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PKV PUBLIK AUSGABE 10/2011

PRÄVENTION

Schüler klären auf
Im Vorfeld des Welt-Aids-Tages hat die PKV Schülerzeitungsredakteure nach Berlin eingeladen

Der PKV-Verband hat Schülerzeitungsredakteure aus ganz Deutschland zu einer Informationsveranstaltung über Aids und HIV eingeladen. Der beste Artikel zum Thema wurde prämiert.

 
Gruppenbild Pressekonferenz PKV
 

Anlässlich des Welt-Aids-Tages 2011 haben der Verband der Privaten Krankenversicherung und die Jugendzeitschrift „SPIESSER“ einen Wettbewerb für Jungjournalisten zum Thema Aids-Prävention ins Leben gerufen. Mit diesem Projekt sollen Schülerzeitungsredakteure als Multiplikatoren für die Aids-Prävention geschult werden.

Die 15-jährige Schülerin Lara Ermer aus Fürth ist mit ihrem Artikel die Gewinnerin des Wettbewerbs, für den sich mehr als 40 Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren aus allen Teilen Deutschlands qualifizieren konnten. Sie wurden zu einem Themen-Tag nach Berlin eingeladen und konnten in Workshops und Pressegesprächen mit Experten und Betroffenen alle Fragen rund um das Thema Aids recherchieren.

Das Ziel bestand darin, möglichst viele Jugendliche mit den Präventionsthemen zu erreichen. Die Jungjournalisten kennen die Interessen, Sprachgewohnheiten und Probleme aus eigener Erfahrung und können die wichtigen Informationen daher am besten in die Sprache ihrer Leserinnen und Leser übersetzen.

Aufklärung ist notwendig

Diese Aufklärungsarbeit ist auch dringend notwendig: In Deutschland haben sich in diesem Jahr etwa 2.700 Menschen mit HIV infiziert. Darunter sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) knapp 85 Prozent Männer, von denen sich etwa zwei Drittel (rund 1.500) beim Sex mit anderen Männern angesteckt haben. Gut 800 Infektionen entfielen auf heterosexuelle Kontakte, etwa 360 wurden durch verunreinigtes Besteck beim Drogenkonsum verursacht.

Rund 500 Menschen starben 2011 an den Folgen der Infektion, über die Jahre zählte das RKI bislang etwa 27.000 Todesfälle. Insgesamt leben in der Bundesrepublik rund 73.000 Menschen mit HIV oder Aids. Das Institut schätzt, dass 14.000 von ihnen noch nichts von ihrer Infektion wissen.

Neben dem Leiter des Aidsreferats der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Dirk Meyer, konnten die Schüler ihre Fragen an Ute Hiller (Geschäftsführerin der Berliner Aids-Hilfe) und „John aus Berlin“ (Botschafter der Welt-Aids-Tags-Kampagne 2011) richten.

Vor allem die Lebensgeschichte des langjährig HIV-Infizierten beeindruckte die Jugendlichen und lieferte ihnen wichtige Anregungen für ihre Berichte. In ihrem Artikel schreibt Gewinnerin Lara daher auch über den Alltag eines HIV-positiven Menschen. Sie kommt zu dem Schluss, dass Selbstschutz und Toleranz die wichtigsten Waffen im Kampf gegen das HI-Virus sind (s. Text auf Seite 13).

Die PKV engagiert sich seit 2005 mit der BZgA und der Deutschen Aids-Stiftung in der Aids-Prävention. Dafür stellt sie jährlich 3,5 Mio. Euro zur Verfügung.

 

Rette Dich selbst!

„Wenn du die Chance hättest, jemanden von Aids zu heilen – wen würdest du retten?“ Es ist nur ein Spiel, aber trotzdem sind wir alle erstmal unentschlossen. Hat eine 15-jährige thailändische Prostituierte es mehr verdient, die Erkrankung loszuwerden, als ein Arzt, der bei seinen Forschungen zu HIV-Medikamenten infiziert wurde? Unsichere Blicke wandern durch den Raum – erstmal sehen, was die anderen machen. Es geht um das HI-Virus heute morgen. Wir, neun Jungs und Mädels, die beim SPIESSER-Gewinnspiel eine Berlinreise gewonnen haben und einige Schülerzeitungsredakteure, sollen anhand weniger Informationen entscheiden, welche der vorgegebenen HIV-infizierten Personen wir am liebsten retten würden. Gar nicht einfach. Und eigentlich auch gar nicht nötig, da es das Wundermedikament gegen HIV sowieso (noch) nicht gibt.

Wie stecke ich mich an?

Es ist ja relativ einfach, sich vor einer Ansteckung zu schützen. Der Virus wird über Körperflüssigkeiten und Schleimhäute übertragen. Julia von der Berliner Aids-Hilfe spricht Klartext: „Das Risiko, sich im Alltag zu infizieren, ist sehr niedrig – außer bei allem, was mit Sex und Blut zu tun hat.“

Und was, wenn doch?

Aber selbst Kondome sind kein Allheilmittel. Die können auch platzen. Wenn ich weiß, dass ich HIV-positiv bin, was dann? Wie der Alltag eines HIV-Erkrankten aussieht, erzählt uns John in einer Pressekonferenz am Mittag. John ist Botschafter des Welt-Aids-Tages 2011. Er hat sich vor 28 Jahren mit HIV infiziert, als man so gut wie nichts über die Krankheit wusste. Mittlerweile ist das besser: „Du hast einen Dauergast, für den du sorgen musst. Aber mit den heutigen Medikamenten hast du sonst keine Einschränkungen.“ John lebt in einer Beziehung und hat natürlich Sex – mit Kondom. „Dank der Medikamente bin ich nicht mehr sehr infektiös und habe weniger Angst, andere zu infizieren.“

Was können wir tun?


Neben John sitzen auf der Bühne Stefan Reker vom Verband der Privaten Krankenversicherung, die Geschäftsfüherin der Berliner Aids-Hilfe Ute Hiller und Dirk Meyer, Leiter des Aids-Referats in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Um ehrlich zu sein, kenne ich sie erst seit der Pressekonferenz. Aber sie geben viele interessante Dinge von sich. Etwa dass es nicht so einfach ist, mit Schulen zusammenzuarbeiten. Ute Hiller sagt: „Vielleicht haben Lehrer Angst vor diesem Thema.“ Von uns 35 Schülern im Publikum haben nämlich gerade mal fünf im Unterricht über HIV und Aids gesprochen – obwohl es im Lehrplan aller Bundesländer steht.

Wen ich retten würde?

Und ich? Was hab ich vom heutigen Tag mitgenommen? Ich habe eine Antwort auf die Anfangsfrage gefunden. Sollte ich jetzt jemanden retten, würde ich sagen: „Rette dich selbst!“ Denn wer sich selbst schützt, schützt auch andere vor einer Ansteckung. Und wenn die bereits Infizierten ausreichend Unterstützung erhalten und offen über ihre Situation sprechen dürfen, können wir alle zusammen etwas gegen das Virus tun.


Prämierter Artikel der 15-jährigen Schülerin Lara Ermer aus Fürth