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PKV PUBLIK AUSGABE 08/2011

EDITORIAL


Liebe Leserinnen und Leser,
der Bundestag befasst sich derzeit mit einem Entwurf zur Begrenzung der Vermittlerprovisionen beim Vertrieb von Versicherungen. Die PKV begrüßt die Absicht des Gesetzgebers, Fehlentwicklungen bei den Provisionen zu verhindern. Alle Beteiligten sehen, dass man im Interesse des Verbraucherschutzes Übertreibungen vermeiden muss.

Dies gilt vor allem für Fehlanreize bei den sogenannten Umdeckungen, soweit der Unternehmenswechsel nicht im Interesse des Versicherten erfolgt. Die PKV unterstützt daher die vorgeschlagene Stornohaftungszeit von 60 Monaten. Diese Regelung würde zu einer spürbaren Minderung der Abschlusskosten führen und der Praxis der Umdeckungen durch Vermittler wirksam begegnen.

Die darüber hinaus vorliegenden Vorschläge zu einer gesetzlichen Deckelung der Provisionshöhe sind allerdings nicht ausgereift, sie weisen zahlreiche Unklarheiten und Unstimmigkeiten auf. Der vorliegende Gesetzgebungsvorschlag unterscheidet sich beträchtlich vom geltenden versicherungsrechtlichen Regelwerk. Er wird zu zahlreichen Abgrenzungsproblemen führen. Der Gesetzgeber muss zudem sicherstellen, dass die Regulierung der Provision keine wettbewerbsverzerrende Wirkung entfaltet. Die Regeln müssen im Hinblick auf die verschiedenen Vertriebswege wettbewerbsneutral sein.

Besonders wichtig ist, dass angesichts der im Grundsatz lebenslangen Absicherung in der PKV die fortdauernde persönliche Betreuung der Versicherten durch die Vermittler nicht beeinträchtigt wird. Daher ist sicherzustellen, dass die für die Bestandspflege gezahlten Vergütungen nicht unter die Begrenzung der Abschlusskosten fallen.

Schlicht unmöglich ist eine kurzfristige Umsetzung zum 1. Januar 2012, wie von manchen in der Politik geplant. Die Regelungen greifen in bestehende Verträge ein und erfordern deren Anpassung, wobei eine Vielzahl von Vermittlungsvereinbarungen betroffen ist. Weil die Abschlusskosten nach der Kalkulationsverordnung zu den maßgeblichen Größen für die Beitragskalkulation zählen, müssten überdies auch die Beiträge neu kalkuliert werden. Bis zum 1. Januar 2012 ist das alles objektiv nicht möglich.

Bei dieser extrem komplexen Gesetzesmaterie muss gelten: Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Sinnvollerweise sollte das Inkrafttreten parallel zur ohnehin bevorstehenden Umsetzung des Unisex-Urteils des Europäischen Gerichtshofs zum Dezember 2012 erfolgen. Dann hätte der Gesetzgeber auch genügend Zeit für eine seriöse Beratung und handwerklich saubere Umsetzung der neuen Regeln. Eine nicht ausgereifte, kurzfristige Neuregelung könnte ins Leere laufen oder über das Ziel hinausschießen.


Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Volker Leienbach