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PKV PUBLIK AUSGABE 08/2011

PFLEGE

Optimal vernetzt
Das Zentrum für Qualität in der Pflege bündelt das Wissen der Experten


Gut ein Jahr nach der Gründung zieht das Zentrum für Qualität in der Pflege eine überaus erfolgreiche Zwischenbilanz. Seinem Anspruch, das Wissen der Pflegeakteure aus Wissenschaft und Praxis immer besser zu vernetzen, wird das ZQP voll gerecht.

 

Als das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) im Juni 2010 feierlich eröffnet wurde, formulierte die ehemalige bayerische Sozialministerin und aktuelle Stiftungsratsvorsitzende des ZQP, Christa Stewens, eine klare Vision: „Wir wollen die Stiftung sein, die in der Pflege Wissen aus Theorie und Praxis auf wissenschaftlicher Basis vernetzt, neue multidisziplinäre Wege in der Versorgung erschließt und dem Thema Pflege zu mehr gesellschaftlicher Relevanz verhilft.“

Erfolgreiche Zwischenbilanz

15 Monate später hat die gemeinnützige Stiftung eine erste, überaus positive Zwischenbilanz vorzuweisen: Derzeit arbeiten die professionellen „Qualitätsentwickler“ an mehr als 20 unterschiedlichen Projekten, 6 Projekte wurden bereits erfolgreich abgeschlossen und viele Publikationen der jungen Stiftung wurden so stark nachgefragt, dass sie bereits vergriffen sind. Zudem hat das ZQP erste Erkenntnisse zum Thema Pflegequalität in über 300 Artikeln der Fach- und Tagespresse platzieren können.


Der Verband der Privaten Krankenversicherung hatte die operative Stiftung vor knapp 2 Jahren gegründet, um das Thema Pflegequalität zu institutionalisieren. Es sollte ein unabhängiger Ort geschaffen werden, an dem Experten und Akteure aus Wissenschaft, Praxis, Ehrenamt und Selbsthilfe zusammenfinden und gemeinsam relevante Fragestellungen rund um das Thema Pflege diskutieren können. Die Experten helfen der Stiftung auch, die richtigen Projektideen zu identifizieren. „Wir wollen keine Forschung im Elfenbeinturm. Die Ergebnisse der Stiftungsarbeit sollen dazu beitragen, die tatsächliche Situation von pflege- und hilfebedürftigen Menschen zu verbessern“, sagt Stewens.

„Die Stiftungsinitiative kommt an“, resümiert Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. „Wir mischen uns mit unserer Arbeit in den aktuellen Diskurs um gute Pflege ein. Und es freut uns, dass wir bereits von vielen Seiten wahrgenommen werden.“ Startete die Tätigkeit in den Geschäftsräumen in Berlin Mitte mit zunächst nur einem Mitarbeiter, so ist dort inzwischen ein achtköpfiges Team tätig. Die Themenpalette ist breit: Von „Migration und Pflege“ über den aktuellen Stand der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in deutschen Unternehmen bis hin zur Teilhabe und Integration von behinderten Menschen in der Altenhilfe werden Projekte vom ZQP durchgeführt. Nicht zuletzt wegen des derart breiten Spektrums arbeitet die Stiftung auch mit anderen Institutionen zusammen und vergibt Studienaufträge an externe wissenschaftliche Einrichtungen. Damit soll sichergestellt sein, dass alle Fragestellungen immer vom jeweils geeignetesten Experten bearbeitet werden.

Besonderer Fokus auf der häuslichen Versorgung

Im Zentrum des Stiftungsinteresses steht die häusliche Versorgung. Dass es sich dabei um ein bislang nur wenig erforschtes Feld handelt, erstaunt fast ein wenig. Schließlich werden traditionell die meisten Pflegebedürftigen zu Hause versorgt und auch perspektivisch ist es der erwiesenermaßen größte Wunsch vieler Menschen, in den eigenen 4 Wänden alt werden zu können.

„Neben unserem Arbeitsschwerpunkt verlieren wir aber auch die anderen relevanten Themen nicht aus dem Blick“, meint Suhr. „So haben wir beispielsweise gerade Ende September gemeinsam mit der Universität Freiburg einen Marktüberblick einschließlich Nutzenbewertung zu den Qualitätssiegeln und Zertifikaten in der deutschen Langzeitpflege abgeschlossen.“ Aktuell arbeitet die Stiftung daran, die Projektergebnisse in einer übersichtlichen „Gütesiegelkarte“ zusammenzufassen. „Wir wollen den über 20.000 Anbietern im ambulanten und stationären Bereich ein praktisches Orientierungsinstrument zur Verfügung stellen. Auch der Verbraucher kann sich hieran orientieren.“

Gute Pflegeberatung nötig

Das Thema Pflegeberatung sieht das ZQP als zentralen Baustein, um häusliche Pflege zu ermöglichen. „Ich glaube, man fände eher seinen Weg im Urwald von Borneo ohne Kompass als Informationen im Leistungsdschungel des deutschen Gesundheitswesens“, so Suhr. Menschen brauchen bei Pflege- und Hilfebedarf einfach zugängliche, umfassende und neutrale Beratung. Damit Ratsuchende überhaupt wissen, wo sie eine derartige Pflegeberatung finden können, hat das ZQP kürzlich auch für Verbraucher eine Online-Datenbank auf seiner Webseite veröffentlicht. In dieser Datenbank finden sich – neben dem Zugang zu COMPASS, der Pflegeberatung der Privaten Krankenversicherung – auch die verfügbaren Kontaktinformationen der deutschlandweit rund 380 Pflegestützpunkte der gesetzlichen Krankenkassen. Bis Ende des Jahres ist eine Weiterentwicklung dieser Datenbank vorgesehen.

In den kommenden Monaten wird das ZQP im Internet auch mit einer neuen Informationsplattform innovative Wege beschreiten. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, umfassende Informationen rund um das Thema Pflege sowie Erkenntnisse aus der eigenen Arbeit für verschiedene Zielgruppen aufzuarbeiten. Daneben sind interaktive Service-Leistungen geplant. Das Zentrum für Qualität in der Pflege will auch hier seinem Anspruch gerecht werden, die Stiftung zu sein, die Wissen vernetzt.