet einen zentralen Beitrag, pflegende Angehörige so zu stärken, dass sie die hohe Belastung des Pflege-Alltags besser bewältigen können“, so Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Bereits seit der Gründung der Stiftung vor knapp zwei Jahren sei daher ein Schwerpunkt der Arbeit auf das Thema „Beratung im Kontext Pflege“ gelegt worden. Aktuell untersucht das ZQP in diesem Themenbereich zum Beispiel die Formen innovativer Online-Beratung in der Pflege und arbeitet an einem Methodenstandard für das Care- und Casemanagement. „Die Entwicklung eines Assessment-Instruments, des sogenannten Pflegeberatungs-Inventars (PBI), setzt unser bisheriges Engagement für qualitätsgesicherte Pflegeberatung konsequent fort“, so Suhr.

Mit der Entwicklung des PBI wurde Prof. Martina Schäufele beauftragt, eine ausgewiesene Expertin von der Hochschule Mannheim. Das Instrument sollte die Anforderungen des Gesetzgebers an die Pflegeberatung in vollem Umfang erfüllen und Bedarf und Bedürfnisse der Ratsuchenden strukturiert und ganzheitlich erfassen. Zudem sollte der Leitfaden sowohl in der aufsuchenden Beratung als auch im Rahmen der Arbeit von Pflegestützpunkten einsetzbar sein. Der weiteren Erarbeitung des PBI wurde ein Modell aus dem angelsächsischen Raum zugrunde gelegt, das die gestellten Kriterien bestmöglich erfüllte und zudem in Beratungsprozessen in der Pflege bereits erprobt war.

Zentraler Bestandteil der PBI-Entwicklung war die Evaluierung des Instruments im Beratungseinsatz. In einem ersten Schritt wurde hierzu die inhaltliche Relevanz der Fragen durch sogenannte Verständnisreviews geprüft – sowohl mit Pflegeberatern und Pflegeberaterinnen der Berliner Pflegestützpunkte als auch bei der aufsuchenden Pflegeberatung der COMPASS Private Pflegeberatung. Zudem wurde das PBI einem Praktikabilitätstest unterzogen, um sicherzustellen, dass es in den unterschiedlichsten Beratungssituationen einfach anwendbar ist – sowohl bei alleinstehenden älteren Menschen als auch bei Pflegebedürftigen, die zuhause durch Angehörige betreut werden oder bei pflegebedürftigen Kindern. Für den umfangreichen Test konnte das bundesweit einheitliche System der COMPASS Private Pflegeberatung gewonnen werden, was eine qualitätsgesicherte und überregionale Durchführung ermöglichte.

Die Rückmeldung der Ratsuchenden zum Einsatz des PBI war äußerst positiv. Viele hatten den Eindruck, dass ihre vielschichtigen Problemlagen in ihrer Gesamtheit erfasst wurden. Zudem zeigte sich, dass das entwickelte Instrument Belastungssituationen bei pflegenden Angehörigen frühzeitig transparent erfassen und damit einen Beitrag zur Stabilisierung einer Pflegesituation leisten kann. Auch die Pflegeberater machten deutlich, dass der systematisch aufgebaute Fragenkatalog des PBI ein hilfreiches Instrument für den Beratungsprozess ist.

Aktuell arbeitet die Stiftung neben der Überprüfung weiterer Gütekriterien des PBI an einer computergestützten Lösung, um die Handhabbarkeit des Instruments weiter zu verbessern. Dr. Ralf Suhr resümiert: „Die Pflegeberatung in Deutschland benötigt weitere qualitätssichernde Standards.“ Das PBI sieht er in dieser Hinsicht als einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Pflegeberatung, welchen das ZQP mit den Experten und der Pflegefachszene gerne im Weiteren diskutieren möchte. Die Stiftung stellt daher den ausführlichen Bericht der Hochschule Mannheim zur Assessment-Entwicklung sowie das PBI auf seiner Internetplattform allen Interessierten kostenlos zur Verfügung.

 

„Ein systematischer Fragenkatalog bietet viele Vorteile.“
Kurzinterview mit Prof. Dr. Martina Schäufele

Frau Prof. Schäufele, wozu dient das sogenannte Pflegeberatungsinventar (PBI), das Sie für das Zentrum für Qualität in der Pflege entwickelt haben?

Mit Unterstützung des PBI, einem wissenschaftlich basierten, systematischen Fragenkatalog, erhalten die Pflegeberaterinnen und Pflegeberater im Gespräch mit hilfe- und pflegebedürftigen Menschen ein umfassendes Bild über deren Bedürfnisse und Bedarfe. Damit kann der vom Gesetzgeber geforderte individuelle Hilfeplan entwickelt werden. Das PBI trägt aber auch dazu bei, Belastungssituationen oder andere Risiken frühzeitig zu erkennen.

Welche Bereiche können durch das neue Instrument untersucht werden?

Das PBI enthält Fragen zu allen Themen, die im Zusammenhang mit Hilfs- und Pflegebedürftigkeit und ihrer Bewältigung relevant sind – angefangen bei den Einschränkungen in der Alltagsbewältigung, den sozialen Beziehungen, der Wohn- und familiären Situation über medizinische Probleme und mentale Gesundheit bis hin zu den aktuell in Anspruch genommenen Leistungen und den Problemlagen pflegender Angehöriger.

Inwieweit stellt die systematische Befragung mit dem PBI einen Mehrwert für die Pflegeberatung dar?


Eine erste praktische Erprobung des PBI im Beratungsalltag verlief vielversprechend und unterstreicht die Notwendigkeit eines solchen Instruments. Gegenüber einem unstrukturierten Erstgespräch bietet ein systematischer Fragenkatalog viele Vorteile. So werden unter anderem wichtige Problembereiche aufgedeckt, die schambesetzt oder weniger bewusst sind und daher in einem unstrukturierten Gespräch unerwähnt blieben.